Was ist los mit unserer Gaming Kultur? (GameTwo "aus" als Symbol)

Zum Verzweifeln!
Ich bin ein stiller Lurker bei RBTV – schon seit den GIGA-Zeiten (wie viele hier). Lange war ich auch Supporter, aber aus verschiedenen Gründen habe ich irgendwann nur noch sporadisch reingeschaut. Auch Game Two habe ich immer wieder interessiert verfolgt – wenn auch nicht regelmäßig. Das klingt vielleicht negativ, ist aber nicht so gemeint. Wann immer es meine Zeit zuließ, war ich dabei – und habe mich gefreut, dass Gaming bei RBTV nicht nur über Let’s Plays und Livestreams vermittelt wurde, sondern auch über Formate mit Tiefgang.

Doch die aktuelle Entwicklung schockiert mich zutiefst. Gaming-Journalismus kämpft ums Überleben – nicht zuletzt durch den Einfluss von Google. Und kulturelle Auseinandersetzung mit Games stirbt am Geldmangel – siehe Game Two.

Ich (32), Erzieher, Medienpädagoge und aktuell im Bachelor-Studium Sozialpädagogik, beschäftige mich intensiv mit Gaming im pädagogisch-kulturellen Kontext. Und ich bin schockiert, wie wenig dieses Thema in der öffentlichen Diskussion überhaupt eine Rolle spielt.
Neben dem wichtigen Thema Kinderschutz ist es mir ein großes Anliegen, Jugendliche auch für Spiele zu begeistern, die mehr bieten als nur eine Challenge, ein Chicken Dinner in Fortnite oder das Sammeln von Skins.

Und genau hier schließt sich der Kreis zu Game Two: Solche Formate helfen, Gaming als Kultur zu begreifen. Sie zeigen die Faszination eines Indie-Games, die kreative Vielfalt, die erzählerische Tiefe. Klar, es gibt auch einige Streamer*innen und Influencer, die das transportieren – aber ein unabhängiges, journalistisches Format wie Game Two war in meinen Augen ein Leuchtturm.

Ich wünsche mir, dass Gaming wieder mehr als Jugendkultur verstanden und gelebt wird – oder vielleicht überhaupt erst ernsthaft als solche etabliert wird.
Während wir über handyfreie Schulen debattieren, brauchen wir auch Ideen, wie wir unsere Leidenschaft für Games alltagstauglich machen: Gaming-Turniere, digital ausgestattete Jugendzentren, lokale Veranstaltungen zum Thema – all das fehlt vielerorts. Nicht jede*r kann zur Gamescom pilgern, um ein Stück Gaming-Kultur zu erleben.
Wie seht ihr das? Ich bin erst am Anfang meiner „Karriere“ als Medienpädagoge und bin daher für jedes Feedback offen und hoffe das uns Rocketbeans in dieser Form erhalten bleibt und auch in diesem Kosmos empfinde ich @budi immer als sehr interessiert. Vielleicht wäre ein ein Almost Daily zu dem Thema auch interessant!
Beste Grüße
Euer Ikuma

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Ich würde einfach sagen, wir haben Gaming, und wir haben Gaming als Teil der Kultur, aber wir haben keine Gaming Kultur.

Kultur hat Helden, Kultur hat Geschichte,

Gaming wirkt dagegen eher so, dass alles da ist, spaßig ist und dann auf den großen Restehaufen kommt.
Klar gibtes ein paar Dauerbrenner und dann noch das Thema Retro Gaming, aber so wie man an den Userauswertungen der größten Retropodcasts ala stay forever udn co sieht, ist Retro etwas das hauptsächlich für die Leute interessant ist die damals dabei waren, weswegen zb Retro Gaming für Spiele aus den 70ern weit weniger Klicks und co generiert weil da einfach zuwenig Leute da sind die noch sowas konsumieren.

