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Auswandern - Der Thread für Auswanderer, Gedankenspieler und Interessierte

Da sie in Südostasien geboren ist, war sie schon immer ähnlich gepolt und ist sehr glücklich mit dieser Entwicklung. :blush:

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Mich interessiert tatsächlich auch beides - kenne Deine Story noch nicht. Hole ruhig aus! :slight_smile:

FYI, meine aktuelle Challenge ist das „einfache 13-Schritte-Verfahren“ :eddyclown: für den Transport meines Hundes in meinen Kalender einzuhacken, damit ich zum richtigen Zeitpunkt neben der Arbeit die richtigen Tierärzte/Amtsärzte/usw. für die richtigen Themen abklappere.


(quelle)

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So, ich habe es etwas aufgeschoben und dann vergessen, aber nun komme ich dem Wunsch von @Rolly, @Bell und @Odo nach und erzähle meine Geschichte etwas ausführlicher.

Kurze Vorwarnung, ich neige dazu, etwas ausufernd zu schreiben und muss, um das Ganze korrekt zu erzählen, auch in etwas themenfremde Gebiete abtauchen. Und direkt noch einmal am Anfang, was ich mache fühlt sich für mich nicht wie auswandern an und es ist es eigentlich auch nicht.

Was mache ich aktuell?
Ich bin seit März ohne festen Wohnsitz in Europa unterwegs und lebe in verschiedenen Städten, während ich einen Roman schreibe. Momentan bin ich schon seit fast zwei Monaten in Wien und bleibe vorerst noch etwas, weil es mir ganz gut gefällt. Davor war ich in Italien unterwegs (erst ein wenig Mailand und dann etwa einen Monat Rom).

Mir ist es gerade wichtig, zu einem gewissen Grad spontan zu sein und nicht zu weit im Voraus zu planen. Es hat sich nun so eingependelt, dass ich immer von Monat zu Monat schaue, also grob immer die nächsten 4 Wochen etwas fix habe, also ein Dach über dem Kopf. Das gibt mir die mentale Ruhe die ich brauche, um mich auf meine tägliche Tätigkeit des Schreibens konzentrieren zu können. Zu Beginn war ich da kurzfristiger und wusste oft nicht, wo ich in 3 Tagen schlafen werde, das hat mich aber (logischerweise) etwas in meiner Kreativität blockiert.

Nun habe ich aber mit den grob vier Wochen den Punkt gefunden, der für mich ein idealer Mix ist, weil ich mich nicht zu gebunden fühle, und gleichzeitig halt doch auch eine gewisse Sicherheit habe.

Und ja, ich mache aktuell nichts anderes, als an meinem Roman zu schreiben (oder halt oft an anderen Texten, wenn ich gerade etwas blockiert bin). Das ganze mache ich schon seit ungefähr Oktober 2021, seit ich mein Studium abgebrochen habe (dazu aber später mehr).

Ich habe den Luxus, mir das leisten zu können, ohne einer bezahlten Arbeit nachgehen zu müssen, weil ich früher mal ganz ordentlich verdient habe und sehr sparsam lebte, weshalb ich viel Geld auf die Seite legen konnte. Das habe ich dann aus Langeweile angelegt und damit etwas spekuliert (was ich moralisch immer noch sehr fragwürdig finde, da ich mich eigentlich als Antikapitalist sehe, das ist aber ein anderes Thema, dieses Fass will ich jetzt nicht auch noch aufmachen ^^) und unverschämtes Glück gehabt, weshalb ich nun in dieser verdammt privilegierten Situation bin.

Wie lange will / kann ich das noch machen?
Das frage ich mich auch oft. Einerseits ist da der finanzielle Aspekt, ich verbrauche täglich mein Erspartes, ohne das auch nur einmal was dazukommt. Das kann ich nicht ewig machen, soviel ist klar. Ich finde aber auch, dass Geld zum ausgeben da ist, weshalb ich jetzt keine grossen Probleme damit habe, alles aufzubrauchen und dann halt später zu schauen, wie es weitergeht.

Auf der andere Seite ist die Frage, wie lange ich das so machen will. Ich merke jetzt schon, wie ich mich langsam wieder nach einem festen Zuhause sehne. Jedenfalls zwischendurch. Das beisst sich halt mit dem immer noch starken Wunsch, ungebunden und flexibel zu sein. Dies wird aber ziemlich sicher irgendwann wieder abnehmen und dann werde ich wieder irgendwo dauerhaft sesshaft. Da ich relativ spontan bin, kann das auch plötzlich aus dem Nichts kommen.
Als ich ging sagte ich allen: „Ich gehe jetzt einfach mal, keine Ahnung wohin und keine Ahnung wie lange, vielleicht komme ich auch nie mehr zurück oder vielleicht auch schon in zwei Wochen, wenn es mir nicht gefällt.“ Diesen Spirit bewahre ich bis heute, ich versuche einfach genau das zu machen, was ich gerade machen will.

Wie kam es zu all dem?
Das ist auch eine ziemlich lange Geschichte, ich versuche es so kurz wie möglich zu halten.

Ich habe irgendwann im Sommer 2020 eine Therapie begonnen wegen nicht verarbeiteten Dingen, die lange zurück lagen, aber durch die Corona-Isolation halt irgendwie plötzlich unvermittelt hochkamen. Im Zuge dessen habe ich dann irgendwann auch gelernt, dazu zu stehen, was ich will. Ich war bis dahin eigentlich nicht unglücklich mit meinem Leben, aber auch nicht endlos zufrieden.

Ich studierte BWL (was mich absolut gar nicht interessierte) und versuchte mich in ein Gesellschaftssystem einzuordnen, in das ich als kreativer Freigeist irgendwie nicht passe. Wieso ich das genau tat damals ist mir heute ein grosses Rätsel, aber irgendwie läuft man halt einfach immer so mit und macht was von einem erwartet wird, und dabei vergisst man manchmal, was man eigentlich selbst will. Ich habe jedenfalls schon eine Ausbildung als Kaufmann gemacht und da noch einige Zeit im Büro weiter gearbeitet. Ich kannte diese Welt also schon und wusste eigentlich, dass sie mir nicht gefällt. Schliesslich habe ich damals gekündigt, um zu studieren (also musste erst noch die Maturität nachholen). Ich wusste zwar noch nicht was, aber ich wollte weg vom Bürojob. Und dann begann ich am Ende ein BWL-Studium, tja ich hab wirklich keine Idee, wieso ich das für sinnvoll hielt. ^^

Dazu hatte ich eine langjährige Beziehung, die sich langsam aber sicher in eine sehr feste Richtung entwickelte, in der man gemeinsam die Zukunft plant. Diese Beziehung wie auch mein Studium endeten dann irgendwann im letzten Herbst ziemlich zeitgleich. Ich muss an der Stelle wirklich sagen, dass die Beziehung vom ersten bis zum letzten Tag perfekt war, und das über viele Jahre. Doch wir bewegten uns in unterschiedliche Richtungen. Sie wollte irgendwann eine Familie gründen, ich konnte mich mit dem Gedanken nur schwer anfreunden. Sie wollte sesshaft werden und Eigenheim besitzen, ich wollte ungebunden sein und die Freiheiten geniessen.
Man darf sich zurecht fragen, wieso wir überhaupt zusammen waren, aber wir haben uns halt junge getroffen und waren durchgehend komplett vernarrt ineinander. Und mit den Jahren bewegten wir uns halt beide etwas weg voneinander in der Vorstellung unseres Lebens, bemerkten es aber nicht so ganz, und wenn doch haben wir es gemeinsam verdrängt, weil wir die Konsequenzen dessen nicht wahrhaben wollten.

Und da kommt auch der Punkt, der mein Leben dann endgültig auf den Kopf stellte. Ich habe innerlich gespürt, dass ich mein Studium abbrechen muss, weil es mich extrem runterzieht. Ich habe diese Idee in meinem Kopf immer weiter durchgespielt, und da wuchs auch der Wunsch von mir, einfach frei und ungebunden umherzuziehen, so wie ich das jetzt mache. Und mir die Zeit zu nehmen die ich brauche, um meinen Roman zu schreiben.

Doch mir war auch klar, ganz tief in mir, was das für unsere Beziehung bedeuten wird. Diese Lebensrealität, die ich mir ich Kopf ausmalte, wäre nicht mehr vereinbar gewesen mit der meiner Freundin. Weil es einfach so viele Konsequenzen nach sich zog. Und ich war endlich am Punkt, an dem ich selbst erkannte und zugeben konnte, was ich will. Das kam dann halt auch in Bezug auf meine Beziehung. Bis dahin sagte ich immer, ja vielleicht will ich schon einmal Kinder, ab da konnte ich offen aussprechen, dass ich mir das kaum vorstellen kann. Und noch viel mehr was in diese Richtung geht.

