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Welchen Film habt ihr als letztes gesehen?


#12520

Us

Jordan Peeles Regiedebüt “Get Out” hat vor zwei Jahren mit seiner ungewohnten Herangehensweise an das Horror-Genre viel Aufmerksamkeit erregt und für hitzige Diskussionen gesorgt. Zahlreiche Filmfans packten “Get Out” in ihre Top-Liste des Jahres und waren gespannt darauf zu erfahren, ob dieser Film eine Eintagsfliege war oder ob Jordan Peele tatsächlich ein Händchen für kreative Horror-Trips hat. “Us” heißt nun also der Nachfolger und kommt auf den ersten Blick noch schräger, mysteriöser und intriganter daher. Worum geht es also?

Adelaide (Lupita Nyong’o) und Gabe (Winston Duke) wollen mit ihren Kindern Zora (Shahadi Wright Joseph) und Jason (Evan Alex) Urlaub machen und fahren deshalb nach Santa Cruz, wo sie ein Ferienhaus mieten. Doch dort angekommen, muss die Familie feststellen, dass das Urlaubsvergnügen durch eine unheimliche Atmosphäre erstickt wird. Noch bevor die Familie abreisen kann, muss sie feststellen, dass direkt vor ihrer Tür vier Schatten lauern, die den einzelnen Familienmitgliedern zum Verwechseln ähnlich sehen.

Auch bei Jordan Peeles zweitem Regie-Werk ist es so, dass man mehr Spaß damit hat, je weniger man darüber weiß. Daher möchte ich an dieser Stelle keine weiteren Worte mehr über die Geschichte verlieren und direkt zu meinen Eindrücken überleiten.

“Us” ist ein sehr ungewöhnliches Horrorfilm-Erlebnis, das von einem unverbrauchten Konzept und zahlreichen Genre-Spielereien lebt. Sicher, es gibt etliche Filme aus dem Subgenre, das sich “Home Invasion” nennt. Doch “Us” nimmt dieses Setting als Aufhänger und leitet konsequent zu etwas viel Größerem. Dabei jongliert Jordan Peele im Verlauf der 116 Minuten mit diversen Genre-Elementen und versieht einzelne Szenen immer wieder mit Details und Aktionen, die die gesamte Stimmung ständig in eine andere Richtung treiben. Mal Mystery, mal Comedy, mal kalter Horror und dann entsteht urplötzlich ein cooler Wir-werden’s-denen-zeigen-Drive, der fünf Minuten später wirren Rückblenden weichen muss. Es wird am laufenden Band mit der Erwartungshaltung der Zuschauer gespielt, was ich sehr unterhaltsam und erfrischend fand.

Doch wo wir eben beim Thema Comedy waren - darin liegt mein erster Kritikpunkt an “Us”. Auf der einen Seite mag ich es, dass dieser Film leichtfüßig auftreten und den Horror am hellichten Tage abbilden will, doch gleichzeitig ist es mir etwas zu viel des Guten, was der Vater der Familie - Gabe - hier abzieht. Der Humor schlittert in manchen Szenen arg am Slapstick vorbei und das tut “Us” nicht so gut. Gerade in der Mitte des Films gibt es dann ein bis zwei Szenen, wo Jordan Peele es spürbar übertreibt. Manchmal macht mich der US-amerikanische Regisseur schon stutzig. Auf Twitter betont er, dass es sich bei “Us” um einen Horrorfilm handelt und gleichzeitig lässt er Gabe zu einem Comic Relief verkommen, der das Publikum öfter lachen als schaudern lässt.

Was ich wiederum sehr positiv finde, ist, dass “Us” ein Horrorfilm ist, der mehr von seinem gruseligen Gedankenspiel und den abstrusen Charakteren lebt als von trivialen Gore- oder Splatter-Momenten. Und genau das macht diesen Film einem breiten Publikum zugänglich. Man muss kein hartgesottener Horrorfilm-Fan sein, um sich “Us” anschauen zu können und das rechne ich Jordan Peele und seinem Team hoch an.

