Manuskript zu Games, Rausch und Sinnstiftung (Leseangebot)

Hallo zusammen,

ich beschäftige mich seit einiger Zeit intensiver mit der Frage, warum bestimmte Spiele bzw. Spielmechaniken so stark binden können – jenseits von bloßem Spaß oder Zeitvertreib. Dabei geht es mir weniger um Sucht im klinischen Sinn, sondern um Parallelen zwischen Spielsystemen, Rausch, Sinnstiftung, Eskapismus und Belohnungslogiken. Aus dieser Auseinandersetzung sind längere Texte entstanden (Manuskript, noch in Arbeit), in denen ich untersuche, inwiefern Games ähnliche Funktionen erfüllen können wie klassische Rausch- oder Sinnsysteme: etwa Struktur, Bedeutung, Identitätsbildung oder Formen von Weltdeutung.

Mich würde interessieren, ob hier grundsätzlich Interesse an so einem Text besteht, bevor ich einen Link einstelle. Es geht mir nicht um Zustimmung oder Diskussion im engeren Sinne, sondern darum, ob es überhaupt Leser gibt, die sich auf einen längeren, zusammenhängenden Text einlassen möchten.

Viele Grüße, low signal

Da vereinzelt Interesse signalisiert wurde, hier der Text als PDF: https://files.catbox.moe/iuhfpf.pdf

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Das Thema hört sich spannend an, vermutlich werde ich jedoch eine längere Abhandlung darüber aus Zeitgründen und eigener Faulheit nicht lesen. Was ich mir aber sehr interessant vorstelle ist, wenn sich drei, vier Leute vor der Kamera darüber unterhalten. So eine Art „Game Talk Special Kamingespräch“. Das würde ich mir sofort anschauen und mich berieseln lassen. :beanfriendly:

Vielleicht kannst du das fertige Manuskript ja dem @communitymanagement zukommen lassen. Natürlich nur, wenn du das auch möchtest.

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Danke dir für die Idee – das Format fände ich tatsächlich spannend. Ein Gespräch darüber könnte dem Thema eine zugänglichere Form geben als ein reiner Text.

Wenn grundsätzlich Interesse besteht, stelle ich das aktuelle Manuskript gern auch dafür zur Verfügung. Es ist noch in Arbeit, aber inhaltlich bereits geschlossen genug, um als Grundlage für eine Diskussion zu dienen.

Sag mir einfach, über welchen genauen Kanal ich es weitergeben soll. Der Text ist bereits online zugänglich; ich sende ihn aber natürlich auch direkt zu. Mein Ziel ist, dass der Text gelesen und diskutiert wird.

Auch wenn Videospiele nicht das alleinige Zentrum des Projekts sind, sehe ich sie als einen besonders dichten kulturellen Knotenpunkt (in ihnen bündeln sich viele künstlerische und narrative Elemente) – und daher passen sie sehr gut vor allem zu den übergeordneten Fragen des Textes.

Ich würde mich freuen, wenn sich daraus etwas ergibt.

Am Besten einfach mal beim Communitymanagement anfragen, ob Interesse besteht (PM an @communitymanagement) . Dort sind aktuell 6 Bohnen unterwegs, die leiten dann sicher alles in die richtigen Bahnen.

Ich freue mich immer, wenn Beiträge über Computerspiele gesendet werden, die über den Tellerrand schauen und einen Blick hinter die Kulissen zulassen. Gerade Budi könnte ich mir als guten Diskussionspartner vorstellen, da er sich schon früher mit Spielmechaniken und -theorie befasst hat.

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Danke dir für den Hinweis!
Ich denke, bevor ich solche offiziellen Kanäle nutze, warte ich erst einmal ab, wie der Text hier ankommt.
Wenn sich daraus ein stärkeres Interesse ergibt, wende ich mich gern ans Community-Management.

Bisher habe ich unterschiedliche Rückmeldungen aus verschiedenen Kontexten bekommen – deshalb finde ich es spannend zu sehen, wie das Thema hier wahrgenommen wird.

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Ich weiß nicht, ob ich das Thema Videospiele in dem Buch ausreichend akzentuiert habe. Ich sehe sie eigentlich nicht als normale Kunstform, sondern eher als eine Synthese vieler Kunstformen, die technologisch nach wie vor am Anfang steht. Dadurch entsteht etwas Neues: Das Spiel bildet nicht nur eine Geschichte ab, sondern simuliert ein System, in dem Entscheidungen stattfinden. In gewisser Weise wirkt es wie eine bionische Verknüpfung zwischen organischer und anorganischer Welt.

Spiele wie The Talos Principle oder auch Horizon Zero Dawn haben mich deshalb überrascht – weil sie philosophische Fragen über Menschheit, Technik und Zukunft naturgemäß teilweise „intensiver“ verhandeln als viele Filme oder Bücher. Das hat mich besonders überrascht, weil ich Guerilla Games zuvor nicht unbedingt als besonders starke Storyschreiber wahrgenommen hatte. Aber Horizon Zero Dawn ist inzwischen eine meiner Lieblings-Sci-Fi-Geschichten überhaupt. Forbidden West konnte danach für mich leider nur noch enttäuschen, obwohl der Ansatz durchaus wieder beachtlich war.

Für das Thema des Buches wird das Medium, denke ich, in Zukunft noch viel relevanter werden. Im Text habe ich das so formuliert:

„Das Videospiel ist die erste und vielleicht einzige vollständig synthetische Kunstform – ein hybrides Medium, das alle vorangegangenen Ausdrucksformen integriert und zugleich transzendiert.“

Mich würde interessieren, wie ihr das seht: Sind Videospiele noch hauptsächlich Unterhaltung – oder entwickeln sie sich langsam zu einem Medium, in dem gesellschaftliche und philosophische Fragen verhandelt werden? Oder sind sie das vielleicht längst?

Bisher scheinen ökonomische und sozialhierarchische Ziele noch die markantesten Treiber der Spieleentwicklung zu sein. Aber ich vermute, dass es dabei nicht bleiben wird. Die ersten Höhlenmaler konnten unmöglich ahnen, was sie einmal anstoßen würden.

Spiele werden mir scheint immer weniger „geschriebene Geschichten“ und immer mehr „Systeme, die Geschichten erzeugen“.
Vielleicht auch die vorsichtig formulierte Frage: Welche Spiele würdet ihr nennen, die wirklich philosophische oder gesellschaftliche Fragen behandeln? (Auf die eine oder andere Art und Weise)

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Mir fallen spontan Orwell - Keeping an Eye on You und Orwell - Ignorance is Bliss ein. Wird auch jedes Jahr relevanter. :frowning:

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Hm ja Videospiele sind oft sehr „meta“ im Vergleich zu anderen Medien. Ich hab kürzlich zum ersten Mal das Fallout New Vegas Add-on Old World Blues durchgespielt. Irgendwie eine Mischung aus GLaDOS-Humor und Transhumanismus-Satire. Es ist nur leider so, dass immer mehr von dem, was einst Science Fiction war mittlerweile Realität wird und somit auch reale Formen annimmt. Glück für uns - vielleicht können wir bald wirklich durchs Ödland stapfen und die Ink Spots am Pip-Boy hören. Nur ist Transgression in der Realität halt deutlich weniger spaßig. Da gibt’s vermutlich auch keinen Reload-Button.