19. Legislaturperiode - Regierung: CDU/CSU/SPD

Wenn der Standard an Veränderung an dem System ist, dass es nur oder hauptsächlich den Einkommenschwächsten helfen soll, wirst du nie etwas ändern können. Altersarmut und Geringverdienervorsorge sind gesellschaftliche Herausforderungen aber es gibt auch 70+% der Bevölkerung, die davon nicht betroffen sein wird. Wie schon von Anderen bemerkt, wer heute unter 40 ist, muss sich extra Gedanken machen und selber vorsorgen, wenn er im Alter mehr als eine Basisabsicherung haben will. Gute Bedingungen für Geldanlage hat uns die Politik der letzten 15 Jahre zumindest nicht produziert und für eine gewissen Grundgroll über negative Renditen fürs Sparen (bei Rentenbeiträgen und Zinsen ) sollte man durchaus Verständnis zeigen können.

Hm, also ich würde mich eher darüber aufregen, dass die SPD die private Vorsorge überhaupt nötig gemacht hat. Und nicht dafür, das sie sie nicht genügend gefordert hat.

Nötig gemacht hat das leider die Realität. Ein umlagefinanziertes Rentensystem wird immer an seine Grenzen stoßen, wenn die Demographie sich verschlechtert und sich die Lebenserwartung verlängert. Da kann man noch so auf die Produktivitätsfortschritte hoffen, die beiden Faktoren wird man damit nicht ausgleichen können ohne mehr und mehr des Arbeitnehmerlohns dafür draufgeht. Die SPD hat ja zumindestens bei dem Thema mal Gestaltungswillen gezeigt, auch wenn davon nichts mehr übrig ist. Die Merkel CDU scheint ja die Problematik nochnichteinmal erkannt zu haben und hat ja nur Dinge gemacht, die kurzfristig Applaus bringen und das Problem langfristig verschärfen.

Der geht auch drauf, wenn du privat vorsorgst.

nein. veränderungen am system sollten allen helfen oder zumindest in erster linie denen, die im momentanen system die schlechtesten chancen haben.

Der Unterschied ist aber, dass du nachher das verfrühstückst, was du auch beiseite gelegt hast. In einem umlagefinanzierten System mit ändernder Demographie wird es zwangsläufig Generationen geben, die massiv mehr aus dem System herausziehen als Sie eingezahlt haben und solche die massiv mehr bezahlen als sie jemals herausbekommen. Das ist eine Gerechtigkeitsproblematik mit nicht ganz kleiner Sprengkraft. Solange Bevölkerungswachstum, Produktivitätszunahme, Rentenbezugsdauer sich ungefähr in Waage halten, ist ein Umlagefinanziertes System toll (niemand muss sich um die Anlage Gedanken machen, Ein- und Auszahlungen des durchschnittlichen Einzelenen entsprechen sich). Wenn sich aber Trends ändern, hat das drastische Auswirkungen und produziert Verteilungskonflikte. Das ist alles vorhersehbar, aber leider ist unsere Politik sehr Status Quo affin und die Zeche werden die jetzt Jüngeren zahlen müssen.

Ich denke die wesentlich größere soziale Sprengkraft ist es, wenn wir de facto die noch weiter begünstigen, die sich selbst versorgen können und denen Hilfen kürzen, die es nicht können. Denn darauf baut dein Argument ja auf. Wenn du sagst, das das umlage-finanzierte System nicht mehr funktioniert, (wo ich absolut bei dir bin, es gehört geändert) willst du es abschaffen. Momentan ist dein Vorschlag dafür die privaten Versicherungen zu begünstigen.
Die Ziehen aber nur Geld aus dem System, weswegen es aus meiner Sicht deutlich besser wäre, wenn es eine allgemeinen Beitrag, wie jetzt auch, gibt , mit dem aber genau deine spätere Rente versorgt wird. Also ohne Generationenvertrag. Oder man führt eine Ertragsrente ein, wo alles aus einem Jahr auf die Renter umgelegt wird, oder…

Einfach nur Aktien zu begünstigen hilft dem Problem der Altersvorsorge nicht wirklich. Es hilft in erster Linie den Großinvestoren und Versicherungen die mit diesen Geldern noch mehr Profit erwirtschaften können.

Ich hab nichts darüber gesagt, was für ein System ich will oder was ich für vernünftig oder machbar halte. Ich wollte nur klarstellen, das das jetztige System Probleme produzieren wird und das, die von dir monierten SPD Änderungen, Versuche waren, diese Probleme zu reparien mit unklarem Erfolg. Als Hobbyskeptiker glaub ich auch, dass das alles noch viel viel Schlimmer wird bevor es für das ganze Thema nochmal einen ernsthaften Reparierversuch gibt.