Was das Thema Schauspiel angeht, muss ich diesen Film ebenfalls auf ganzer Linie loben. Okay, Winston Duke entlockt hier niemandem ein “wow”, aber das ist mehr dem Drehbuch verschuldet als dem eigentlichen Schauspieler. Dafür fand ich Lupita Nyong’o, Shahadi Wright Joseph und Evan Alex richtig richtig gut. Meine Güte, was es da für Szenen gibt! Sei es irres Grinsen, Gekrächze, wahnsinniges Staunen, ruckartige Brutalität oder bedeutungsschwangere Blicke - die Schauspieler sind super gewählt und machen einen fantastischen Job.

Wer denkt, dass “Us” seine Kreativität lediglich mit seinem Genre-Mix und der ungewohnten Ausgangssituation begründet, lässt zwei Dinge außen vor. Eines davon werde ich aus Spoiler-Gründen nicht verraten, doch was mich ebenfalls bestens unterhalten hat, war die Weise, wie Musik, Schnitt und Kamera miteinander interagiert haben. Im letzten Drittel gibt es eine Szene, die so cool geschnitten, bebildert und mit einer Horror-Neuinterpretation des Songs “I Got 5 on It” des Rap-Duos Luniz untermalt ist, dass ich sie mir am liebsten direkt ein zweites Mal angesehen hätte. Alleine die Neuinterpretation des Songs war ein kleiner Geniestreich.

Nachdem es nun für “Us” so viel Lob gab, muss ich aber dann doch wieder den einen, oder anderen Kritikpunkt loswerden. Wo Jordan Peeles Zweitwerk leider ins Stolpern kommt, ist das Thema Pacing. “Us” lässt sich Zeit, hat im Mittelteil ein paar Momente, wo er sich fast schon zieht, nur um am Ende jene Szenen, die ich gerne in längerer Form bekommen hätte, schnell abzuhandeln. Des Weiteren war ich mit dem Einsatz der Rückblenden nicht sonderlich glücklich. “Us” zeigt, erklärt und dröselt viel auf, um dem Mainstream-Publikum gerecht zu werden, opfert dafür aber inszenatorische Qualitäten. Dadurch hatte ich am Ende das Gefühl, dass der Film nicht sein komplettes Potenzial ausgeschöpft hat. Gerne hätte ich erlebt, dass “Us” mit all seiner Symbolik mit mir als Zuschauer aneckt und mir den Teppich unter den Füßen wegzieht, doch Herr Peele nimmt lieber die sicherere und weniger beeindruckende Ausfahrt.

Unter’m Strich ist “Us” ein starkes zweites Regiewerk, das ich insgesamt noch interessanter und vielschichtiger finde als “Get Out”. Dieser Film hat einen deutlich größeren Wiederschauwert und sprudelt nur so vor erfrischenden Elementen, sodass ich im Kino viel Spaß hatte. Doch leider sorgen die Abzüge in der B-Note dafür, dass ich “Us” nicht als einen rundum gelungenen Horrorfilm bezeichnen kann. Ein Chapeau kann man den Beteiligten aber insofern aussprechen, als dass die Kritik auf hohem Niveau stattfindet.


#12521

Würde mich nicht wundern, wenn man sie über das Jahr hinweg für eine potentielle Oscarnominierung versucht zu puschen. Gibt mittlerweile schon so Einiges an Buzz.


#12522

Stimmt, aber da müsste noch ein bisschen was von ihr kommen, damit es Oscar-verdächtig wird. Die Chancen stehen aber gut, dass sie jetzt noch weitere große Projekte ans Land ziehen wird.


