For the Love of Gossip - Warum wir über Andere Lästern

Great minds discuss ideas.
Average minds discuss events.
Small minds discuss people.

Dieser Spruch hat mir lange Zeit als Richtlinie für soziale Interaktion gedient, sodass ich kontrollieren konnte, welche Richtung ein Gespräch nimmt. Und ebenso lange ging ich davon aus, in die erste Kategorie zu gehören, da ich für mein Leben gern Ideen, Visionen etc. bespreche. Nach und nach ist mir aber aufgefallen, dass diese Einteilung schwierig ist, da so ziemlich alle Menschen, mit denen ich ins Gespräch komme, alle dieser drei Themenbereiche bei einem Gespräch abdecken. Oft rutscht das Ganze von einem Gespräch über Ideen schließlich ab in eine Gossip-Eskapade.

Da ich gestern mit Freunden vier Stunden zugebracht habe, andere Menschen zu diskutieren, habe ich mich gefragt, was mir persönlich diese Form von “Lästern” bringt.
Ich bin kein Mensch, der sich durch shit talk an anderen hochzieht. Das liegt mir fern und finde ich abstoßend. Trotzdem bin ich fasziniert, von anderen zu hören, was sie über Menschen denken. Oft hilft mir das, mir ein besseres Bild von beiden Seiten (Lästernder und Belästerter) zu machen. Selten gelange ich über solche Gespräche an Informationen, die ich nicht mit dem “Opfer” persönlich besprechen würde.

Was meint ihr dazu? Findet ihr es moralisch verwerflich, über Menschen zu reden, die nicht im Raum sind?
Und was macht diesen “Reiz” des Lästerns aus?

Das liegt bei uns in den Genen.
Wir müssen alle Menschen die wir kennen lernen oder sehen bewerten und da wir zum Großteil doch sehr soziale Wesen sind, sprechen wir eben auch über unsere Bewertungen, jedenfalls mit Menschen die uns freundlich gegenüber stehen.

Meine Gespräche laufen übrigens meist nur in der 1. oder 3. Kategorie ab. Ich liebe es mögliche Gedankenkonstrukte zu diskutieren und ich mag es auch mal richtig schön über jemand zu lästern. Bin aber auch jemand, der diese Kritikpunkte ansprechen würde, wenn die Person anwesend ist.
Events ist natürlich ein sehr breit gefächerter Begriff. Natürlich spricht man über Dinge wie 9/11, aber das Tagesgeschehen (Nachrichten, Sport) ist bei mir eher seltener Thema.

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Gutes Thema und guter Spruch.
Ich erwische mich auch des öffteren, wie ich über andere “herziehe”, obwohl ich es auch eher abstoße. Um mein Gewissen zu beruhigen, versuche ich mir dann einzureden: “ich spreche ja nur über schlechte Menschen” - also z.B. über einen Kollegen, der einfach menschlich, sowie kollegial eine Vollniete ist. Ich hab dann eben diesen Drang mich über diesen auszulassen, bzw. mir bestätigung dessen zu holen.
Wahrscheinlich liegt uns sowas einfach tatsächlch in den Genen und/oder es gehört zu unserem sozialen Wesen.
Solange man es nicht übertreibt und niemanden damit verletzt, ist es ok denke ich.
“lästern” oder “herziehen” ist in meinem Fall auch eher überspitzt dargestellt. Über jemanden reden wäre der richtige Begriff. Lästern ist eher böswillig, das mag ich selbst nicht.

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Ich lästere nicht. Entweder sage ich den Leuten ins Gesicht, dass sie zum Kotzen sind oder sie sind mir egal.

Wenn ich in einer Runde bin, in der gelästert wird, bleibe ich so lange stumm bis ich mit einer theatralisch genervten Geste (aber still) die Runde verlasse.

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Also ich finde mich in allen drei Kategorien wieder, wobei sich "discuss ideas" eher auf sinnlosen Quatsch bezieht wie:
Werden Midi-Chlorianer vererbt bzw. ist die Wahrscheinlichkeit ein Jedi zu werden höher, wenn die Eltern oder ein Elternteil schon Jedi sind? Oder spielt das keine Rolle und die Wahrscheinlichkeit empfänglich für die Macht zu sein ist für alle gleich?

Naja und Lästern ist halt so ein Thema. Ich gebe feierlich zu, dass ich auch gerne mal läster.
Meistens läster ich aber nur über Personen, die ich ohnehin nicht leiden kann und bei denen ich auch nie versuche einen auch „best friends“ zu machen.

Zum Anderen denke ich auch, dass lästern bis zu einem gewissen Maß gut für zwischenmenschlichen Beziehungen ist, denn es gibt bestimmte Dinge (bestimmte Eigenschaften und Macken) die muss man jemandem auch einfach nicht direkt sagen.
Klar erwarten wir eigentlich immer eine ehrliche Meinung, aber es gibt Dinge die sind einfach nicht zu ändern oder einfach unhöflich und verletztend.

Anstatt, dass man also irgendwann vor jemanden explodiert, weil einem eine bestimmte Macke (die er eh nicht ändern kann) so aufregt, lästert man einmal gezielt und lässt seinen Unmut gezielt raus und schon ist die Welt wieder in Ordnung :smiley: ich habe das Risiko eines Magengeschwürs verringert und derjenige mit der Macke wurde nicht verletzt.

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Ich denke es ist wie bei Mobbing. Man stellt sich über andere und das gibt einem ein gutes Gefühl. Der Unterschied ist natürlich, dass bei Gossip über Promis höchstens indirekt jemand einen Nachteil hat und bei manchen Leuten ihre Prominenz einzig und allein daraus besteht, dass sie regelmäßig Teil der Gossip-Presse sind.

Also wenn die Wahscheinlichkeit besteht, für die Macht empfänglich zu sein, ohne Gen(Midi-Chlorianer)-weitergebende Eltern haben zu müssen, dann kann ich mir ja doch noch Hoffnungen ausmalen ^^. Wobei ich wohl eher zum Sith tendieren würde, da die Vorraussetzung ein Jedi zu werden, ja doch einwandfreie Moral angibt. Lästern ist also ein „No-go“ für Jedis… oder?

Mir gibt das kein gutes Gefühl. Bin ich der einzige, dem es so geht?

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Ich denke dieses Gefühl ist bei jedem Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt. Einige haben es ganz extrem und andere fast gar nicht. Man sieht das es anderen schlechter geht, als einem selbst und das gibt einem meist ungewollt ein gutes Gefühl. Ein Psychologe kann die Zusammenhänge da sicher besser erklären, denn wie fast alles an uns Menschen hat auch dieses Verhalten evolutionär sicher mal einen Nutzen gehabt.

Ich glaube, dass man nicht alles mit Genetik erklären kann. Es stecken sicherlich auch viele soziale Faktoren darin. Was auf jeden Fall genetisch veranlagt ist, ist das Aufnehmen und Einstufen von neuen Informationen. Schubladendenken hilft in einer Situation, in der du schnell entscheiden musst (z.B. unbekannte Gefahrensituation) natürlich sehr, während es in der sozialen Interaktion hinderlich ist.
Ich finde einfach interessant, wie andere Menschen andere Menschen sehen, was für eine Wirkung wir aufeinander haben.

Psychologentipp Nr. 1: Nicht von dir auf andere schließen! Nur weil du dich gut fühlst, wenn es anderen schlechter geht als dir, heißt es nicht, dass es eine Eigenschaft ist, die jeder Mensch hat. Im Gegenteil: Ich zum Beispiel fühle mich richtig dreckig, wenn ich sehe, dass es anderen schlechter geht als mir.

Psychologentipp Nr. 2: Nicht alles, nicht einmal fast alles, lässt sich durch die Evolution erklären. Einige Verhaltensweisen und Eigenschaften sind in der Evolution begründet, der evolutionäre Ansatz ist jedoch nur einer von vielen Ansätzen, die das menschliche Verhalten erklären können.

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Bisch du Püschologe, ey? :smiley:

Hobby-Püschologe :wink:

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Find ich cool. Ich beschäftige mich tatsächlich in meiner Ausbildung viel mit menschlicher Psychologie, aber weniger wissenschaftlich, sondern im Hinblick auf Ausdruck, Haltung, Reaktionen usw.

  1. Habe ich nicht ;).

  2. Wie gesagt, war das auch nur geraten und keine fundierte Meinung.

Gut fühlen, wenn es anderen schlechter geht, kann ich auch nicht so gut nachvollziehen. Eigentlich will ich, dass es allen Menschen gut geht. :smiley: Dass jeder macht, was er will, statt zu tun, was er denkt, dass andere wollen. Im groben Sinne. Und wenn er dabei niemand anderen einschränkt. Ich werde aber auch sehr schnell sehr „passionate“ über dieses Thema.

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Ich habe noch nie einen Menschen getroffen, dem es bei bestimmten Personen nicht so ging. Klar, wenn es meinem Freund, meiner Mama oder meinen Freunden schlecht geht, geht es mir sicher nicht besser.

Aber würde ich jetzt erfahren, dass der Typ der mich richtig schön verarscht und mir damit das wissentlich das Herz gebrochen hat, sich Chlamydien eingefangen hat, würde ich keinen Hehl daraus machen, wie sehr mich das freut.

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Psst. Hab ja letztens einen gesehen der mit Mormonen geredet hat. Erst tat er mir leid aber dann fand ich’s lustig weil er sie von ihrer materiellen Propaganda erleichtert hat.

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Man kann mit den komischten Menschen erstaunlich gute Gespräche führen. :wink:

Ich weiß nicht wie das Gespräch lief, aber das Buch dürfte mittlerweile in einer Recycling Tonnen liegen.