ich weiß nicht, ob es nur mir so geht, aber manche Filme bleiben mir weniger wegen der eigentlichen Handlung im Kopf, sondern eher wegen ihrer Stimmung.
Also Filme, bei denen Musik, Bilder, Tempo, Farben oder eine bestimmte Atmosphäre wichtiger wirken als die reine Story. Bei mir sind das oft Mystery-, Horror-, Sci-Fi- oder ruhigere Drama-Filme, aber manchmal auch ganz andere Sachen. Es muss nicht einmal viel passieren, solange der Film ein bestimmtes Gefühl gut trifft.
Beispiele wären für mich sowas wie Blade Runner, Drive, Lost in Translation oder auch manche Carpenter-Filme. Nicht unbedingt, weil ich jeden davon objektiv perfekt finde, sondern weil sie eine Stimmung haben, in die man sofort wieder reinkommt.
Kennt ihr solche Filme auch? Also Filme, die ihr eher wegen Atmosphäre, Musik oder Bildsprache wieder anschaut als wegen der Handlung?
Sämtliche Lynch-Filme, würde ich sagen. (Behaupte ich mal, obwohl ich jetzt längst nicht alles von ihm gesehen habe)
Er hat so wundervoll verstanden, wie sich Träume anfühlen. Auch wenn nicht gesagt wird, dass man einen Traum sieht – es fühlt sich eben genau so an. Diese Dinge, die in ihrer ganz eigenen Weise Sinn ergeben, oder keinen Sinn, keine Erklärung brauchen, um sich richtig und passend anzufühlen.
Ich würde da auch mal Apocalypse Now ins Rennen werfen. Finde den auch so extrem Stimmungsvoll (also nicht im positiven Sinne klar) und das Geschehen wird mit der Zeit immer absurder. Aber die Story selbst ist ziemlich dünn, man sucht eben eine Person und fährt dafür immer weiter einen Fluss aufwärts und erlebt dabei verschiedene Stationen, thats it.
Ich würde da jeden Film nennen. Eine Geschichte ist nur einmal interessant, in der Wiederholung wird sie ein bekannter Gegenstand und andere Blickwinkel öffnen sich, vornehmlich welche, die auf der Atmosphäre, dem Vibe, fußen.
der ist auf jeden Fall ein pefektes Beispiel. Hab den letztens zum ersten Mal geguckt, und während ich die 2. Hälfte des Films fuchtbar fand, die erste Hälfte ist unfassbar geil und das Wordbuilding ist der Hammer.
Auf jeden Fall im Gedächtnis geblieben.
Fast dieselbe Antwort aber Ghost in the Shell. Den hab ich auch letztens zum ersten Mal gesehen nachdem ich den lange Zeit ignoriert habe, weil ich den Song mit dem GitS Musikvideo früher so nervig fand und auch der bleibt hauptsächlich wegen dem Worldbuilding hängen.
Hauptsächlich ist es diese Szene die die Handlung zwar kein Stück weiterbringt, aber seitdem in meinem Kopf rumschwirrt.
Weiß nicht ob es alleine ohne das drumherum genau so funktioniert wie einfach ohne Kontext spontan mitten im Film
Dieser Film mixt Holmes mit Jack the Ripper und spielt in einem düsteren, nebligen viktorianischen London. Es ist der zweite Holmes Film in Farbe und es wird viel damit gespielt. Er ist nicht knallbunt, sondern schafft mit gedeckten Farben, viel Kontrast ein stimmiges Bild, dass sehr gut zu den schmutzigen dunklen Gassen, dem Rotlichtmilieu und den dreckigen Kneipen passt.
Ich finde auch die Aufmachung hat in Teilen ein paar parallelen zu Dark City.
Der von @LeSchroeck häufiger genannte „Wake In Fright“ (Ferien in der Hölle) müsste auch sehr gut passen. Dichte und unangenehme Atmosphäre, die sich direkt überträgt.
The Holy Mountain
Arizona Dream
Stalker
2001: A Space Odyssey
Lost in Translation
Drive
Chunking Express
In The Mood For Love
The Draughterman’s Contract
Orlando
Titane
Blade Runner
Portrait of a Lady on Fire
Suspiria(Original, wie Remake)
Posession
Let The Right One In
Darjeeling Limited
Dead Man (eigentlich eh alles von Jarmusch)
Heavely Creatures
Danke euch für die vielen Nennungen, da ist schon einiges dabei, was ich entweder länger nicht gesehen habe oder endlich mal nachholen sollte.
Lynch passt natürlich extrem gut, gerade weil da oft gar nicht wichtig ist, ob man alles logisch auseinandernehmen kann. Ghost in the Shell und Dark City finde ich als Beispiele auch stark, weil da das Worldbuilding und die Bildsprache fast mehr hängen bleiben als einzelne Handlungspunkte. Und bei Stalker oder 2001 ist es für mich ähnlich: Die Filme funktionieren eher wie ein Zustand, in den man langsam reingerät.
Ich merke beim Lesen, dass ich solche Filme oft gar nicht über Genre suche, sondern eher über Stimmung. Beim Weiterstöbern bin ich deshalb über diese Übersicht gestolpert: Filme mit besonderer Atmosphäre
Nicht alles davon passt automatisch zu den genannten Beispielen, aber als Ausgangspunkt zum Weiterklicken finde ich solche Listen ganz praktisch.