#12523

The Mule

Auf jeden Fall kein schlechter Film, über den ich auf jeden fall noch eine weile nachdenken muss.
Er hat mir nicht zu 100%, sondern zu eher 80% gefallen (also mir persönlich).
Aber ich kann klar erkennen, dass es ein echt klasse Film ist, der halt manchmal nicht so gespielt hat, wie ich es gern hätte. Dass der Eastwood als Regisseur aber schon seine Hintergedanken hat, kann ich nicht bestreiten. Das, was er macht, taugt mir halt nicht immer, aber es ist nicht grundlos.

Der Film kann sich in etwa einreihen hinter Million Dollar Baby und Gran Torino. Spielt auch mit einem ähnlichem Topos, nämlich dem von “Redemption”, wie es auf englisch so schön heißt.
Hab mir im Vorfeld das Video-essay hier reingezogen:


Die nicht mal 10 Minuten sind sehr gut investiert, um Million Dollar Baby & Gran Torino und Eastwood’s Art auf eine Art klar zu verstehen.

Und man kann auch in The Mule wirklich eine “marker stones” erkennen, wo die Struktur an einigen zentralen Stellen durchkommt.

Am Anfang war der Film vom Ton her etwas gewähnungsbedürftig, ja fast 08/15 von der Stange, was Schnitt und Exposition betrifft. Da hätte ich mir fast eine etwas mehr verzwickte, spielerische, “den Zuschauer zu denken auffordernde” Erzählweise gewünscht.

Das hat sich aber relativ schnell gelegt und es kam mir vor, als würde Eastwood wieder in seinen Groove finden.
Und ab dann war es wirklich ein “Spaß” zu zusehen, wie sich die ganze Handlung entfaltet.

Ab und an war nicht so ganz klar, ob Eastwoods Charakter naiv ist, oder sich gezielt als naiv gibt, um unter dem Radar zu fliegen. Wobei ich eher letzteres vermute, da Eastwood’s Charakter Vietnam-veteran ist und einige lebensbedrohliche Konfrontationen ihn wirklich kalt lassen und er die Situation durch einfaches “Unbeeindruckt sein” im Griff hat.

Ein echt sehenswerter Film, der sich nicht so ganz nach meinen Vorstellungen abgespielt hat, aber den ich schon als gut gemacht und sehenswert einschätze :smiley:


#12524

Bonnie and Clyde (1967)

Regie: Arthur Penn
Warren Beatty, Faye Dunaway, Gene Hackman, Michael J. Pollard, Estelle Parsons, Gene Wilder

Da in der aktuellen Kino+ Sendung über den anlaufenden Netflix Film The Highwaymen gesprochen wurde, wurde ich animiert diesen Klassiker wieder einmal in den Player zu schieben. Kurz gesagt, es war eine gute Entscheidung.

Inhalt:
Wir schreiben die 20er Jahre, die große Depression hat die USA erfasst: Bonnie Parker, ein hübsches, junges Mädchen, arbeitet als Kellnerin und träumt davon, dass ihr eines Tages ein Traumprinz erscheint. Als der ehemalige Häftling Clyde Barrow vor ihrer Tür steht, der Bonnie sogleich mit seinen Knastgeschichten betört, ist es um sie geschehen. Um Bonnie die Wahrheit seiner Behauptungen zu bezeugen, überfällt er mit gezogener Waffe einen kleinen Laden und schon befinden sich die beiden auf der Flucht. Nachdem sie sich mit C.W. Moss, einem halbwüchsigen Automechaniker, Clydes Bruder Buck, sowie dessen spießiger Ehefrau Blanche verstärkt haben und die ersten Toten zu beklagen sind, zieht sich die Schlinge um die Barrow-Gang immer enger zusammen…

Fazit:
Dieser Film läutete eine neue Ära im amerikanischen Film ein, und bis heute hat der Film nichts von seiner rohen, emotionalen und künstlerischen Kraft verloren.
Arthur Penns filmischer Stil ist ungeschminkt, roh und intensiv, alle Darsteller liefern Meisterleitungen ab.