Also habe ich dann irgendwann das ganze mit ihr besprochen und ihr gesagt, dass ich mein Studium abbrechen werde (sie wusste natürlich schon zuvor, dass ich damit kämpfe, war alles ein Prozess). Und dann redeten wir halt darüber, was danach kommt bei mir, wie ich mein Leben gestalten will. Und in diesem Gespräch wurde es irgendwie klar, dass dies auch das Ende unserer Geschichte ist. Wir haben dann zwar das Ganze noch ein paar Wochen sacken lassen, aber faktisch endete es da. Was aber ganz gut war, ich bin froh konnten wir im guten auseinander gehen und haben es nicht noch ewig versucht in die Länge zu ziehen und irgendwie zu retten. Wir haben uns bis zum letzten Tag geliebt, wahrscheinlich noch darüber hinaus, und das schätze ich sehr, auch wenn es traurig ist, diesen besonderen Menschen nicht mehr als stetige Begleiterin an meiner Seite zu haben.

Und ja, so stand ich dann gegen Ende Jahr da, ohne Beziehung, ohne Studium und ohne Plan. Und gleichzeitig gab es gerade einen grösseren Wechsel in unserer WG (also meine beiden Mitbewohner*innen mussten ausziehen), weshalb ich mir dachte, wenn nicht jetzt, wann dann. Ich kündigte die Wohnung also auch, wir lösten die WG auf und ich bereitete mich dann auf mein Abenteuer vor. Und nun sitze ich Monate später in Wien und bin fasziniert davon, wie schnell die Zeit vergehen kann und wie glücklich man sein kann. :slight_smile:

Ja ich glaube das war es so grob. Wer bis hier alles gelesen hat, Chapeau, aber ich hab euch ja gewarnt. ^^

PS: Falls jemand ernsthaft noch mehr wissen will von dem was ich so treibe, ich schreibe gelegentlich kurze Texte über Dinge die ich erlebe oder die mir so durch den Kopf gehen. Anfangs war das wie eine Art Reiseblog gedacht, aber eigentlich war es das schon relativ früh nicht mehr und ich tobe mich da seither einfach kreativ etwas aus. Falls also jemand Interesse hat einfach melden, dann kann ich ja gewisse Texte daraus hier (oder in einem separaten Thread?) posten, ich freue mich nämlich immer über Rückmeldungen zu meinen Texten.

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Uiuiui, dein Leben ist auf jeden Fall interessanter als meins. :shocked_rikon:

Die meisten Menschen in „geregelten Verhältnissen“ denken irgendwann darüber nach, wie es wohl wäre, wenn man eine Zeit lang aus dem gewohnten Trott aussteigt und die weite Welt bereist. Die wenigsten werden die Gelegenheit und den Mut dazu haben.

Ich finde es faszinierend, dass du dir deinen Traum (?) erfüllen konntest und würde sehr gerne weitere Anekdoten oder Gedanken aus deinem Leben lesen. Du würdest damit ein kleines Fenster in eine Welt öffnen, die mich und sicher auch andere interessiert. :beancute:

Was ist das für ein Buch, an dem du schreibst? Ein Roman? Möchtest du ein paar Details dazu heraus lassen?

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Danke fürs teilen. Das klingt alles sehr spannend und Lichtjahre von meine Realität entfernt.

Es würde mich freuen mehr davon zu hören wo dich deine Reise noch so hin führt.

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Okey kann ich gerne machen. :slight_smile: Ich frage mich aber, ob ich das hier im Thread machen soll oder lieber in einem eigenen, denn es geht da eigentlich nicht ums Auswandern in meinen Texten oder nur sehr entfernt. Ich mach mir dazu noch etwas Gedanken.

Gleiches mit dem Roman, habe heute gerade keine Zeit mehr um gross was zu schreiben dazu und würde das dann einfach an einem passenderen Ort machen nächste Woche. Aber das Genre meines Romans nenne ich hier schonmal: Postmoderner Surrealismus

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Schöne Herangehensweise, wobei Du ja nie wirklich unsicher bist, wenn Du Internet und ein bisschen Geld auf dem Kreditkartenkonto hast. Dann kannst Du Dir ja fast überall in der Zivilisation in ein paar Minuten eine Bleibe buchen.
Auf meinen Reisen buche ich manchmal nur einen Tag im Voraus, in Großstädten ist nicht mal das notwendig, nur die Messezeiten muss man im Auge behalten, sonst kann es Überraschungen geben.

Aber ich verstehe, dass ein Buch schreiben noch mal was anderes ist als herumzureisen.

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Wo treibst du dich aktuell rum?