Gaming ist extrem vielseitig, aber das ist nunmal auch teil des Problems.
Ich als Geschichtsfan kann im Urlaub mir ein Schloss einer Kultur eines Landes anschauen über das ich NICHTS weiß und mir anhand Infotafeln etc ein Bildvermitteln.

Gaming dagegen als quasi nicht physisches Interessensgebiet wenn wir mal Tanzmatten, Arcade 5d Steuerkonsolen etc ausklammern ist einfach sehr schwer greifbar.

Dazu das Problem der dauer.
Ein Pong, Tetris, Asteroids, space invader sind ja auch deswegen heute noch bekannt weil auch heute sie noch gut vermittelbar sind, da leicht zu begreifen und in 10 minuten hat jeder kapiert worum es geht bzw die „Erfahrung Asteroids“ gehabt zb.

Genauso wie ich mir einen Sport ansehen kann und wenn jemand bei einem Komplexen spiele ala Baseball, Rugby etc mir die Regeln erklärt, es evtlauch geniessen kann und nichtmal das ganze spiel ansehen muss (hust hust, 4h baseball spiele) um zu verstehen worum es geht

Gaming dagegen, ? Baldurs Gate, RDR etc etc etc, wer nicht 20+ stunden rumliegen hat, braucht nichtmal etwas davon in die hand zu nehmen, es ist hoffnungslos.

Kurz gesagt, ich verstehe wieso Gaming gleichzeitig omnipräsent ist und gleichzeitig doch als Kulturgut ganz ganz hinten steht.

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Oh, sehr spannendes Thema!

Finde ebenfalls schade, dass Gaming-Journalismus im Sinne von Reviews, Messeberichten etc. durch Influencer*innen, Streams etc. in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung verloren haben, da die Reichweiten, die sich monetarisieren lassen eben nicht mehr bei ein Show wie GameTwo oder einem Printmagazin wie der M!Games finden lassen. Umso wichtiger wäre es deshalb aus meiner Sicht, dass der Journalismus der Kultur zuwendet und eher Hintergründe investigativ beleuchtet. Hier gab und gibt es auch beim GameTwo spannende Ansätze und Berichte. Umso unverständlicher finde ich es nach wie vor, dass etwa der öffentlich-rechtliche Rundfunk derartige Berichterstattung nicht noch mehr bzw. weiter unterstützt.

Und ich habe den Eindruck, dass - obwohl fast jede*r spielt - man im „Mainstream“ immer noch Berührungsängste mit dem Thema hat. Aber es gibt ja auch viele Menschen, die einfach spielen (Mobile Games, ausschließlich FIFA etc.) ohne sich als Teil einer Gaming-Kultur zu sehen - und die Kultur an sich ist ja auch wieder sehr divers - ich habe als reiner Offline-Singleplayer z.T. auch wenig Identifikationsfläche mit anderen Teilen des Gamingsspektrums.

Sehe es ähnlich wie @Ikuma. Zwar entsteht Jugendkultur meiner Meinung nach eher organisch „aus sich selbst“, aber natürlich müssen dafür auch Räume und Angebote geschaffen werden. Gaming-Turniere, Jugendzentren etc, sind da tolle Orte, das ganze dort zu verankern und Kids näherzubringen.

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Ich meine das nicht Böse, aber wenn du von Gaming von Jugendkultur sprichst, stößt es mir etwas sauer auf und zeigt ein großes Problem, das Gaming schon ewig hat:
Vielen Glauben noch immer, Gaming sei nur etwas für Kinder und Jugendliche, aber Gaming ist ja nicht nur Jugend, sondern schon Subkultur, denn die Gaming-Kultur ist schon seit einiger Zeit nichtmehr all zu stark auf junge Leute beschränkt.

Wo ich dir allerdings recht geben muss ist, dass das Aus von GameTwo schon irgendwie ein negatives Symbol ist, allerdings bin ich mir nicht ganz sicher wofür.