2 Szenen vom Anfang aus Bonnie und Clyde:

Bonnie und Clyde spielt mit den historischen Fakten, zumindest so wie sie bekannt sind. Der Film romantisiert gleichzeitig das Duo und entmythologisiert sie. Die Beziehung zwischen diesen beiden wird als eine der großen Romanzen des 20. Jahrhunderts dargestellt (die Fakten deuten darauf hin, dass dies nicht der Fall war).
Aber das werfe ich dem Film nicht vor und buche alle Änderung zur wahren Geschichte als künstlerische oder dramaturgischen Freiheiten ab.

Kritiker Patrick Goldstein nannte „Bonnie und Clyde“ einst treffend den „ersten modernen amerikanischen Film“ bzw. es ist der erste große Film einer starken Epoche des New Hollywood.
Die Schlußszene als Bonnie und Clyde, schlussendlich durch Verrat, in einen Hinterhalt gelockt wurden, wird immer großes Kino bleiben.


#12525

Habe mich vorhin durch ca. die Hälfte von Iron Sky: The Coming Race gequält und bin dann aus dem Saal. Das es trash sein würde war mir natürlich klar, nur leider war der Film für mich kein Stück unterhaltsam, sondern einfach nur konfus und langweilig. :confused: Die jokes waren mir viel zu platt und on-the-nose und alles andere war eben einfach schlecht ohne unterhaltsam zu sein. In meinem jugendlichen Leichtsinn hatte ich tatsächlich gehofft, dass sie mit mehr Zeit und Budget einen handwerklich besseren Film zusammenschustern.


#12526

Alita: Battle Angel

Ein Film der nur so voller Möglichkeiten und Ideen strotzt, aber die meisten davon links liegen lässt.
Ich habe die Vorlage nie gesehen und kann daher nicht beurteilen, wie sehr die Probleme schon da vorhanden waren. Man merkt aber auf jeden Fall, dass hinter dem Battle Angel eine umfangreichere Story steht, als man in einen Film quetschen kann. Das haben James Cameron, Robert Rodriguez und Co wohl auch erkannt und so viel vorweg, der Film endet mit einem clichebeladenen und vollkommen unnötigen Cliffhanger. Dieser ist umso ärgerlicher wird, wenn einem klar wird, dass der Film an den Kinokassen wohl gefloppt ist und ein zweiter Teil wohl nicht so bald kommen wird.
Dabei hätte man das und viele weitere der Probleme verhindern können, wenn man sich auf eine kleinere Geschichte fokussiert hätte. Denn trotz des Cliffhangers, hat Alita zu viele Figuren und Handlungsstränge. Die Geschichte rast in der ersten Hälfte nur so durch und fehlen uns wichtige Dialogszenen und Ereignisse, die zur Charakterentwicklung beigetragen hätten und uns gerade die Beziehung von Alita und ihrem Freund galubwürdiger hätten wirken lassen. Denn genau die ist einer der größten Probleme des Films. Der Film hat sehr viele dumme und bedeutungsschwangere Dialoge, was vor allem der schnellen Erzählweise geschuldet ist. Irgendwie muss man ja die Charakterentwicklung da rein quetschen. Aber was Hugo und Ali sich da an den Kopf knallen, würde auch Twilight ein bewundertes Klatschen abringen. Anstelle also mitzufiebern wenn am Ende das unwiederbringliche passiert, dann rollt man nur genervt mit den Augen.
Der Film deutet viele Interessante Elemente wie die Frage nach dem Mensch sein, den Taten von guten Menschen in verzweifelten Situationen usw. Leider wird alles nur angerissen oder mit Küchenpsychologie für erledigt erklärt.
Ich könnte noch ewig ins Detail gehen, aber ich denke ihr versteht meinen Punkt. Kommen wir nun dazu, warum ich mit Alita dann doch Spaß hatte.
Den letzten 3D Film, den ich gesehen habe, war der Hobbit und durch seine HFR der einzige Film, bei dem ich 3D jemals als Mehrgewinn und nicht als störend empfunden habe. Hier kann ich bezüglich Alita Entwarnung geben. Das 3D fügt sich organisch in den Film ein und irgendwann bemerkt man es kaum noch. In einigen chaotischen Szenen trägt es subjektiv sogar der Übersichtlichkeit bei. Das Schauspiel ist trotz des oftmals schnulzigen Geschwurbels recht gut und die Schauspieler machen echt das beste draus.
Audio-visuell ist der Film ein echtes CGI Gewitter und eines der besten, wenn ich das mal so sagen darf. Entgegen meiner Erwartungen gewöhnt man sich sehr schnell an 99s große Kulleraugen und im Vergleich zu den restlichen menschlicheren Maschinen reduzieren die Augen sogar den Uncanny Valley Effekt, eben weil sie so comichaft sind.
Aber auch der Rest fügt sich recht organisch ineinander und die Kampfszenen sind einfach nur spektakulär. Die große Leinwand ist hier definitiv ein Gewinn. Auch designtechnisch weiß die Welt und ihre Bewohner zu überzeugen. Abwechslung ist hier auf jeden Fall geboten. Die Gewalt ist für FSK 12 echt ordentlich, aber leider hat man sich den letzten Schritt nicht getraut und so schnetzeln die Androiden leider etwas mit angezogener Handbremse.
Die Welt erzählt somit ihre eigene Geschichten und die sind so viel interessanter als das was uns der Film doch erzählen will.
Ich fühle mich nach diesem Film, als hätte ich eine extra Lange Folge Love, Death & Robots gesehen. Optisch eine echte Bombe, aber es wurde zu viel in zu wenig gequetscht und ich würde gerne die Langfassung davon sehen, nur das dieser Film schon 2 Stunden geht.
Wer Lust auf ein technisch großartige Actionfilm hat und der nicht zu viel von der Story erwartet, der wird hier voll auf seine Kosten kommen.

