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Auswandern - Der Thread für Auswanderer, Gedankenspieler und Interessierte

Auswandern - Der Thread für Auswanderer, Gedankenspieler und Interessierte

Aus aktuellem Anlass eröffne ich diesen Thread zum Thema „Auswandern“ - ob es nur Hirngespinste sind, konkrete Pläne, bereits getätigte Auswanderungen, Fragen, Bedenken - lasst uns mal drüber schnacken!

Meine Story

Dann lege auch mal direkt mal mit meiner Story los:
Ich werde in den nächsten Wochen mit Frau und Hund nach Singapur auswandern.

Jetzt habe mich dafür entschieden erstmal etliche Klischees und Umstände aufzuzählen, die alle NICHT zutreffen … um etwas Neugier aufzubauen:

  • Mein Arbeitgeber ist auf mich zugekommen und hat mir angeboten ins Ausland zu gehen
  • Ich möchte alles hinter mir lassen und einen Neustart im Ausland versuchen
  • Ich werde große, unberechenbare Risiken eingehen
  • Es war eine spontane Entscheidung
  • Es ist ja nur für ein paar Jahre
  • Das wird voll der Kulturschock für mich
  • Ich will vor etwas wegrennen

… und wieso das alles nicht zutrifft, erkläre ich im nächsten Kapitel


^voll gut, oder? Bilder! … damit die Wall of Text nicht so hart nervt! :gunnar:

Wie komme ich dazu?

1995: Letzendlich bin ich wohl als 10jähriger bei meinem ersten Urlaub außerhalb Europas von Thailand, Bangkok und Inseln enorm beeindruck und beinflusst worden.
Ich habe mich dann später als Jugendlicher für Asien interessiert aber nur wenig in der Schule dazu gelernt und das alles versucht mit ein paar asiatischen Filmen zu kompensieren.

2005: Später habe ich dann Sinologie (Beinhaltet „Chinesisch“) und andere Fächer studiert und mit dem Gedanken gespielt nach dem Studium ins Ausland zu gehen. Auch während des Studiums war mein Stresslevel oft so hoch dass ich oft Bock hatte alles hinzuschmeißen und ins Ausland zu gehen - aber ich zog das Studium dann doch durch um nicht die ganzen Mühen zu verwerfen die ich bereits auf mich genommen hatte.
Den Plan NACH dem Studium ins Ausland zu gehen habe ich dann aber erstmal aufgeben müssen, denn Chinesische Unternehmen warben mit dubiosen Jobs als westliches Aushängeschild - das war mir zu riskant. Bei westlichen Unternehmen standen mir ausschließlich gering bezahlte „Praktika“ zur Auswahl - nicht möglich für mich, da ich bereits im Studium geheiratet habe und für meine Frau mitverdienen wollte/musste. Man sagte mir, mit „ein paar Jahren“ Berufserfahrung sei das natürlich anders.

2011: Also fing ich erstmal an in Deutschland zu arbeiten. Aus den „paar Jahren“ wurden nun aber 11 Jahre und der Wunsch auszuwandern schwand nicht. In den 11 Jahren habe ich mich weiterentwickelt, mir viel Wissen über Technologien und Unternehmensprozesse angeeignet und gelernt tech-bezogene Teams in Großunternehmen aufzubauen.

Derweil habe ich mir hier in Deutschland über die Jahre einen Lebensstil angewöhnt, der sehr dem Lebensstil eines asiatischen Großstädters gleicht:

  • Kaum Deutsches Essen und auch oft auswärts essen - mit Frau oder Freunden und zwar so richtig mit „Action“ (Nicht die Deutsche Art bei der jeder sein Gericht mit Beilage für sich bestellt)
  • Keine Ambitionen ein Haus zu bauen oder zu kaufen und glücklich mit kleinem Wohnraum und minimalistischer Einrichtung
  • In Großstädten entspannen können und auf jeder Reise überlegen wie es wohl wäre dort zu arbeiten