Mein erster Gedanke wäre ganz simpel der, das Subkulturen allgemein immer mehr aussterben. Ich habe das Gefühl, um so Omnipräsenter Social Media wird um so weniger Menschen trauen sich noch sie selbst zu sein. Sie wollen lieber „normal“ und „beliebt“ sein, was daran liegen könnte das Social Media Individualismus teilweise sehr hart bestraft, während es Anpassung noch unterstützt wird. Und in einer Gesellschaft, die sich Huxley-mäßig immer mehr an alle anderen anpasst, haben Subkulturen halt keinen Platz.
(Theoretisch könnte man die „Schöne neue Welt“ Referenz noch etwas weiterspinnen und davon ausgehen, dass diese Angleichung ja zum Vorteil jeder Regierung wäre und der ZDF als Staatsfernsehen GameTwo eingestellt hätte um weniger Werbung für das „anders sein“ zu machen, aber ich hab es nicht so mit Verschwörungstheorien.)

Ein anderer Gedanke wäre, das Videospiele durch ihre zunehmende Kommerzialisierung immer austauschbarer und damit irrelevanter werden, wie es ja auch beim Kino der Fall ist, aber da könntest du (oder jemand anders) mir jetzt natürlich antworten „Aber was ist mit Indie-Games“ und dazu hätte ich so direkt keine Antwort.

Die Frage die du stellst ist wirklich schwer zu beantworten und lässt sich sicherlich nur relativ befriedigend beantworten, wenn man verschiedene Blickwinkel dazu zusammenführt, demensprechend muss ich dir auch beipflichten, das wäre definitiv was für Almost Daily.

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Naja Gaming Kultur ist ja jetzt kein Monolith,
für die meisten wahrscheinlich sogar nur ein Derivat der Unterhaltungs/Konsumkultur (Hauptsache Dopamin :fresskoma: )

Und da wo sich Big Business breit macht, werden auch die anderen Teilbereiche verlieren
(aus Journalismus werde clickbait und informercial :strangetimes: )

Das Problem was ich eher sehe (bezogen auf den Nachwuchs), ist im Kuratieren zu finden „Wer sagt mir was ich zocken soll und warum überhaupt ?“ „Wo wird aufrichtiger Enthusiasmus geweckt?“,
die Expertise wird gefühlt* immer weniger und das vergiftete Marketing immer mehr

*Wahrscheinlich wird das immer mehr aber immer schwieriger zu finden

Und nix davon ist wirklich gamingexklusiv :simonhahaa:

Achja und das Aus von Gametwo ist eher symptomatisch für unsere zombiehafte Fernsehkultur :doge_finger_guns:

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Dann verstehst du nicht ganz was ich sagen möchte, wenn dir das sauer aufstößt. :smiley: Das wollte ich damit nicht bezwecken.
Gaming Kultur im allgemeinen wird von den Medien nicht ernst genommen. Für viele von uns ist es aber ein wichtiger Teil und viele schreien ja nach wie vor nach Gaming Content und wollen Debatten sehen.
In der Jugendkultur findet das aber weit weniger statt oder eben in fast zu still stehenden Maße. Das fällt mir eben als Pädagoge auf. In meiner Jugend waren mehrere Konsolengenerationen mit unterschiedlichen Spielen Thema von 2d zu 3d zu Virtual Reality.
Die Jugendlichen mit den ich zu tun habe (vielleicht nicht 100% repräsentativ) spielen alle seit 10 Jahren Fortnite oder Minecraft. Das perse will ich nicht kritisieren aber teilweise fehlt es ihnen gar an Perspektive. Mehr wird ihnen nicht schmackhaft gemacht. Im Prinzip das was Rock_5091 sagt.
@Angrist stimme dir da zum Teil zu. Vielleicht nutze ich den Begriff Kultur auch falsch. Aber so wie es im Buch, Film und auch Manga/Anime Bereich Thema ist, dass diese Menschen bewegen, Vorbidler darin finden oder einen Beschäftigen so passiert dies auch im Gaming, sei es durch Bewegende Geschichten wie bei Last of Us oder auch Vergleiche zur Depressionsbewältigung durch Dark Souls welche man in spannenden Videos auf Youtube sehen kann. Fast Dokumentarisch wird das aufgearbeitet. Aber eben wie immer alles abhängig von Algorithmen ob man dies sieht oder nicht. Ebenso International und da viele Deutsche nicht gut englisch können, dadurch nicht bei uns.
Formate wie in Rocketbeans die uns Games, Phänomene und mehr aufzeigen finde ich „kulturfördernd“. Und das GameTwo damit ein unikat war ist traurig. Das meinte ich mit wir brauchen mehr im großen aber auch im kleinen Stil z.B. Lokal.
@JasonPvnk So ein Jugendzentrum mit mehr Gaming Fokus wäre sehr spannend aber wer bitte soll das finanzieren? Da ist wieder Beispielhaft das der Staat Gaming nicht ernst nimmt oder gar als „Problem“ ansieht, Videospielsucht wird z.B. immernoch fälschlich gefühlt jedem 2. Kind zugeschrieben. Das Funk GameTwo nicht weiter finanziert ist ein Beispiel dafür.
Ich denke wenn ich bei irgendeiner Stadt oder wo auch immer nach einer Förderung für Gaming Kultur nachfrage, dann werde ich entweder nichts finden oder abgelehnt.
Wobei ich da dazu sagen muss, dass sich das etwas verbessert, wenn auch schleppen. Immer mehr Schulen Fragen an nach Kompetenz Trainings und in einem Fall hab ich sogar relativ kreativie Hand aber erwartet wird natürlich immer das gleiche: Fake News, Hate speech thematisieren etc. Also der Umgang im web. Aber andersrum wird selten an die Sache rangegangen: Räume schaffen zum kontrollierten ausleben mit Vorbildern und gemeinsamen ausprobieren sowie genügend Ressourcen. träumt

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:sweat_smile: Ok, dann habe ich dich tatsächlich missverstanden, tut mir leid.

Was du von den Jugendlichen erzählst finde ich tatsächlich irgendwie schockierend und macht mich ehrlich traurig, schließlich handelt es sich um die Menschen, die die Kultur am leben halten sollten.
Das gibt dem ohnehin schon deprimierenden GameTwo aus tatsächlich noch eine ganz andere Dimension.

Ich würde den Begriff Gaming-Journalismus ehrlich gesagt nur sehr vorsichtig in Bezug auf GameTwo in den Mund nehmen. Das war eine Unterhaltungssendung, die zwar leidenschaftlich Gaming behandelt hat aber nur sehr oberflächlich wirklich journalistisch gearbeitet hat.
Es gab hier vereinzelt außreißer nach oben und dann ganbs mal wirkliche Reportagen, aber insgesamt war das in meinen Augen immer eher ein sehr unterhaltsames und humorvolles, in Watte eingepacktes Servicemagazin, dass im Grunde nur aufgezählt hat, was es gerade für Games am Markt gibt und das sehr kreativ und mit viel Herzblut verpackt.

Ich halte aber übrigens auch Magazine wie beispielsweise die GameStar nicht für Magazine mit besonders journalistischer, inhaltlicher Tiefe.

Da wird sich für meinen Geschmack in der „Gaming-Journalismus-Szene“ zu sehr selbst als Teil der „Gaming-Branche“, der „Gamingindustrie“ betrachtet, von Branchenparty zu Branchenparty gejetted, um von außen einen Blick auf die Gamingindustrie und Gamingkultur zu werfen, zu selten will man wirklich zu einem Diskurs beitragen. Aber das will der „Gaming-Journalismus“ ja nicht bzw nur sehr zaghaft, an einem Diskurs teilnehmen. Gaming soll immer als ernstzunehmender Teil der Kultur betrachtet werden (was es ja auch ist), aber bitte nicht zuuu ernsthaft. Wir wollen ja nur spaß haben; Fun, Fun, Fun. „Leave Politics out of Gaming“ wird dann schnell gerufen.
Und darin seh ich ein das grundsäzlichere Problem, den „Gaming-Journalismus“ betreffend, als das Verschwinden von Sendungen wie Game Two aus dem Fernsehen (was ich übrigens natürlich sehr tragisch finde)

