Bin jetzt fast ganz durch mit den Geschichten und fange jetzt auch mal an, Kritik auch schriftlich festzuhalten. Nur in Punkten ist das oft etwas schwierig bzw. wird man den Geschichten damit nicht ganz gerecht.
Liebe durch Spiegelei an Speck und Rosmarin: An sich ganz gut geschrieben, relativ ruhig. Es wird recht schnell klar, was in der Geschichte Sache ist, aber der Autor hat bis zum Ende konsequent und ohne große Effekthascherei durchgezogen, was ich als ganz angenehm empfand. Gefällt mir etwas besser als das recht ähnliche „Familienidylle“, sowohl sprachlich als auch vom Inhalt her.
Drifter: Eine der stärkeren Geschichten, finde ich. Hat genau die optimale Länge und die einzelnen Plotpoints kommen genau an der richtigen Stelle, dass einem nicht langweilig wird und man sich fragt, was denn jetzt genau los ist. Sprachlich eher unaufgeregt, was der Geschichte aber nur gut tut. Die Story ist an sich auch schön geerdet, also es gibt jetzt keine übernatürliche oder sonst wie mystische Auflösung. Gefällt mir richtig gut.
Nur einen Moment: Schwierig, ganz schwierig. Leider trüben die vielen Rechtschreib- und Grammatikfehler den Lesegenuss hier sehr stark, vor allem die vielen Tempusfehler, dazu ist der Anfang der Geschichte etwas zu ziellos und beliebig. Aber auch wenn die sprachlichen Mängel zum Ende hin sogar eher zunehmen, hebt das letzte Drittel die Geschichte doch nochmal an, wobei ich nicht mal genau sagen kann, wieso. Irgendwie bekommt das Ganze am Ende einen gewissen positiven Touch, was ich hier ganz gerne mag.
Schwarzes Glas: [spoiler] Lovecraft, bist du es? Der Einfluss ist hier ja mal extrem deutlich, was nicht negativ gemeint ist. Lovecraft hat sehr viele sehr gute Sachen geschrieben (auch einiges mieses oder sogar verwerfliches Zeug, aber ey…), also finde ich es völlig legitim, sich bei ihm zu „bedienen“. Die Geschichte trifft meinen Geschmack ziemlich gut. Ich mag es, wenn in Stories alte Bücher oder Schriften vorkommen, die bisher Unbekanntes enthalten, und dadurch eine Suche ausgelöst wird. Auch das Setting mit der Wüste und der Pyramide find ich ganz gut, wobei man da noch etwas mehr hätte beschreiben können, aber ja, gibt ja ein Wortlimit. Was ich nicht so gelungen finde ist dies hier (was Lovecraft auch gerne gemacht hat, aber auch irgendwie so der „cheap way out“ ist):
Klar, ich verstehe schon, was damit bezweckt werden soll, aber diese Art der Nicht-Beschreibung ist mir mittlerweile dann doch etwas klischeehaft. Aber da kann man jetzt auch mal drüber hinwegsehen.
Die „Textform“, also ein Brief, ist auch gut gewählt und findet mit dem Ende auch einen ordentlichen und sinnvollen Abschluss.
edit: Da fällt mir aber grade auf, wie genau ist das Thema „Ein Tag“ jetzt darin enthalten? Irgendwie gar nicht, oder? Hmm, schade.[/spoiler]