2019: Ich wechselte in ein neues Unternehmen um dabei zu helfen ein neues Team aufzubauen. Zwischen Tür und Angel wurde ich nicht müde auch mal beim Flurfunk meinen Bezug Asien zu erwähnen - oder dem Chef zu erklären dass ich übrigens auch (leider nach den vielen Jahren nur noch rudimentär) Chinesisch kann. Es bot sich eine Geschäftsreise nach Shanghai an um dort mit dem Geschäft neue Ideen und Projekte zu schmieden. Das Visum wurde in Auftrag gegeben. Geplanter Reisetermin: März 2020. Ouch! :mask:

2021: Ich bekam mit, dass unser mittlerweile stark gewachsenes Team in der Kritik stand keine Mitarbeiter*innen in Asien zu haben und auch sonst wenig für unsere asiatischen Kollegen zu machen. Es gab Ideen in der Führungsebene (zu der ich zähle) dort Mitarbeiter*innen einzustellen. Mir war klar: Ich muss in das Thema rein und die Strategie mit gestalten, zumal es rollenbedingt ohnehin bei mir als Problem aufschlagen würde wenn die (einsamen) asiatischen Kolleg*innen nicht gut klar kämen.
Ich begann Analysen und eine Strategie für die Expansion in Asien zu entwickeln und diese bei meinem Chef und dessen Chef und anderen Entscheidern zu pitchen. Diese Arbeiten, Vorbereitungen und Nacharbeiten habe ich meist am Wochenende oder nach Feierabend gemacht weil es anders nicht ging - manchmal musste ich dazu auch nachts um 4 Uhr in irgendwelche Calls um die richtigen Leute aufzugleisen. Die Strategie beinhaltet auch dass jemand in meiner Rolle in Südostasien permant vor Ort sei (und das macht auch sehr viel Sinn!)
Die Idee dass ich das sein könnte festigte sich, aber ich wurde für einen etwaigen Umzug auf Frühling 2022 vertröstet und das verzögerte sich jetzt nochmal auf Sommer und ich musste kontinuierlich nachbohren, noch etwas beisteuern, nochmal jemanden aufgleisen, usw., während ich parallel aber bereits von hier in Deutschland anfing das Team aufzubauen - und nebenbei versuchte mein bestehendes Team hier in DE und in den USA nicht zu vernachlässigen.
Alles in allem waren die letzten 9 Monate also die absolute Hölle für mich. :simonugh:

Wie ist der aktuelle Status?

Die Wohnung ist gekündigt, Verträge sind unterzeichnet, das Visum in Arbeit. Der Umzug wird demnächst konkret terminiert - aktuell steht nur ein Zeitraum fest - ich weiß jedoch wie er ablaufen wird. Temporär werden wir in einer möblierten Wohnung unterkommen und von dort aus auch eine unmöblierte langfristige Wohnung suchen in die wir mitsamt Möbel und Sachen aus unserem deutschen Haushalt einziehen, die erst nach etlichen Wochen auf dem Schiff dort eintreffen werden. Währenddessen gilt es viel Zeug zu organisieren, zu arbeiten, Kolleg*innen kennenzulernen und … „anzukommen“. :slight_smile:

Ich spendiere euch dann bei Zeiten mal ein Update.

Und wo liegt jetzt eigentlich Singapur? :simonhahaa:
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Also ich habe zwar aktuell nicht den Plan auszuwandern (auch wenn ich den Gedanken an sich nicht ausschließen würde), aber ich kenne da jemanden, der ein paar Parallelen zu deiner Situation hat. Ich gib den das mal weiter, vielleicht kann er von deinen Schilderungen was mitnehmen.

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endlich mal jemand, der auch an mich denkt :beanhug:

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Eine krasse Entscheidung, die sich jedoch in deinem Fall vernünftig und gut durchdacht anhört. :slight_smile:

Du schreibst, du willst nicht nur für einige Jahre auswandern. Möchtest du und deine Frau für immer in Singapur bleiben oder alle paar Jahre woanders sein? Gibt es etwas, mit dem du voraussichtlich nicht gut klar kommen wirst? Ich hätte zum Beispiel so meine moralische Probleme, in einem Land zu leben, in dem Todes- und Körperstrafen angewendet werden. :face_with_monocle:

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Danke für diesen Thread. :slightly_smiling_face: (Denk an die Rocketmap wenn es so weit ist :wink:) Kommt auf jeden Fall in den Guide.

Singapur finde auch eine krasse Wahl aufgrund der Gesetze die dort gelten.

Ich freu mich auf jeden Fall auf mehr Storys von dir und anderen.

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Singapur ist eine großartige Stadt (und nicht weit von meinen Lieblingsort Bali entfernt). Kenne auch ein paar Personen, die dort ein paar Jahre gearbeitet haben, die alle nichts schlechtes darüber gesagt haben.

Persönlich hätte es mich während oder nach der Promotion nach Boston gezogen. Habe dort auch ein längerfristiges Angebot bekommen. Wegen einer (damals) neuen Partnerin, die mit ihrem Studium im Ausland garnichts anfangen kann (Jura), habe ich es dann aber nicht umgesetzt.

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Ich denke, dass wichtigste ist erstmal zu wissen: Wohin will ich? Was will ich da machen?

Derzeit wüsste ich gar nicht, welches Land ich den auserkoren würde. Müsste aber wahrscheinlich englischsprachig sein oder ich müsste so langsam mit der Sprache beginnen. Denn ohne diese Ambition wäre es früher oder später zum Scheitern verurteilt.

Am Ende hat jedes Land seine Pro und Cons. Vom Lebensstil, Bürokratisches etc. Durch meinen Bruder in Australien war ich länger drüben, bin länger an verschiedenen Orten gewesen. Das Leben scheint entspannter, nicht umsonst zieht es viele Menschen aus aller Welt dahin. Muss aber auch sagen die Hitze im Dezember ist auch was Anderes und ein Leben unweit der Großstädte puh wüsste ich nicht…

Der zweite Punkt wäre halt, womit verdiene ich mein Geld. Bin gerade in einem Job, der nicht mehr so Spaß macht und bereit in etwas Neuem zu springen. Beim Auswandern - wenn du nicht gerade über ein Unternehem versetzt wirst - musst zumindest auch wissen was du dann tun willst oder was das Land aktuell sucht. In Australien gibt es eine lange Liste von Jobs und Regionen, wenn man es allein macht.

Einfach bei der Wahl wäre es dann ggf. wenn die Partnerin oder Partner aus einem anderen Land kommen und gern auch mal wieder zurück möchte. :smiley:

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Ping @LeowindPilz

Deine Auswanderungsgeschichte klang auch spannend. Da würde ich gern mehr von hören

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Auswandern geht immer :simonhahaa:

Um mal eine Frage in die Runde zu werfen:
Wie definiert ihr ‚Auswandern‘?
Ich weiss nicht wieso, aber irgendwie verbinde ich mit Auswandern nicht das dauerhafte Verlassen des eigenen Landes, sondern eher das dauerhafte Niederlassen in einem gezielten, neuem Land.
Also eine Person welche das Land verlaesst ohne zu wissen wo man die Zukunft verbringt ist fuer mich irgendwie kein Auswanderer/Auswanderin sondern irgendwie einfach nur eine Person welche das Land verlassen hat. Und ich habe keine Ahnung warum ich das so sehe…

Das wäre dann Einwandern. Aber ja Auswandern ist für mich auch schon eine gezielte Handlung mit vorheriger Planung.

Spontan und ohne Ziel wäre für mich Flucht.

Wenn es danach geht, dann ist aber so das Leben. Kann immer was passieren und zu ziehst weiter. :smiley:

Für mich ist Auswandern, man gibt alles in seinem jetzigen Wohnort auf und zieht ins Ausland. Wenn du da dann alle Genehmigungen hast, um so besser. Falls nicht, könnte es wirklich temporär sein.

Sonst lebst du halt im neuen Land wie im alten Land, ohne zu wissen was die Zukunft bringt.

Der finale Schritt - falls man es dann will - wäre dann das Ablegen von seinem Pass und der Antrag auf die Staatsbürgerschaft. In Deutschland muss nachweisen, wieso man denn z B. die deutsche Staatsbürgerschaft behalten sollte. Dann hat man es komplett durch.