Deshalb steckt da IMO eine Chance in der Absetzung GameTwos drin, den Horizont und die Ausrichtung zu erweitern. Klar solls noch die kreativen und humorvollen MAZen geben, die sollen sich alle austoben - aber parallel dazu könnte man auch wirklich was über die verschiedensten Themen in Form einer Reportage oder so erzählen. Ich seh da eher Potenzial auch „erwachsen zu werden“, wenn mans polemisch formulieren wollte. Auch Teil am Kulturdiskurs teilzunehmen.

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da gab es ja inzwischen schon einiges an post mortems oder einfach artikel, dass gaming journalismus generell viel zu nahe dran ist um sich journalismus zu nennen.

Es ist großteils einfach beinflusste Berichtserstattung.
Wenn man überlegt ein Journalist von der Zeit oder New York Times würde zu einem Artikel über Geschäftsmann XY in Russland einen Artikel schreiben , sich vom russischen Geschäftsmann den Business class flug zahlen lassen und erstmal von dem eingeladen werden auf Helikopterflug, Schiesstand ballern, fettes Steakdinner und bestes Restaurant samt open Bar + 500€ goodie bag.
Keiner würde sagen dass das Journalismus ist.

Im Gaming ist aber genau das passiert

Gerade das glaube ich eher ist jetzt komplett tot.
Weil das braucht 1000x mehr Zeit als alles andere.
Journalismus bedeutet recherche bedeute 9 von 10 fällen zeit verschwenden aber evtl kriegt man einen guten Kontakt dabei raus.
Und vor allem kostet das Geld.
Gute Recherche, gute Kontakte aufbauen, bedeutet Reisen, bedeutet Hotels, etc etc etc

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Das ist aber nicht nur beim Gaming so, sondern bei allen Unterhaltungsmedien.

Das ist auch ganz einfach zu erklären: Beide Seiten gewinnen.
Die Medien kriegen „Access“, also Zugang zu den beteiligten Personen/Stars und ein möglichst früher Zugang zu Informationen und es werden Werbungen und Kooperationen geschaltet. Das wird aber nur denen gegeben, die wohlwollend berichten. Und das ist der Vorteil für die andere Seite.

Woher kommt denn wohl die Wertungs-Inflation? Also dass kaum ein größeres Spiel mehr unter einer 8 gewertet wird. Gerade die Gamestar im deutschsprachigen Raum ist ja dafür bekannt. Warum sind denn wohl die ersten News von Previews zu Filmen zumeist sehr positiv? Na weil da auch nur eingeladen wird, wer sowieso schon hyped ist.

Publisher führen Blacklists mit Journalisten, die kritisch sind. Das ist kein Geheimnis.

Gerade das Konstrukt RBTV/Game Two ist - getrennte Redaktionen hin oder her - ganz tief mit der Spielbranche verwurzelt. Gerade seit der Senderumstellung auf die Einzelstreamer sind diese quasi endgültig Werbe-Influencer für die Spiele-Industrie geworden.

Was nicht bedeutet, dass dabei nicht grandiose Unterhaltung herauskommen kann. Aber den ganzen Bohnen-Kosmos habe ich nie journalistisch begriffen.

