Hallo Forum!
Ich schaue Kino+ seit über 10 Jahren. Mich beschäftigt gerade etwas zum Thema Physikalische Medien, was ich gerne mit der Community teilen würde und wo ich an eurer Meinung interessiert bin.
Ich bin Filmsammler. Ein paar DVDs, viele Blu-rays und bisher nur sehr wenige 4K-UHDs. Insgesamt sind es ungefähr 650 Filme.
Gründe sind dafür relativ einfach: Ich kann ins Regal gehen, einen Film herausnehmen und ihn anschauen. Kein Streaming-Abo, keine Frage, ob der Film gerade irgendwo verfügbar ist, keine Internetverbindung – ich besitze den Film und kann jederzeit darauf zugreifen. Ich denke die Gründe sind bekannt und nachvollziehbar. (+ Es sieht gut aus, Zusatzmaterial, Qualität, Tonspuren usw…)
In letzter Zeit bekomme ich allerdings immer mehr Zweifel, wie zuverlässig dieses Konzept tatsächlich ist.
Vor einiger Zeit wollte ich mir nach vielen Jahren mal wieder Black Hawk Down anschauen. Die Blu-ray hatte ich irgendwann zwischen 2008 und 2010 gekauft. Sie war immer ordentlich in ihrer Hülle gelagert. Beim Abspielen: nichts. Ich habe die Disc in drei verschiedenen Geräten ausprobiert. Keins hat sie erkennen können. Die Disc war offenbar einfach hinüber.
Gut, dachte ich. Pech gehabt. Also habe ich mir den Film nochmal gekauft…
Zwei Monate später dann eine sehr ähnliche Situation: Ich wollte mit einem Freund Die Verurteilten schauen. Wir waren schon entsprechend gehyped und hatten uns auf den Filmabend gefreut. Die Blu-ray war ebenfalls über zehn Jahre alt und wurde ordentlich gelagert. Und wieder: Disc eingelegt und nicht erkannt. Der Filmabend, wie wir ihn geplant hatten, war damit erst einmal vorbei und wir mussten uns einen anderen Film suchen.
Danach habe ich angefangen, etwas zu recherchieren. Dabei bin ich im Internet auf mehrere Forenbeiträge gestoßen, in denen Nutzer Listen mit teilweise hunderten Blu-rays aus ungefähr dieser Zeit gesammelt haben, bei denen inzwischen Probleme bekannt sind. Irgendwelche Produktionsfehler, Schichten die verlaufen, Klebstoffe und was weiß ich… Kurzgesagt: Die Discs gammeln einem in der Hülle weg.
Das hat bei mir tatsächlich etwas ausgelöst.
Mir war natürlich klar, dass physische Datenträger nicht ewig halten. Aber ich hatte ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, dass ich bei normal gelagerten Blu-rays nach zum Teil nicht mal 15 Jahren anfangen muss, meine Sammlung auf Defekte zu überprüfen.
Und das mal die ein oder andere Disk ersetzt werden muss wäre für ich auch okay. Aber meine ganze Einstellung zum Regal ändert sich. Ich gehe jetzt nämlich nicht einfach hin und hole ein Film heraus… Ich habe relativ häufig Besuch und zeige Freunden gerne Filme aus meiner Sammlung. Inzwischen ertappe ich mich aber dabei, dass ich jedes Mal ein bisschen bange bin, wenn ich eine ältere Blu-ray einlege:
Wird sie überhaupt noch erkannt?Läuft der Film durch? Kommt irgendwann ein Ruckler und danach geht nichts mehr? Oder muss ich jetzt vor dem Besuch den Film erstmal prüfen? O.o
Und dann kam gestern noch der nächste Schlag.
Ich habe einen für mich sehr wichtigen Film von DVD auf 4K UHD geupdatet: Königreich der Himmel, als UK-Import im Director’s Cut in der Roadshow-Version. Der Film ist frisch gekauft.
Freund eingeladen, um ihm den Film zu zeigen… Nach ungefähr zweieinhalb Stunden war der Spaß vorbei. Ein kurzer Ruckler – und danach hing die Disc. Frustiert musste ich auf die Blu-ray wechseln, damit wir den Film zu Ende sehen konnten.
Eine Suchmaschinen-Session später stellte ich fest, dass mein über 400 € teurer UHD-Player offenbar dafür bekannt ist, bei einigen BD-100-UHDs Probleme mit den Layern zu haben und dort hängen zu bleiben. Die Verurteilten, das Beispiel von oben, habe ich mittlerweile auch auf 4k nachgekauft… Das ist auch eine BD-100. Na toll…
Mal ehrlich: Wie ätzend ist das? Ich gebe hunderte Euro für einen Player aus und tausende Euro für Filme – und am Ende sitze ich bei einem Filmabend da und zittere, dass alles durchhält…
Ein Freund von mir hat beispielsweise über 1.000 Filme. Er hat inzwischen praktisch seine komplette Sammlung auf einem NAS gebackupt. Dafür stehen bei ihm unter anderem zweimal 24 TB und zweimal 22 TB Festplatten. Natürlich ist das eine Lösung. Aber irgendwie kann es doch auch nicht der Sinn einer physischen Filmsammlung sein, dass ich zusätzlich ein kleines Rechenzentrum betreiben muss, damit ich sicher sein kann, meine Filme in zehn oder zwanzig Jahren noch anschauen zu können.
So, lange Rede und viel Frust… Jetzt mal die Frage an euch:
Wie geht ihr mit dem Thema um? Hattet ihr ebenfalls schon defekte Discs, obwohl sie immer ordentlich gelagert wurden? Und wie sieht es bei euren Sammlungen mit Backups aus? Ändert sich für euch dadurch etwas an dem Argument pro Medienkaufen, dass sie eventuell nur 15-20 Jahre halten? Habt ihr bei euren Geräten ganz besonders auf Kompatibität geachtet? Oder was denkt ihr allgemein zu dem Thema?
Danke für eure Antwort und Aufmerksamkeit
Gruß
Fox