3/5


#12527

The Bourne Identity

Schon 17 Jahre alt!!! Ich weiß noch genau, als ich ihn im Kino gesehen habe. Der Film war damals klasse, die 10 Male danach klasse und ist auch heute noch klasse. Jeder Actionfan, jeder Agentenfilmfan, jeder Thrillerfan kommt hier auf seine Kosten. Ich mag die Genre alle, dazu mit Matt Damon einen wirklich glaubwürdigen Hauptdarsteller und mit Franka Potente einen guten Sidekick - die Chemie stimmt. Den Gegenspielern hätte man vielleicht noch etwas mehr Tiefe geben können, denn trotz bekannter Namen bleiben die etwas farblos.

Trotzdem nach wie vor ein Film, der ebenso ein Bond in Neuzeit oder ein Mission Impossible Film sein könnte und den guten Vertretern derselben in nichts nachsteht.
4.5/5


#12528

Ich würde sogar sagen, dass der Film durch seine “reduzierte Atmosphäre” (nicht “die welt retten” oder “Bösewicht XY stoppen” oder “MacGuffin XYZ klauen”) noch nen ticken besser ist als andere typische Vertreter des Thriller/Spy-genres (M:I, Bond).

Sowas wie das Wettrennen im Fiat 500 ist einfach echt super anzusehen, weil es keine bombastische Materialschlacht ist, aber dennoch hochqualitativ produziert ist.
Und die Kampf-choreos sind auch oberste Schiene, sowas hätte ich vom Damon echt nicht erwartet :smiley:


#12529

mid90s

:confused:

Hat mir nicht gefallen. Bin ohne Erwartungen rein, aber ziemlich enttäuscht - fast schon deprimiert - wieder raus. Irgendwie hat da vieles für mich nicht zusammengepasst, obwohl ich nicht mal klar benennen kann, was genau. Vlt. weil mir ein ähnlicher Background fehlt. Meine Berührungspunkte mit der Skater-Szene sind, dass ich Tony Hawk’s Pro Skater 2 gespielt hab und 1-2 Klassenkameraden in der Realschule Skater waren. :ugly: Und auch sonst, dieses “als Neuling in eine Clique aufgenommen werden, sich anbiedern und von den “Freunden” und Gleichgesinnten beachtet werden wollen” war nie Teil meiner Lebensrealität. Schon gar nicht in dem Alter.