Ich finde trotz Unterhaltungsfokus GameTwo mehr „Journalistisch“ als viele andere Gaming Magazine. Letzendlich ist es natürlich nur schwer vergleichbar mit klassischem Journalismus, aber Berichterstattung + Game Reviews ist eben klassischer Gaming Journalismus. Mit Deep Dive Investigativem Journalismus hat GameTwo meiner Meinung sogar was gemacht was man sonst garnicht findet. Darum ist eben wieder so wichtig, dass Funk das ganze finanziert hat. Wie soll bitte freier Gaming Journalismus stattfinden ohne Finanzierung vor allem als Film-Medium? Es gibt natürlich Podcast Beispiele wie The Pod aber auch Spielvertiefung die sich allein durch Mitgliederbeiträge finanzieren und eben bewusst sponsorings. Aber Filmisch kostet das natürlich viel mehr Geld. Ich versteh was du meinst, dass der Fokus eben auf Unterhaltung liegt aber sie haben eben erste Schritte in Richtung Investigativ-Doku machen können. Anstatt das Funk das nun weiter ausbaut und GameTwo größer machen, sagen sie das Projekt ab. Was mich wieder zum Eingangsthema zurückführt: Gaming als Kultur wird nicht wahr/ernst genommen.

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Zum Teil geb ich dir da auch Recht. Aber Negativ finde ich das nicht. Deswegen sehe ich sie eben als Kultur fördernd, sie sind natürlich keine Tagesschau. Aber Vergleich mit der Sendung mit der Maus. Informierend, Unterhaltend, Teilweise Aufklärend. Und es eben Schritte die zeigten, dass sie Bock auf Journalismus haben. Sebastian hatte da schon richtige Ambitionen und auch @hypekultur hatte ausserhalb von GameTwo spannende Ideen. Aber sowas braucht eben Geld. Ich hoffe, dass RBTV einen Geldgeber findet, der sie machen lässt. Viele Journlastische Plattformen haben auch einen großen Investor, kann man kritisch sehen, ist aber ohne öffentliche Gelder nicht anders zu lösen.

Um es kurz zu machen:

Gaming hatte in unserer Gesellschaft halt nie den kulturellen Stellenwert wie z.B. in den USA oder Japan.

Nun. Das ist ein sehr altes und traditionelles Phänomen in Deutschland. Hier ist man sehr Eskapismus-feindlich. Alles unter Goethe, Thomas Mann und Tschaikowsky ist für die Kunst- und Kulturelite Zeitverschwendung und minderwertig.

Das hat sich natürlich etwas aufgelockert, gilt im Grunde aber bis heute.

Es wird z.B. immer noch zwischen „Belletristik“, also trivialer, unterhaltender Literatur und "richtiger „Literatur“ unterschieden.

Filme hat man zumindest wenn es um Arthouse geht mittlerweile akzeptiert.

„Neuere“ Medien, wie Comics, Mangas oder Videospiele werden nur ernst genommen, wenn sie sich ernst nehmen und irgendwelche Kunstansprüche erfüllen. „Maus“ von Art Spiegelmann z.B. wird auch von anerkannten Literaturkritikern geachtet, die wohl einen herkömmlichen Comic nicht für wertvoller als Toilettenpapier erachten würden.

Das ist ein ganz großes Thema, was z.B. ja auch die Filmförderung betrifft, wo „Genre“ quasi nicht stattfindet, weil das als trivial gilt.

Wobei,. jetzt mal ganz böse gesagt, ich mich auch frage, wo denn nun endlich mal etwas transparenz bleibt.

Der RBSC ist eine Blackbox in die man Geld wirf.
Sorry aber das wirkt auf extrem viele Leute abschreckend.
Gerade jetzt mit ganz kleinem Personalstab, könnte man zb ala patreon/steady, mal offensiv nach vorne treten.
Sprich sagen wie viel RBSC Mitglieder und wieviel Reinkommt und ja, auch wenn es evtl manchem nicht gefällt, verschiedene RSBC Level und Boni dazu.
Damit motiviert man Leute

Schaut euch an wie Stay Forever das macht und wie erfolgreich das ist

Ganz so fatalistisch sehe ich es zwar nicht, jedoch ist das im Kern schon der Status Quo des deutschen Kulturgedankens.

