Kritik zu Moin Moin vom 17.02.2021

Liebe Bohnen, liebe RBTV-Community,
Ich hoffe es geht euch allen während dieser seltsamen Tage im Hinblick auf die aktuelle Pandemie Lage allen gut und seid soweit gesund und munter.

Ich wende mich nun heute an euch alle, um ein Thema anzusprechen, welches mich seit kurzem beschäftigt. Mir ist bewusst, dass ich ein heikles Thema ansprechen werde und bitte daher um Geduld und Verständnis sowie auch die Rücksichtnahme aller Böhnchen und bitte euch inständig sachlich und anständig darüber zu diskutieren.

Worum geht es mir denn überhaupt?
Ich habe vor kurzem das Moin Moin von Lars vom 17.02.2021 angeschaut. Ich habe mir das Video von Anfang bis Ende angeschaut und saß gegen Ende ratlos und irgendwie angesäuert vorm Rechner und wusste nicht so recht die Lage einzuordnen. Um der Thematik dennoch gerecht zu werden, verlinke ich den YouTube-Link zum Moin Moin, welches auch hier auf der Homepage von RBTV zu finden ist.

Link:

Im Moin Moin bezieht Lars Stellung zum Thema Rassismus und Sexismus. Was am Anfang schon mal ein ehrenwerter Ansatz ist und auch zu unterstützen. Was allerdings mich als Zuschauer und langjähriger Fan der Bohnen irritierte und auch zum Teil sauer gemacht hat, waren einige Punkte in Lars Argumentation. Ich weiß auch, dass mich nun einige Zeitgenossen mit Häme überziehen werden und sagen: „Oh, der getroffene Hund bellt!“. Anschließend wird man mich einer politischen Gesinnung zuordnen, derer ich noch nie angehört habe und jeder aufkeimende Diskurs wird sofort mit Hinweis auf mein Geschlecht, sexueller Orientierung sowie meiner ethnischen Zugehörigkeit abgewürgt. Bevor dies nun einige tun werden, lasst mich bitte erklären, welche der einzelnen Punkte mich dazu veranlasst haben mit euch darüber zu sprechen. Ich unterstelle Lars an dieser Stelle keine bösen Absichten, erkenne aber bei etlichen anderen Usern im Netz eine in letzter Zeit relativ häufig vorkommende Verhaltensweise, die ich nun gerne aufgreifen möchte.

Zunächst stört mich der Ansatz, dass man mir als Mensch meine Fähigkeit abspricht mich in andere Mitmenschen einfühlen zu können. Wenn mir eine Person über ihre eigenen Erfahrungen zum Thema Rassismus erzählt, dann höre ich dem aufmerksam zu und versuche darüber zu reflektieren, wann und wo ich selbst einem Gedankenmuster aufgesessen war, dass ich über die Zeitspanne meines Lebens mir angeeignet hatte, ohne es selbst zu hinterfragen. So tat ich es in der Vergangenheit, so halte ich es in der Gegenwart und so werde ich es auch in der Zukunft beibehalten. Und dass bei Rassismus und Sexismus gleichermaßen. Der Community und auch allen anderen da draußen einen verkappten tiefsitzenden Rassismus und Sexismus zu unterstellen und auf die eigene moralische Überlegenheit hinzuweisen, empfand ich als kränkend. Was mich allerdings nicht dazu allein veranlasst hätte mich hier zu Wort zu melden.

Der zweite Punkt, der mich dazu veranlasst hat, mich darüber zu äußern ist die Argumentation von Lars. Mit seiner „Seid ihr nicht ihr nicht für uns, so seid ihr gegen uns!“ Argumentation, spaltet er so die Community in genau die Lager, die eigentlich nicht spalten wollte. Was auch an dem Kommentarbereich und dem Like / Dislike Verhältnis zu sehen ist, da dieses Video scheinbar nicht nur mich sehr irritiert hat und doch relativ stark polarisiert.

Selbstredend vermute ich bei einem sehr selbstreflektierenden Menschen wie Lars eine gute Absicht und möchte hier nun keine Hasstriaden gegenüber Lars oder anderen Bohnen lostreten. Dies wäre unfair und würde im Sachverhalt nicht weiterhelfen. Als Mitglied dieser großartigen Community ist mir wichtig, dass wir uns alle freundschaftlich und sachlich über Probleme unterhalten und Lösungsansätze dafür erarbeiten können.

Um ein Problem aber lösen zu können, muss man zunächst erkennen, dass es vorhanden ist. Der Kampf über die Deutungshoheit der genannten Themen und das Beanspruchen der moralischen Hegemonie über andere ist seit dem Aufkommen der sozialen Netzwerke zu einem Sport verkommen. Gerade die einzelnen „Bubbles“, in denen die Menschen sich in ihren Communities bewegen, befeuern diese Entwicklung. Jeder liked und abonniert nur noch die Dinge, die man als Mensch selbst mag und hinterfragt nicht mehr die eigene Position. Algorithmen und andere Mechanismen befeuern diese Mechanik und beliefern uns nur noch mit dem Content, der unseren eigenen Wertevorstellungen entspricht. Dies ist bei allen politischen Ausrichtungen zu erkennen und stimmt mich besorgt. Es geht auch schon lange nicht mehr darum im Wettbewerb der Ideen andere für sich zu überzeugen und zu gewinnen oder gar mit den Standpunkten des Andersdenkenden auseinanderzusetzen. Vielmehr wird durch mal geschickte, mal plumpe Agitation der Kontrahent in eine Position gedrängt, in der das Trotzverhalten zum Standard wird. Mit solchen verhärteten Fronten ist kein Wandel zu bewerkstelligen.

