Jennifer Weist (J. Rostock; Yeanniver) und Feminismus

Danke, freut mich, dass sich das auch andere Fragen und dass J. Weist sich damit auseinandersetzt. Das hilft im Erkenntnisgewinn :slight_smile:

Und das ist genau das Problem, wegen dieser Einstellung gelten eben Jungs dann als „echte Macker“ und Mädels als „Dorfmatratzen“ etc. Das ist ja genau die Wurzel des Problems und darum geht es hier auch. Nicht darum Werbung für einen Lebensstil zu machen, sondern zu sagen: „Macht was ihr wollt, ihr seid gleichberechtigt.“

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In dem Song gehts ja nicht mal um den Take aus den 60er Jahren „Ich als Frau kann auch viel Sex haben“. Da ist der Feminismus heute schon deutlich weiter.

Es geht in dem Song doch einfach nur darum, dass sie offene Beziehungen toll findet.

s.o. Einen fiktiven Song mit dem Namen „Ich ficke jede“ wäre disgusting in jeder HInsicht und auch nicht gesellschaftsfähig.

Hier ist ein Interview mit Jennifer zum Thema „Freie Liebe“ .

https://youtu.be/SswFTWM0BK8

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Ist das nicht der Titel jedes zweiten Gangster rap Songs? :sweat_smile:

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Fände ich auch einen Kacktitel/Inhalt, aber der ist zigtausendfach eben verbreitet in Deutschrap/Rap/Hip Hop und Co.

Du bist aber nicht auf die Grundaussage in dem Satz eingegangen. Mädels wird das vorgeworfen, was bei Jungs gefeiert wird.

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Also das ist vielleicht recht platt, aber doch durchaus ein feministischer Inhalt.
Sexualität und Feminismus kann auch gern mal plakativ und provokativ(finde ich hier jetzt nicht mal so) an die Wand geklatscht werden.
Hier macht halt mal ne Frau von sich aus diese Ansagen, die man in der Popmusik sonst großteils eher von Männern erzählt bekommt oder Männer Frauen danach bewerten „die ist leicht zu haben, die fickt ja jeden, aber ich bin der Macker und kriege jede“.
Die Aneignung und Ermächtigung solcher Sätze und Gesten kann unbedingt als klar feministischer Akt verstanden werden. Dadurch findet ja eine bewusste Umwertung statt.
Ich seh auch kein Problem darin, wenn das Jugendliche heute hören, eher im Gegenteil.
Eine Auseinandersetzung mit Sexualität (und Geschlechterrollen) findet in der Popmusik schon seit jeher statt. Mal progressiver und mal konservativer.
Da hats meiner Ansicht nach in der Vergangenheit weit problematischere oder zumindest fragwürdigere Texte, Inhalte und Oberflächen in der Popmusik gegeben.
Schon von Anfang an.
Ach was sag ich, seit Anfang der Kultur.
Jugendliche setzten sich doch sowieso automatisch auch von alleine mit Sexualität und Geschlechtern und ihren Rollen auseinander und ich würde sogar sagen das tun sie in großen Teilen (ähnlich, wie in klimapolitischen Fragen) wesentlich bewusster, progressiver und cleverer, als noch zu meiner Jugend.
Wir erleben gerade eine extrem politisierte und bewusste Generation aufwachsen.
Mich beeindruckt das tatsächlich sehr.
In welcher Form sie Popkultur, ihr eigenes Leben und Gesellschaft zusammen verhandeln und einordnen, kommt eher auf das Umfeld an, als auf einen Popsong der vom Ficken erzählt.
Manchmal hab hat meine kulturpessimistische Stimme übrigens Angst, dass eine prüdere und lustfeindlichere Gesellschaft im Anrollen ist - das hoff ich dann wohl nicht.

Das gibts aber auf die eine oder andere Art zu hauf.

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Zu Lil Wayne: Respekt - gute Songkenntnis! Aber ja: digusting. Als Gegenreaktion könnte ich mir eine ironische Aufarbeitung vorstellen. Die Gegenreaktion „Ich wünschte, ich könnte jeden Typen ficken“ ist halt nicht meine. Da sind wir wieder bei meiner Einstellung…

Da muss man übrigens nicht mal zum Gangster Rap gehen.
Egal ob Popmusik, Rock, Chansons oder Eurodancenummern.

Der erste Song der mir einfällt ist der fürchterliche Mambo Nr. 5, der macht auch nix anderes.

Und auch gerade in Rock-Klassikern, die gerne große Schmalzgesten erzählen, machen das oft auf recht zweifelhafte Weise, wenn man mal genau hinhört.

Ich mein, Gainsbourg liegt hier mit seiner Tochter im Bette:

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Hast du den Song denn zu Ende gehört? Sie sagt doch nicht mal nur „ich ficke jeden“ (was auch ok wäre).

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Ja, mehrfach. Bitte nicht versimplifizieren. Ich bin hier, um zu diskutieren, nicht um mir Oberflächlichkeit vorwerfen zu lassen…

Du fragst halt „ist das noch Feminismus?“ Und dann antworten dir alle und feministische Theorie „ja klar“.