Es geht mir prinzipiell auch nicht darum, dass ob es zielführend ist die Altersvorsorge für alle mit Aktien zu verlangen (deine cui bono Interpretation lässt ja zumindest vermuten, das du bei dem Thema sowieso ideologisch vorbelastet bist). Ich glaub nur, dass das jetzige System viele Menschen benachteiligt (zu schlechte für sich selbst erwartbare Rendite im Umlagesystem) und ihnen dem Spielraum nimmt selber vorzusorgen (zu hohe Abgaben und Steuerlast, Altersvorsorge auflösen bei langer Arbeitslosigkeit etc ). Das dieser Themenkomplex überhaupt nochmal diskutiert wird, find ich begrüssenswert und lässt hoffen das vielleicht die Zeiten des Problemverdrängens und -schönredens vorbei gehen könnten.

In wiefern werden Leute benachteiligt, nur weil sie nicht bevorteilt werden? Jeder hat doch deiner Logik nach die gleichen Möglichkeiten. Ich weiß gerade nicht inwiefern Aktien überhaupt besteuert werden, aber ich meine das da nicht viel rumkommt oder abgeht. Die die Geld haben, können jetzt schon anlegen und vorsorgen, die, die es nicht haben, nicht. Jetzt Steuervergünstigungen anzubieten bringt also einer der beiden Gruppen nichts und der anderen einen weiteren Vorteil. Aber es ist eben kein Nachteil, keinen Vorteil zu haben.

In dem Punkt musst du jeden Vorschlag begrüßen, der dieses Thema hat. Da es also für jede Aussage gilt, ist das Argument bedeutungslos.
ich denke auch jeder hier wird dir zustimmen, dass das Rentensystem überarbeitet gehört, aber die Frage ist und war, warum es die Aktien sein sollen, die das System überarbeiten?

Beispiel:
du wirst gezwungen jeden Monat 100 Euro abzugeben und dafür gibt es nach 40 Jahren jeden Monat 100 Euro zurück. Doof nur das du nur noch 30 Jahre Lebenserwartung hast und damit 10 Jahre mehr bezahlt hast als du gekriegt hast. Das Ganze ist dann natürlich eine Benachteiligung, weil ja die Alternative gewesen wäre, du legst dir dein Geld unters Kopfkissen und verbrauchst es dann.

Na bei Unwissenheit lassen sich ja alle Vorurteile immer schön ausleben. Aktien werden auf Seite des Unternehmens mit Körperschaft- und Gewerbesteuer belastet und dann auf Aktienhalterseite, wenn Gewinne anfallen (durch Veräußerung oder Dividende) mit Abgeltungsteuer(oder Einkommenssteuer wenn die niedriger ist und du das beantragst). Summa sumarum ungefähr genausoviel wie der Spitzensteuersatz der Einkommensteuer. Richtig ist das Veräußerungsgewinne von Aktien(wie auch vielen anderen Anlageobjekten) nicht immer steuerpflichtig waren solange es ums Privatvermögen und eine längere Haltungsdauer ging(hat die Schröder SPD geändert (steuerbasis hoch, steuersätze runter, summe mehr geld)).

Müssen ja keine Aktien sein, Wertpapiere(sparbrief) sind ja der Klassiker. Aber Hauptsache die Leute werden auch in ihrer Altervorsorge an den besseren Renditen in der Volkswirtschaft beteiligt. Früher hast du das ja über die Zinsen bei der Bank/Lebensversicherung oder Staatsanleihen gemacht. Heute ist beides wegen der Geldpolitik in der Eurozone ein Verlustgeschäft.

nach der logik wird aber jeder „benachteiligt“ und nicht nur bestimmte gruppen.

Ja, das ist natürlich das Beispiel für den Generationenkonflikt bei der Umlage. Gibt sicher noch mehr, z.b. Niedriglohn/Arbeitslosigkeitbereich, die nach ihrer Erwerbstätigkeit auf ein Rente unter Grundsicherungsniveau fallen und dann Rentenmäßig nicht besser dastehen als jemand der gar nicht eingezahlt hat.

Nennt sich Solidaritätsprinzip, darauf fußen die meisten unserer Sozialsysteme, du zahlst ja auch Arbeitslosenversicherung ohne zu wissen ob du sie je brauchst.

Das macht die Rente aber nicht nur, du kriegst ja mehr wenn du mehr und länger einzahlst. Du kriegst ja bei der Krankenversicherung nicht mehr nur weil du mehr und länger eingezahlt hast. Die Vermischung von Umverteilung (wogegen ich überhaupt nicht bin bevor ihr mir was andichtet) und Versicherungscharakter der Rente macht das ganze ja so konfus.

Ne die Abgeltungsteuer liegt bei 25% + Soli und der Spitzensteuersatz bei 45%, Kapitalerträge werden jetzt schon massiv bevorteilt, da brauchen wir keine weiteren Vorteile.

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Die beiden haben es auch dringend nötig und sind extrem gemeinnützig :kappa:

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Irgendwie sehe ich nicht die massive Bevorteilung im deiner Aussage.

Wenn ich eine Million als Erzieher verdiene muss ich 450.000€ Steuern Zahlen, wenn ich eine Million aus Zinsen oder Dividenden bekomme, muss ich nur 250.000€ Steuern Zahlen.

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I see ^^.

Jop. :kappa: