Über Religion

Zur genauen Begründung, wie sie die Kirche damals abgelegt hat, habe ich jetzt auf die Schnelle nur das hier gefunden (Interview mit Kirchenpräsident Jung von 2013). Quintessenz davon: Wir wollen Familien stärken und das umfasst eben auch solche mit gleichgeschlechtlichen Paaren.

Nimmt aber auch ab. Zumindest in den Kreisen, in denen ich so unterwegs bin.

Meine persönliche Begründung wäre mehrschichtig: Erstens sehe ich nicht, warum über nun doch recht abgelegene Bibelstellen in Leviticus (den Kontext liest da eh kaum einer) so ein Heckmeck veranstaltet wird. Ich gehe ja auch nicht hin und kontrolliere Gärten darauf, ob auch ja nur eine Sorte Saat ausgestreut worden ist oder springe darauf an, ob Leute “Gewebe aus zweierlei Faden” tragen - und wenn jemand dagegen verstößt, töte ich sie. Christus ist das Ende des Gesetzes (Röm 10,4) und damit auch diese Gesetzestexte. Die entsprechende Stelle im Römerbrief, die gerne gegen Homosexuelle vorgetragen wird, liest sich im Kontext anders als durch die nachträgliche Kapiteleinteilung. Es geht nicht darum, solche Menschen zu verurteilen, sondern darum, dass ich niemals Menschen wegen ihrer Sünde verwerfen soll, denn das Urteil darüber fällt Gott allein.

Zweitens ist die Ehe nach evangelischem Verständnis nicht heilig. Katholiken sehen das anders und da da die Tradition stärker ist, ist das Argumentationsmuster da ein anderes. Aber wenn ich die Bibel als Vorbild für Ehe nehme, müssten auch (männlicherseits) polygame Ehen drin sein, wie von Jakob, David oder Salomo eindrücklich vorgelebt. Die Ehe ist ein rechtliches Konstrukt; unsere kirchliche Aufgabe besteht darin, den Menschen, die sich lieben, Gottes Segen zuzusprechen. Weil die Eheschließung aber eben auch ein nicht unbedeutender Rechtsakt ist, in dem zwei Menschen ihre Liebe zueinander vor Zeugen bekunden, muss die standesamtliche Trauung auch immer der kirchlichen vorausgehen.

Drittens handelt es sich, wenn man die Gebote in Levitikus betrachtet, um das Verbot von Geschlechtsverkehr von Männern untereinander (von Frauen ist nicht die Rede). Das Verbot ist einerseits dem damaligen, naja, nennen wir’s mal biologischen Verständnis geschuldet, dass das Ejakulat des Mannes bereits ein vollwertiger Mensch sei. Wenn ich dieses Ejakulat also “verschwende” und nicht zielgerichtet zur Erzeugung von Nachkommen einsetze, begehe ich nach diesem Verständnis einen Mord (deswegen auch dieses ganze Moralgedöns um Masturbation und die Verbote von Sodomie und Coitus interruptus). Andererseits speist sich dieses Verbot aus der Vorstellung von kultischer Exklusivität; Massenorgien gab es durchaus zu religiösen Festen im Umland und die Gesetze in Levitikus wurden erlassen, um das Land von den anderen Göttern rein zu halten. Zeige mir heute einen Menschen, der bewusst homosexuell lebt, einzig und allein um damit Baal oder Aschera zu verehren.

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