Da wo vielleicht sogar eine richtige journalistische Auseinandersetzung mit Videospielen stattfinden könnte, ist ein blinder Fleck. Und es ist nicht so, dass es nicht einige vielsprechende Projekte gab.

WASD, Wasted, Edge, GAIN, Reload, Game Two, etc. sind alle nicht mehr da oder nur noch sporadisch und reduziert verfügbar. Ohne Rückhalt ist es schlicht nicht möglich unabhängigen, hochwertigen Journalismus lange zu machen. Und zusätzlich kommt da das eingangs genannte gesamtgesellschaftliche Kulturverständnis zu. Wenn Videospiele kulturell nicht wirklich stattfinden, ist es egal, ob knapp 60 Prozent der Bevölkerung spielen.

Im grunde kommt es ja bei allem auch nicht auf das wieviel an, sondern auf das Wie ?

Braukultur zb wird nicht daran festgemacht wie viele millionen Liter die Deutschen im Jahr trinken, sondern ob es eine vielfalt an Bierbrauern mit verschiedenen Stilen gibt die auch konsumiert werden.

Genauso grillen wir Deutschen zwar gerne, aber eine „Grillkultur“ ala dem südafrikanischen Braai oder den USA haben wir nicht. Wir haben Leute mit Geld die zb die US Grillkultur nachahmen, aber das war es auch.

Sprich, es kommt am ende nicht darauf an, ob wir nun 40 Millionen Deutsche haben die im Jahr mindestens 10 Stunden spielen, (egal ob das nun candy crush, Fifa, COD, Life is strange oder Gatcha Games ist ) sondern ob die vielfalt in der Nutzung vorhanden ist oder ob 2% der Games, 80% des Markets dominieren.

@gamsinator und @Leelo
Wann wollen wir das mit Angrist hinter der Schule klären?

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Machen wir das Senfboarding mit Bautzner oder Born? :evilsteffen:

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Also ich muss zugeben, ich empfand GameTwo immer als journalistisch angenehm neutral. Meist wurden nur die Pro- und Kontra-Argumente aufgezählt und der mögliche Käufer nicht all zu groß in eine Richtung gedrückt.
(Auch wenn man zugeben muss, dass schon hin und wieder mal eher einen Meinungsbeitrag als ein ernstzunehmender Artikel war.)
Ich kenne „echte“ Zeitungen, die deutlich weniger Neutralität in ihrer Berichterstattung bieten und das, was die machen wird auch gemeinhin als „Journalismus“ bezeichnet.

Und wie gut GameTwo auch ernstzunehmenden Journalismus beherrschte hat man spätestens mit ihrer wirklich großartigen „Gollum“-Reportage von 2023 gesehen. (Ich glaube das war Episode 307.) Die Reportage war großartig ausgearbeitet und die aufgedeckten Probleme ließen sich ja sogar wunderbar auf die ganze Gaming-Branche übertragen.
Davon würde ich mir tatsächlich auch mehr wünschen, befürchte aber ebenfalls das dazu ohne (neutralen) Sponsor das Geld oder die Möglichkeit fehlt.

Insgesamt finde ich aber auch allgemein, dass sich Unterhaltung und „richtiger“ Journalismus nicht ausschließt… durch z.B. „Extra 3“ und „Heute Show“ erfährt man oft mehr über die derzeitige Politische Situation, als wenn man jeden Tag „Tageschau“ kuckt.

An dieser Stelle muss ich aber auch sagen, das der vergleich zwischen Kulturjournalismus und den meisten anderen Journalismus Arten ohnehin ein bisschen wie der Vergleich zwischen Äpfel und Birnen.
Ich meine, das Rolling Stone Magazin bezeichnet man ja auch als Musikjournalismus und wirklich nennenswerten Branchenverändernden Investigativ Journalismus habe ich da zumindest früher auch nicht all zu häufig gelesen.