Jennifer Weist (J. Rostock; Yeanniver) und Feminismus

Alles gut.
Ich bin gerade etwas zu müde, um ausführlich zu antworten, aber das hat mich an einen Gedanken erinnert, den ich schon länger mal so in den Raum stellen wollte.

Man muss schon aufpassen, dass man die Jugend/Jugendlichen nicht unmündiger macht, als sie eigentlich sind.
Klar müssen gerade Jugendliche mit vielen Eindrücken klarkommen und viele Erfahrungen machen und einordnen. Und ja, manche Erfahrungen müssen sie vielleicht auch nicht selbst machen, und es ist gut, dass jemand, der sich schon mal an der Herdplatte verbrannt hat erklärt, dass die eben heiß ist, aber man muss eben aufpassen, dass man Jugendliche nicht zu sehr vor allem Schützen will.
Die sollen ruhig über ihre eigenen Erfahrungen stolpern, sich an denen abreiben und sich ein eigenes Weltbild erarbeiten - mit ein bisschen Führung vielleicht, aber bitte ohne die Ecken in Watte einzupacken, weil man meint, sonst könnte sich ja daran gestoßen werden.

Nein, ich bin der festen Überzeugung Jugendliche sind weit autonomer in ihrer Erfahrung der Welt, als ihnen oft zugetraut wird, und da ist so ein Song in meinen Augen nicht problematisch.
In keinster Weise. Nur, weil irgendeine Band sagt, dass alle bitte keusch sein sollen, bleiben auch nicht alle keusch - gottseidank.
Ich finde auch, dass der Song absolut nicht gegen ein Nein stellt. Nichtmal der Titel macht das, der sogar, wenn man mag, auch noch weiter und losgelöst einer sexuellen Konnotation verstanden werden kann - nämlich quasi „jetzt bin ich dran(die Lady macht hier mal Ansagen!), und jeder der mir in den Weg kommt wird gefickt, brauchts garnicht erst versuchen, fuck it all (das schönste Wort in deutscher Sprache - höhö), alles ist möglich, alles egal, weil das ist mein Weg“

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das ist für mich das entscheidende:

Vertrauen!

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Hey, wir haben es. Das ist der Unterschied. Ich finde „Auf jeden Fall“. Ich kann das in der Klarheit für mich sagen, weil meine Freundin als Teenager in einer Beziehung sexuell traumatisiert wurde. Weil sie keiner geschützt hat und sie nicht getraut hat, ihren Typen zurückzuweisen.
Klar, das wurde jetzt nicht durch einen Song vergeigt. Nur der Songtitel widerspricht da meiner Haltung „Ficke bitte, bitte, bloß nicht jeden!“

Ich kann die beiden Haltungen „Mädchen brauchen Schutz“ und „Mädchen brauchen keinen Schutz“ gut als zwei verschiedene Meinungen nebeneinander stehen lassen.

Grüße

Das tut mir für deine Freundin leid. Sowas kann aber mit nichts verhindern, auch nicht damit alle in ein Käfig setzen zu wollen.

Hab‘ ich nicht vor. :wink: Grüße

Natürlich, das ist es doch was du willst. Du nimmst eine Individuelle Erfahrung, wo nicht mal klar ist was dazu führte und willst nun alle „schützen“, weil du denkst das wäre für alle „besser“.

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Ich habe das Gefühl, für dich ist es schwierig zwei Dinge gleichwertig nebeneinander stehen zu lassen.

Dein Wunsch Mädchen beizubringen Nein zu sagen und ihre eigenen Wünsche und Grenzen durchzusetzen, ist vollkommen richtig und wichtig.
Aber es schließt nicht aus eben diesen Mädchen auch beizubringen, dass es okay ist, wenn sie sich wünschen “jeden zu ficken”. (Übrigens auch: “Wen ich will, wann ich will, wo ich will, wenn ich will”) Das eine schließt das andere nicht aus. Da wäre ja das spannende für mich zu wissen: Warum widerspricht sich das für dich?

Dass dein Schutzbedürfnis bei deiner Tochter größer ist, als es bei einem Sohn der Fall wäre, ist sogar nachvollziehbar. Das liegt aber immer noch an der Schieflage, wie die Sexualität von Frauen gesellschaftlich bewertet und erwartet wird. Soll heißen: Songs, wie der hier besprochene sind nicht das Problem (sondern sogar hilfreich). Stattdessen muss den potentiellen Sexualpartnern auch beigebracht werden, diese Wünsche und Grenzen ohne Wenn und Aber zu akzeptieren (“Die einzige Regel: Es hat niemand was dagegen”). Und allen muss beigebracht werden, dass der Wert eines Menschen sich nicht aus seiner Sexualität ergibt - egal wie aktiv oder eben nicht das ausgelebt wird. Und das macht der Song hier auch. Vor allem durch die Banalisierung (“andere gehen kegeln” - Das wird vollkommen gleichwertig zu ihrem Freizeitvertreib gestellt) - ohne weitere Wertung.

Am besten schützt man seine Kinder übrigens vor allem dadurch, offen und wertfrei über Sex zu reden. Das ist aber die schwierigste Kür, wie mir scheint. Hast du den Song denn mal mit deiner Tochter besprochen? Das wäre doch auch mal spannend!

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Habe noch einen interessanten Podcast gehört, der das Bild verfeinert hat. Empfehlung!

Grüße