Andi meinte ja, er könne sich da ganz gut reinversetzen und fand das alles ziemlich cool. Vlt. hat mich das zu neugierig gemacht. :man_shrugging:

Für mich fehlt es diesem Film an Tiefe und Relevanz, wobei gute Ansätze z.B. mit den Charakteren (die fand ich tatsächlich fast alle ziemlich gut) da sind, nur leider in meinen Augen nicht ausgeschöpft werden. Für ein Drama war er zu oberflächlich, für ein “comming of age” zu wenig fokussiert. Vlt. versteh ich auch einfach die Intention hinter dem Film nicht.

Während mir der kleine Junge am Anfang noch recht sympatisch war in seiner Suche nach Anerkennung, ging er mir später nur noch auf den Keks und wirkte wie ein kleiner Psycho. Vor allem tut er den ganzen Film nicht wirklich was, um sich die Anerkennung, die er sucht, zu verdienen, sondern biedert sich hauptsächlich an und macht einen auf dicke Hose. So möchtegern coole Macker konnte ich noch nie leiden.

Wahrscheinlich ist der Film für Amerikaner und Leute, die diese Cliquen-Zugehörigkeit so ähnlich selber erlebt haben, sehr viel wertvoller. Nach dem Kinobesuch dachte ich mir nur: “Wärst du doch lieber mal in The Sisters Brothers” gegangen, der parallel zu mid90s lief und ebenso wie dieser zu dem Zeitpunkt die letzte Vorstellung in der Gegend hier hatte. :nun:


#12530

Da sie schon einen Oscar hat, muss sooo viel eigentlich nicht mehr kommen :sweat_smile:


#12531

Ach, ja, verflucht - da war ja was. Habe “12 Years a Slave” völlig übersehen. :sweat_smile:


#12532

Ja, vor Allem zur damaligen Zeit nicht. Er hat ja vorher so weit ich weiß nie in einem Actionstreifen mitgespielt. Später hat er ja wenigstens ein wenig Masse zugelegt.

Mit der, sieht man ja, dass ich ihn in allen so gut wie allen Belangen grandios finde, die volle Punktzahl gibt es bei mir nur sehr selten.


#12533

Triple Frontier

Komischer Film. Den Film finde ich handwerklich ganz gut gemacht aber das Script finde irgendwie seltsam.

Ein Haufen ehemaliger Kriegskameraden versuchen einen Coup durchzuziehen und dabei einem Drogenboss Geld abzuluchsen. Einzige Regel dabei, verhalte dich dabei so amateurhaft wie möglich. Das ist ganz schön frustrierend und nimmt ganz schön viel Spaß heraus. Man fragt sich die ganze Zeit fragt WARUM? WARUM entscheidest du dich so und so? Warum wurdest du angeheuert wenn du dein Spezialgebiet so unglaublich verkackst? Warum so unnötig gierig wenn ich doch irgendwie Profis sein sollt? Frustrierend

Frustrierend auch das Ende. Wofür habt ihr das jetzt gemacht? Man weiß es nicht

6/10 mit viel verschenktem Potential


#12534

The Miami Showband Massacre

Eine Dokumentation auf Netflix über das Attentat auf eine irische Showband während des Nordirland Konflikts, der sich im Verlauf des Films sich auch den Verstrickungen der britischen Armee und des britischen Geheimdienst in den Konflikt widmet.

In den letzten Monaten habe ich sowohl Spielfilme als auch Dokus über den Nordirland Konflikt gesehen. Doch diese Doku hat mich doch positiv überrascht. Sie zeigt die Auswirkungen eines solchen Attentats auf eine einzelne Person, vernachlässigt aber auch nicht die grösseren Zusammenhänge.

4/5


#12535

Drachenzähmen leicht gemacht

Wie ging der bloß an mir vorbei ? :heart_eyes:

10/10


#12536

Wir

Jordan Peeles zweiter Film ist auf jeden Fall ein würdiger Nachfolger von Get Out. Das Schauspiel, angeführt von einer fantastischen Lupita Nyong’o, lässt nichts zu wünschen übrig, die Kinderdarsteller konnten mich ebenso überzeugen. Die Stilsicherheit macht hier vieles aus, denn so fühlt man sich trotz des Humors, der Satire, der ungewohnten Kameraarbeit, dem abgefahrenen Soundtrack und der vielen Fragen die gestellt werden in der Atmosphäre trotzdem wohl und man lässt sich leicht begeistern. Auf den ersten Blick stimmt alles, der Mix aus Horror, Thriller, Satire und Comedy funktioniert ziemlich gut.

Trotzdem wird hier nicht das volle Potenzial ausgeschöpft. Was bei Get Out deutlich besser funktioniert hat wird hier zu subtil, zu sehr zwischen den Zeilen vergraben. Dazu ein nicht ganz gelungenes Pacing, Witze an den falschen Stellen lassen mich dann doch bitter schlucken. Trotzdem sind das nur kleine Kritikpunkte.

Trotzdem eine Empfehlung wert, da es allemal immer noch 4/5 sind und es gerade im Horrorbereich mal was anderes auf der Leinwand ist. Aber definitiv nichts für “Hirn aus und gruseln”.

4/5
Gesehen im Kino auf Deutsch


#12537

Ehrlich gesagt keine Ahnung wie der an Dir vorbeigangen ist. :beanjoy:

hach :beangasm:


#12538

If Beale Street Could Talk

Wie schön ein Film trotz der Tragik sein kann beweist Beale Street ohne wirklich Klischees oder irgendetwas anderes zu bedienen. Zwei junge Menschen, getrennt durch den Rassismus ihrer Zeit, führen uns durch die tragische Geschichte von James Baldwin. Es ist nur eine Geschichte von vielen, so fühlt es sich zumindest an, und trotzdem verleiht es gerade deswegen dem kompletten Film auf Dauer eine Authentizität, die ich bereits bei Moonlight gespürt habe.

Beide Hauptdarsteller haben mich mit ihrer Art, ihrer Unschuld und ihren Familien verzaubert, dass mich alles, was ihnen widerfährt zutiefst berührt. Eine junge Frau, die eine Geschichte erzählt, untermalt von wundervoller stimmiger Musik, wunderschönen Bildern und Dialogen, die teils wirklich harte Wortgefechte sind, aber auch nur zwischen den Figuren stehen. Tatsächlich fühlt es sich größtenteils so an, als würden all die Worte, die zwischen Tish und Alonzo nur dafür da, dass wir als Zuschauer verstehen, was sie sich auch ohne Worte sagen könnten. Dazu diese Ruhe in den Szenen, trotz einiger Längen fühlt es sich nicht danach an, als wäre hier auch nur eine Sequenz zu viel. Ales bestes Beispiel ist mir da die Szene zwischen Alonzo und Daniel hängen geblieben.

Er lebt die Zeit, in der er spielt und zeichnet harte, aber realistische Bilder. Und das trotz der Schönheit der Bilder und der Musik, was wieder einmal der Stilsicherheit Barry Jenkins zu verdanken ist. Mit diesem Film beweist er, genau wie Jordan Peele, dass er keine Eintagsfliege ist und durchaus weiß, was er auf die Leinwand bringen will. Bitte mehr davon!

Zum Ende hin hat er mich etwas verloren, da ich einige Zeit gebraucht habe, um zu verstehen, was uns hier für eine Geschichte erzählt wird. Und dennoch hat mich der Film in seiner Gänze vollkommen überzeugt.

4/5
Gesehen im Kino auf Deutsch


#12539

Versuche jetzt bevor “End Game” rauskommt nochmals alle Marvel-Filme durchzuschauen. Letzte Nacht mit den ersten beiden angefangen.

Iron Man:
Wirklich ein sehr, sehr guter Start in die Reihe, primär dank der ersten zwei Drittel. Ich habe das Finale nie so fehl am Platz gefunden wie viele der Kritiker, aber inzwischen muss auch ich zugeben: Der dritte Akt funktioniert einfach nicht sonderlich gut. Der Antagonist wird nicht so aufgebaut, als suche er die physische Auseinandersetzung, und trotzdem wirft man ihn zum Schluss in einen Mecha-Suit und wirft in gegen Tony Stark, nur damit man noch ein richtiges Kabumm-Finale hat… das funktioniert einfach nicht.
Ansonsten ist der Film aber spitze. Die Effekte haben sich nicht schlecht gehalten, der Iron-Man-Anzug wirkt immer noch richtig fest und schwer, und Tony Stark… Nun, sind wir ehrlich, Robert Downey Jr. ist einer der wichtigsten Spieler des ganzen Marvel-Konstruktes. Die Reihe fängt startet mit und nicht nur verkörpert er Tony Stark von der ersten Minute so perfekt wie Hugh Jackman gleich zu Beginn einfach der perfekte Wolverine war oder Christopher Reeve Superman, er zeigt auch schon gleich zu Beginn, wie komplex und interessant der Charakter ist und noch werden kann.
Tony Stark hat von Anfang an Tiefgang, Ecken und Kanten und komplexere Motivationen, und es überrascht nicht, dass er auf im Rest der Reihe die interessantesten Entwicklungen durchgeht.

Fazit: Alles in Allem noch immer einer der besseren Filme des MCU.

Und danach:

The Incredible Hulk:
Jaaa, von einem der Höhepunkte zu einem der Tiefpunkte…
Irgendwie hatte ich den Film besser in Erinnerung. Ich wusste, dass die erste Hälfte sehr, sehr langsam ist und sich vor allem auf die Charaktere konzentriert, während die zweite Hälfte und das Finale dann mehr Action und Spektakel sind. Und irgendwie hatte ich im Kopf, dass die erste Hälfte ganz gut ist.
Aber als ich ihn jetzt nochmals gesehen habe… irgendwie ist es bizarr, jetzt gefällt mir das Actions-Zeug fast am besten (auch wenn es nicht brilliant ist).
Das Charakter-Zeugs in der ersten Hälfte ist einfach SOOOOOOO langweilig und ohne irgendwelche Substanz. Edward Norton hat kaum Material mit dem er arbeiten kann und Liv Tyler, welche sein emotionaler Anker sein sollte, ist einfach nur langweilig… und ehrlich gesagt nicht wirklich eine Schauspielerin die ich besonders toll finde.
Aber im Kontext des Universums hat der Film auch ein anderes Problem. Er setzt nämlich die Regeln für den Hulk auf eine seltsame Art fest. Der Hulk, in diesem Film, ist nicht mehr an Banners Zorn gebunden, sondern an jegliche Art von Aufregung, welche seinen Puls hochjagen kann. Das wäre eine interessante Idee für einen Stand-Alone Film, wo man ein bisschen experimentieren kann und Charaktere wie den Hulk neu definieren kann… aber im Kontext des MCU ist es einfach seltsam, denn der Hulk, ansonsten, wird durch sein Wut-Problem definiert, nicht durch alles was ihn aufregt.
Aber man muss auch ehrlich sein: Die Regeln, nach welchen der Hulk funktioniert, sind über das ganze MCU nicht sehr genau und gut definiert…

Fazit: Erste Hälfte recht langweilig, zweite Hälfte schlecht gealtertes CGI-Spektakel. Im Kontext des MCU ist dieser Film wohl derjenige, den man am ehesten überspringen kann, ohne etwas zu verpassen.