Welches Spiel habt ihr gerade abgeschlossen II

Horace

Ein handwerklich wie inhaltlich fantastischer Plattformer mit präziser Steuerung und variantenreichen, fantasievollen Levels. Dazu kommen massig popkulturelle Anspielungen, ein ohrwurmiger Soundtrack und großartige und niedliche Animationen. Das Spiel nutzt seine Prämisse in Story und Spielmechaniken breit aus und bietet nur wenig zum Mäkeln. Absolute Empfehlung. 8/10, ca. 20h Spielzeit.

'Ich brauche mehr Details, auch wenn ich mich dann vielleicht etwas spoilern lasse'

Die heftigsten Contentspoiler habe ich geblurrt.

Der namensgebende Titelcharakter Horace ist ein freundlicher, humanoider Roboter, erster seiner Art. Er wird zu Beginn des Spiels seiner Besitzerfamilie geliefert. Diese nimmt ihn in ihrem Kreis auf und er lebt sich auch schnell gut ein. Zudem werden Horace nach und nach Fertigkeiten gezeigt. Leider gerät er dann in den Lauf der Dinge, und die Story nimmt fahrt auf.

Das Spiel Horace ist ein Plattformer, wobei es auch einzelne, wenige Metrodvania- und Bullethellelemente gibt. Hebel- und Schalterrätsel kommen auch häufiger vor. Das Hüpfen und Springen steht aber klar im Vordergrund. Die Steuerung ist dabei super präzise. Die Sprunghöhe kann du dadurch bestimmen, wie lange du den Sprungknopf gedrückt hältst. Du kannst regrabben (Horace fällt langsamer, wenn du den Sprungknopf gedrückt hältst). Mit der Sprinttaste kann die horizontale Geschwindigkeit auch während eines Sprungs variiert werden. Jedesmal, wenn ich verkackt hatte, hatte ich das Gefühl das es meine Schuld war und ich wusste, ob ich den Sprungknopf zu heftig gedrückt hatte (oder zu zart).

Die einzelnen Stages sind dabei in Abschnitte unterteilt, welche höchstens wenige Bildschirme groß sind. Wenn Horace draufgeht, wird die die sehr kurze Todesanimation abgespielt (es gibt verschiedene für elektrisiert, flambiert, zerteilt, …) und man startet wieder am Beginn des Abschnitts (bei größeren auch mal an einem Checkpoint), ohne das es weitere Konsequenzen gibt. Veränderungen im Raum, wie bereits ausgeschaltete Laser, bleiben sogar erhalten. Du hast unendlich viele Versuche, es gibt aber einen Deathcounter zu reinen Untergaltungszwecken.

Grundsätzlich stirbt Horace beim ersten Treffer, später kann er mit Schildorbs ausgestattet werden. Diese können beliebig ein- und ausgeschaltet werden, und wenn eingeschaltet, bedeutet jeder Orb einen „Trefferpunkt“. Falls man im Abschnitt dennoch versagt, startet man wieder mit der Anzahl Orbs, mit denen man in den Abschnitt gegangen ist. Versagst du zu oft im selben Abschnitt, fängt das Spiel auch an, dir Orbs zu spendieren („Hallo, hier ist dein Horace-Spiel. Ich merke, du bist zu unfähig… :kappa: “)

Die Levels nutzen dabei sehr deutlich die Fähigkeiten, welche Horace zur Verfügung stehen und sind auch entsprechend wild designend, dass die Fähigkeiten gefordert werden, bis du nicht mehr genau weißt, wo oben und unten sind.

Das Spiel selbst zeigt dabei einen sehr schönen und glatten Anstieg im Schwierigkeitsgrad. Die ersten zwei, drei Kapitel sind noch mehr Visual Novel mit eingestreuten Leveln. Danach wird es zu einem Plattformer mit Cutscenes, beginnend mit noch recht einfachen Leveln. Dies steigert sich, und zum Ende wird recht präzises Plattforming gefordert. Die Level weisen dabei eine hohe Kreativität auf und arrangieren die vorhandenen Elemente auf immer neue und fantasievolle Weise an.

Sowohl neue Hindernisse als auch neue Spielmechaniken werden dabei stets klar und fair eingeführt. Der erste Abschnitt mit so einer Neuerung ist trivial, zum Ausprobieren und zur spielerischen Erläuterung gedacht. Danach werden die neuen Elemente in sich ständig erweiternde Variationen genutzt. In den letzten Abschnitten des Levels wird dann abgefragt, ob du die neuen Elemente auch fleißig gelernt hast.

Das Spiel hat eine Pseudo-Pixelgrafik: Sämtliche Figuren und Objekte sind gepixelt, aber je näher etwas zur Kamera ist, desto größer erscheinen die Pixel. Die Figuren sind dabei sowohl im Spiel als auch in den Cutscenes wunderbar und mit viel Liebe animiert (achtet im Spiel z.B. mal auf die Krawatte) . Horace’ mimische Ausdrucksstärke stellt dabei sogar die Ausdrucksstärke des schönen Micha in den Schatten.

Die Musik finde ich nicht überragend, aber doch sehr gut. Ich summe sie jedenfalls die ganze Zeit vor mir her, obwohl ich gar nicht spiele.

Das Spiel macht haufenweise popkulturelle Anspielungen. Insbesondere Videospiele, weshalb es als Spiel-im-Spiel Arcardes gibt. Auch gibt es einige Rythmusspiele im Stile eines Guitar Hero. Einige solcher Rythmuspassagen sind sogar pflicht, können aber beliebig gut oder schlecht abgeschlossen werden (was gut für mich ist, denn Rythmusspiele sind meine Nemesis und ich habe Stunden gebraucht, um meine Finger wieder zu entknoten).

Was zu mäkeln habe ich nur wenig. Um vom Haus der Familie in eine andere Stadt zu gelangen, muss man erst mit dem Schiff und dann mit dem Zug fahren. Hier hätte ich mir später eine Schnellreise gewünscht. Die Story hat einen ersten Klimax, der im Vorfeld spieltechnisch klar zu erkennen ist, geht danach aber noch weiter. Der finale Bosskampf funktioniert ganz anders. Dies ist das einzige mal, wo sich das Spiel nicht auf seine Stärke verlässt… leider.

Und bezüglich des Hauses der Familie muss man natürlich fragen: Welcher Architekt baut denn so? Die ganzen Kreissägen und brennenden Elemente und so … (und auch das, wird in dem Spiel an einer Stelle angeschnitten) :beanlul:

Und die Moral der Geschicht’: Menschen sind manchmal einfach richtig scheiße. :beansad:

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