Statt im Alltag Rassismus und Sexismus zu begegnen betreiben wir gemütlich von zuhause aus Aktivismus. Gemütlich vom Schreibtisch aus, betreiben wir Wortklauberei, ohne dabei wirklich etwas zu ändern. Versteht mich nicht falsch, es ist ehrenwert gegen all das Unrecht der Welt aufzubegehren und diese Welt zu einem besseren Ort für alle zu machen. Scheinbar hat man aber nun damit begonnen ein Unrecht, gegen ein anderes auszutauschen. Wir reiben uns an Begrifflichkeiten, modulieren unsere Alltagssprache um und werfen all denen vor, die sich von diesem Wandel überrumpelt fühlen, eine Ewiggestrige Geisteshaltung zu besitzen. Kommt von genau diesen Leuten dann sachliche Kritik, werden diese in gewohnter Manier niedergeschrien. Die Unbelehrbaren, welche wirklich ihr unmenschliches krudes Weltbild hegen und pflegen, freuen sich über den Zulauf derer, die vielleicht noch zu retten gewesen wären.

Obendrein gibt es mittlerweile gibt bestimmte politische Strömungen, die mit aller Gewalt eine Form des Geschichtsrevisionismus betreiben. Die einen möchten begangenes Unrecht innerhalb der deutschen Geschichte als „Vogelschiss“ von der Tagesordnung wischen, andere aus dieser Richtung bezeichnen das Holocaust-Mahnmal als „Mahnmal der Schande“. Erschreckender Weise erfahren diese Aussagen einen sehr großen Zulauf oder zumindest einen für mich größeren, als ich es habe wahrhaben wollen. Ein Schauer jagt mir über den Rücken, welche Geisteshaltung so ans Tageslicht bricht. Die politische Gegenseite steht scheinbar etwas weniger gefährlich aus, dennoch betreiben auch diese ihr eigenes Spiel. Wer die Sprache beherrscht, der beherrscht die Gedanken der Menschen. Wer dieses anspricht wird sofort als Übeltäter ausgemacht und sozial geächtet. Überall wittert man nun Sexismus, Rassismus und Hass und fährt seine Geschütze auf. Was vor einigen Jahrzehnten in amerikanischen Universitäten begonnen hatte, schwabbte nun nach und nach zu uns nach Europa. Dies zeigt sich dadurch, dass man nun damit begonnen hat innerhalb von Printmedien, Filmen und Musik nach bedenklichen Inhalten zu suchen und diese zu vom Radar verschwinden zu lassen. Es genügt nicht mehr in der Gegenwart bestimmte Verhaltensweisen einzuhalten, auch die Vergangenheit muss diesem Anspruch genügen. So witterte man erst vor kurzem innerhalb alter Episoden der Muppets Show Rassismus oder verbannte bei den Simpsons die Figur des Apu, weil dieser von einem nicht indischstämmigen Menschen synchronisiert wurde und angeblich rassistische Stereotype transportieren würde. Oder der Versuch Otto Waalkes Sketsche in den 80zigern als rassistisch zu brandmarken, was im Beitrag von Wolfgang M. Schmitt gut kommentiert wurde.

Im vorauseilenden Gehorsam preschen nun einige Comedians und Schauspieler vor und nehmen ihre Beiträge der letzten Jahrzehnte vom Markt. Einige davon mögen Ressentiments bedient haben und entsprechen nicht mehr unserem heutigen Verständnis. Dennoch muss man die Frage im Raum stehen lassen können, was nun damit erreicht wurde?

Diese Frage betrifft auch unseren Bohnen-Kosmos. Ab wann wird man bei Funk und Co darauf pochen alte Beiträge verschwinden zu lassen, die nicht mehr dem aktuellen Neusprech entsprechen? Wo beginnt man und wo hört man auf? Würdet ihr nun die bekannten Gesichter von RBTV auf ein zwei Aussagen, die sie innerhalb der Vergangenheit getätigt haben, reduzieren? Ab wann werden alte Podcasts und Beiträge zensiert und für die Nachwelt nicht mehr einsehbar? Erst vor kurzem hatten die Bohnen ihren USB-Stick zusammengetragen auf die alten Beiträge zu sehen sind, die vielleicht kritisches Material beinhalten haben. Dies sehe ich mit Sorge und befürchte, dass dies in naher Zukunft unsere Community spalten wird und auch der eigentlichen Thematik nicht weiterhilft.

Ich hoffe, ich habe euch nun nicht mit dieser Wall of Text erschlagen und freue mich darauf eure Gedanken dazu zu hören und weise nochmals darauf hin, dass dies nur meine eigene persönliche Sichtweise ist und auch ich nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen habe. Erschlagt mich nicht, bleibt sachlich, bleibt bitte fair.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen viel Bohnenliebe! :blush:

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