Zugegebenermaßen auch etwas motiviert durch Sea of Thieves, das ich zurzeit ja begeistert spiele, lese ich aktuell wieder The Pirate Wars von Peter Earle. Der nimmt sich in einer gut lesbaren und mit vielen Zitaten durchsetzten Abhandlung der verschiedenen Formen der Piraterie zwischen dem 16. und beginnenden 19. Jahrhundert in Atlantik und Mittelmeer an.
Ich finde die realen Hintergründe aus denen unser in romantisierten Erzählungen verewigtes Bild von Piraten selektiv zusammengesetzt ist, sehr spannend. Insbesondere welche Aspekte sich zu welcher Zeit und in welcher Weise real geäußert haben - und was weggelassen wurde. Vielleicht weil es sich nicht für die Zielsetzung der Geschichten eignete und lieber vergessen werden wollte. Es wird, so genau es eben geht, zerlegt wie sich die Piraten unterschiedlicher Zeitalter zusammensetzten und unter welchen Bezeichnungen sie bekannt waren (pirates, buccaneers, corsairs…) und wie von offiziellen Stellen unterschieden werden sollte wer pirate sei und wer legitimierter privateer. Es wird beleuchtet wer zu welcher Zeit in welchem Maße unter Piraterie litt oder sie tolerierte bis förderte, aus welchen Motiven dies geschah (von Armut bis Handelspolitik), welche Regionen und Häfen zu welchen Zeiten wichtig waren und warum.
Ich habe jedenfalls das Gefühl, durch die Lektüre die Darstellungen in den diversen fiktiven Settings¹ ganz anders wertschätzen zu können. Ich bin noch ganz am Anfang, aber durchaus fasziniert. Insbesondere wird interessant, wie sich die oppurtinistische Haltung der großen Spieler, insbesondere der Royal Navy irgendwann verschiebt und die Piraterie erbarmungslos verfolgt und bekämpft wird, bis sie als Form der Kriminalität zur See aufhört eine Rolle zu spielen. Eventuell berichte ich nochmal, wenn ich damit durch bin, sind nur knappe 250 Seiten.
¹
Pirates of the Caribbean, One Piece und Sea of Thieves, um mal die ganz großen zu nennen