Du hast ja schon selbst gesagt, dass es hier um deine Einstellung geht.

Und das ist ja was solche songs erreichen wollen. Man soll solch eine Einstellung mal hinterfragen.

Aber der Song selbst gibt für mich halt keine andere Diskussion her

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Abgesehen davon, dass sie sagt, für sie sei „Sex nichts Privates“, kann ich jedem Wort des Interviews gut folgen. Ich verstehe, warum sie ihre Ansicht provozierend zu „Ich ficke jeden“ zusammengefasst hat. Das kann natürlich nicht die Komplexität eines 45-minütigen Interviews widerspiegeln oder zusammenfassen.
In meinen Augen/Ohren fühlt sich der Satz für mich trotzdem nicht richtig an (und ja: „Ich ficke jede“ hört sich schlimmer an).
Über Provokation kann man Diskussion und Auseinandersetzung mit dem Thema starten - der Punkt stimmt schon.
Ich hätte eher in Form einer ironischen Aufarbeitung mit dem Macho-Gehabe in der Rap- und überhaupt U-Musik aufgeräumt, anstatt „ins selbe Horn zu stoßen“. Ist für mich nicht sinnstiftend, dass Emanzipation dadurch erreicht würde, indem Frauen sich genauso pornös herablassend über den Liebesakt mit dem anderen Geschlecht äußern. Ja, das tut sie nur im Refrain, da aber schon eben deutlich…

Danke - das fand ich auch insofern bereichernd. Und ja, ich bin hier, um mich zu hinterfragen. Von daher - alles bestens :wink:

Grüße

Ich stell mal eine eventuell provokante These in den Raum. Sollte Sex und Sexualität vielleicht sogar bis zu einem gewissen Grade banalisiert werden, also von dem hohen, heiligen Sockel gehoben werden und quasi eine Profanierung erfahren? Mal nicht vorsichtig mit Samthandschuhen anpacken, weil man Angst hat, dass irgendwas zerbricht. Tut das einem Diskurs vielleicht sogar gut, wenn man das Thema nicht zu dem heiligsten aller Theman hochstilisiert, das immer gemeinsam mit dem eben so großen Wort Liebe gedacht werden muss(Auch ein Wort, dessen Größe man übrigens auch mal einreissen und hinterfragen kann - „Liebe wird oft überbewertet“)?
Statt das Bild der zarten Knospe vor Verletzung zu schützen, im Gatsch und in Pfützen rumspringen und Unkraut fressen.
Wir haben alle Sex. Wir sind alle sexuelle Agenten auf einem großen Spielplatz.
Klar muss dann auch in der Banalisierung ein bewusster Umgang mit diesen Begriffen stattfinden, aber ein Hinrotzen und Rausschreien von Slogans kann eben auch einen kathartischen Befreiungsschlag bedeuten.

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Gute Frage! Das ist eigentlich die Frage, die mich hierhin trieb: Ist das gerade die Zeitenwende, dass das passiert und ich kann dem emotional nur nicht folgen, oder ist das absichtliche, provokative Grenzüberschreitung, um Sexualität im steten Wandel zu hinterfragen und zu diskutieren, ohne dabei die Banalisierung der Sexualität für alle „einzufordern“. Klar fordert Jennifer nichts ein. Aber ihr ist es wichtig, ihre Meinung kundzutun und sie ist halt feministisches Rollenvorbild.

Und dahinter die Frage: Bringt die von ihr gewählte Form die gewünschte, differenzierte Auseinandersetzung oder erzeugt sie Verunsicherung und moralischen Druck (widersprüchlich: den Druck „spür doch bitte keinen moralischen Druck, bloß weil es um Beischlaf geht“).

Ich find das alles superspannnend!!

Absolut!

Seh ich ähnlich.

Wir bringen gerade Frauen bei Angst vor Sex zu haben egal in welcher Form. Angst vor zu viel Sex, zu wenig Sex, kein Sex, zu wildem Sex, zu prüdem Sex, zu frühem Sex zu spätem Sex und immer so weiter.

Sex ist für mich in dem Fall auch immer einvernehmlich. Alles andere ist für mich selbstverständlich kein Sex.

Selbst als Mann spürt man diesen Druck ja zu großen Teilen auch obwohl einem nicht mal dauernd gesagt wird auf welchem schmalen Grad man wandern muss um auf sexueller Ebene eine „gute“ Frau zu sein.

Das ist ja wirklich nichts Neues. In der Öffentlichkeit traten solche Ideen und gerade während der 68er für viele das erste mal in Erscheinung.

Da haben Frauen schon lange sexuelle Selbstbestimmung radikal eingefordert. Auch so Sachen wie die „Busenattentate“ auf Adorno sind zu der Zeit passiert.

Wenn man yeanniver vielleicht etwas vorwerfen könnte dann, dass sie viel zu Spät für den aktuellen Zeitgeist dran ist. Mit dem Video schockt man wahrscheinlich keine moderne junge Frau.

Da kannst du ja mal mit jungen Frauen sprechen wie sie das sehen. Oder was zu der ganzen Thematik so denken.

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