Ich wohne ja selbst schon seit inzwischen ueber 5 Jahren nicht mehr in Deutschland. Ich habe auch nicht die Intention nach Deutschland zurueckzukehren, aber weiss auch noch nicht wo ich mich niederlassen moechte. Deswegen sehe ich mich nur bedingt als Auswanderer, da ich das Land halt verlassen habe, ohne mir wirklich Gedanken zu machen wo ich denn mal wirklich alt werden moechte.

Ab jetzt nenne ich Fluechtlinge ‚Spontanauswanderer‘. Danke dafuer :simonhahaa:

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Dann mag das halt deine Definition sein, aber am Ende ist dies auch nur die Frage „Wo ist mein Zuhause oder meine Heimat“. Das geht finde ich über den Auswanderer-Begriff hinaus, da dies auch sehr individuell sein kann.

Sonst ist halt der Begriff Auswandern meiner Meinung nach recht eindeutig. Ich verlasse mein Heimatland und lebe/arbeite in einem anderen Land. Ob du dann nochmal in zwei weiteren Löndern lebst oder du dir dann später eine kleine Hütte auf einer karibischen Insel holst, ist dann halt wieder ein anderes Thema. :wink:

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krasse nummer.
:f: !

ich wünsche dir die zeit und die möglichkeiten, es zu genießen.

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Danke für den Ping, spannender Thread. :slight_smile:

Ich muss nachher mal nachschauen was ich schon geschrieben habe, damit ich mich nicht wiederhole. Aber was interessiert dich grundsätzlich, wie es soweit kam bei mir oder wie es aktuell so läuft?

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Wäre denke ich nicht schlimm wenn sich da Dinge wiederholen. Dann muss man es sich nicht zusammen suchen.

Beide. Klang insgesamt wie einr spannende Story.

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Spannende Geschichte ich wünsche viel Erfolg und Spaß beim Reisen. Falls Reisetipps für Indonesien gefragt sind, melde dich gern.

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Fürs erste bleibe ich da. Meinen Lebensabend würde ich dort vermutlich aber nicht verbringen wollen da es woanders günstiger (bei dennoch gutem Lebensstandard) geht. Konkrete Pläne habe ich nicht, aber Ideen gibt es immer. :slight_smile:

Berufliches: Work Life Balance sehe ich stark in Gefahr da ich eine Nähe zu Europa und USA wahren will.
Privates: Häufiger in die Westlicher-Expat-Schublade geschoben zu werden. Wird anstrengend werden dagegen vorzugehen.

Die haben ich erstmal nicht, was nicht heißen soll dass ich im Default alle Wertevorstellungen teile oder sie mir egal sind. Im Gegenteil: Ich gehe auch mit dem Vorhaben ins Ausland mich mit anderen Kulturen und den damit verbundenen Wertevorstellungen intensiver auseinander zu setzen um dann zu entscheiden ob ich bei meinen Wertevorstellungen bleibe oder diese erweitere.
Aber ich kann deine Einstellung gut nachvollziehen und hätte persönlich bei anderen Ländern oder auch in anderen Regionen (selbst innerhalb Deutschlands) sicherlich meine Probleme weil lokale Wertevorstellungen mit meinen zu sehr kollidieren.

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wiederhole dich ruhig! Ich kenne die Geschichte nicht und finde es spannend!

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Sehr cool!! Meine Frage - was sagt denn die Frau dazu? Also habt Ihr euch von anfang an die Fastzination geteilt, hast du Sie angesteckt oder ist es ihr schlichtweg egal, dass Land zu verlassen und einen Neustart anzugehen? :slight_smile:

Es klingt etwas unspektakulär - aber ich hab mich komplett in Österreich verliebt. Ist nur ein Land weiter aber ich war schon öfter dort und würde mich beim Auswandern wohl darauf konzentrieren.

Optional Irland. Obwohl ich dort bisher noch nicht mal war :smiley: Im August ist es dann aber mit meinem ersten besuch dort soweit, Vielleicht bestätigt es sich ja dann.