Ich denke auch, dass ein eigener Thread sinnvoller ist. Aber das Wichtigste: Nur kein Stress! Ob du uns morgen oder erst in zwei Wochen beglückst, spielt nur eine untergeordnete Rolle. :slight_smile:

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Ich bin zu Hause in Deutschland, meine letzte Reise ist schon länger her. Corona und so.
Vor einigen Jahren bin ich ein Mal um die Welt gereist, also zumindest wenn man die Längengrade zählt.
Man muss allerdings fürs Visa in einigen Ländern das Abreiseflugticket schon gebucht haben, weil die sicher sein wollen, dass man das Land auf eigene Kosten auch wieder verlässt. Komplett ungeplant geht das dann doch nicht.
Ansonsten habe ich dann vor Ort entschieden, was ich mir so anschaue und wohin es geht.

Hat aber nichts mit Auswandern zu tun, daher eher off topic.

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Ja das ist so, deshalb startete ich auch so, weil ich es sonst ganz gerne mag wenn es so spontan wie möglich ist. Aber eben, musste auch erkennen, dass es nicht ganz das selbe ist wenn man nicht einfach „nur“ herumreist.

Wenn du mehrere Monate in einer Stadt bleibst, wo wohnst du dann? Zwischenmiete in WGs, langes Airbnb, Hotel?

Sehr sehr gerne!
Unter den aktuellen Umständen gelingt es mir leider nicht alle meine Fragen und Gedanken dazu jetzt mit dir zu teilen, aber ich finde dich mit deiner ganzen bis hier hin erzählten Geschichte so interessant und beeindruckend.
Ich kann nur sagen, dass ich großen Respekt davor habe wie du für dich lebst und auch wie fair du letztlich dadurch mit den Menschen in deinem nahen Umfeld umgegangen bist.
Das liest sich alles wie ein sehr herausfordernder und intensiver Prozess, mit dir allein und schließlich auch mit deiner ehemaligen Partnerin. Und dass du dich dem gestellt hast verdient mMn den größten Respekt.

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Tolle Geschichte!
Danke fürs Teilen!
Ich hab wohl an einem ähnlichen Punkt in meinem Studium den Kram dann einfach durchgezogen (BWL zum Glück nur im Nebenfach) und hab dann über die Jahre mehr und mehr Freiheiten “erarbeitet” und versuche nun Stück für Stück ein wenig freier zu sein - und damit meine ich gar nicht mal das Reduzieren der Arbeitszeit sondern eher “wo/wie arbeiten und Freizeit verbringen wie mir das am meisten Freude bereitet.”
Langfristig hab ich hoffentlich dann auch mal das finanzielle Polster welches mir und meiner Frau dann erlaubt was komplett Neues zu wagen.

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Da wir ja jetzt einen Thread dafür haben:
Bei mir ist es auch wieder soweit. Vor etwas über 5 Jahren bin ich von Deutschland nach Kanada gezogen. Damals habe ich nur einen Vertrag für ein Jahr unterschrieben. Daraus wurden dann über 5 Jahre, 2 Städte, 6 Wohnungen, 4 Arbeitgeber und tausende wundervolle Erinnerungen.

Doch da sich jetzt die Möglichkeit ergab habe ich mich dazu entschlossen wieder ein neues Abenteuer anzutreten.
Während ich das hier gerade schreibe, sitze ich am Gate D70 des Flughafens Vancouver. In einer Stunde ist Boarding und dann steht mir ein 16-stündiger Flug in meine vorerst neue Heimat bevor:
Neuseeland!
Kann es kaum erwarten :beangasm:

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Sehr cool! Hattest Du Dir von Kanada aus einen Job in Neuseeland organisiert?

Alles Gute :beancute:

Hat es etwa mit blauen Männchen zu tun? :eyes:

oder fängt er bei VivaLaDirtLeague an? :janinapog:

Ja, ganz einfach bei einem Studio da unten beworben und angenommen, keine spannende Geschichte dahinter :stuck_out_tongue:

War ja klar das du direkt wieder so eine Brücke schlägst :stuck_out_tongue:
Aber tatsächlich hast du recht, ich werde bei Wētā FX anfangen. Ob es dann wirklich Avatar wird weiß ich noch nicht, aber im Interview klang es zumindest danach und ich hoffe auch darauf.

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oooooder das Geld :smiley: ich hätte auch schon bock und freue mich sehr für dich @LeowindPilz das es finanziell kein Problem ist :slight_smile:

und wünsche dir alles gute auf deiner Reise :slight_smile:

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