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Fabian Döhlas Tweet


#391

Ich finde es allgemein immer sehr niedlich, wie hier mit Humor argumentiert wird. Als wären die Kritisierer, die ohne und die Verteidiger, die mit Humor.
Also für mich hatte der Tweet von Döhla das letzte mal auf dem Grundschulhof etwas mit Humor zutun gehabt. Da hab ich meinem arabischen Schulfreund auch “Terrorist” an den Kopf geworfen und bin schnell weggerannt, um nicht von seinen Brüdern verprügelt zu werden.
Heute denk ich mir halt, naja, wenn schon unbedingt ein Witz über die Herkunft, dann vielleicht ein bisschen cleverer, als einfach nur der billig verletzende Kindergarten Rassismus, mit dem wir alle groß geworden sind. Dann macht der Humor auch wieder Spaß.

Anthony Jeselnik finde ich auch super und bei seinem diversen Publikum sieht man auch, dass er die Linie so trifft, dass alle darüber lachen können und nicht nur die Schulhof Bullys, mit sehr einfachem Humorverständnis.

Edit: “Thoughts and Prayers” auf Netflix ist mega.


#392

Man kann sich lange darüber streiten was guter und schlechter Humor ist.
Liegt wie so häufig im Auge des Betrachters.^^


#393

Nö, finde ich überhaupt nicht.
Meiner Meinung nach kann man, wenn man sich mit Humor auseinandersetzt, sehr präzise herausfinden, wann etwas funktioniert und wann nicht. Und genauso, wann etwas für wen angebracht ist oder eben nicht.
Man muss dann sich eben sein Publikum aussuchen.
Wie schon so oft gesagt, AfDler haben bestimmt Beifall bei Döhlas Tweet geklatscht und sich die Bäuche vor Lachen gehalten. Der wird bestimmt bald zu Treffen eingeladen, um so lustige Reden zu halten. Aber wollte er wirklich dieses Publikum mit seinem Spruch bedienen? Ich denke nicht.


#394

Dafür gibt es zu viele Spielarten, von Slapstick bis schwarzer Humor, als ich da zustimmen könnte. Einer mag Helge Schneider, der andere hält es nur für Quatsch.


#395

Absolut nicht.

Das viel gepriesene Delirious von Eddy Murphy musste ich nach 2 min abdrehen… So ne unlustige Grütze hab ich noch nicht gesehen.

Aber ich liebe den mittermeier.

Geschmäcker und so.


#396

Aber Humor und Gagschreiben ist auch ein Handwerk und man kann jeden Gag sezieren und bestimmen, warum er funktioniert und warum nicht bzw. Vielleicht erstmal warum er funktionieren könnte.
Natürlich sitzen im Publikum einzelne Individuen die eine Rechnung komplizierter machen, da alle (auch auf Grund von Erfahrungen und Erziehung) ein unterschiedliches Humorverständnis haben.
Aber man kann auf jeden Fall von Wahrscheinlichkeiten reden, wie gut bei welchem Publikum, welcher Gag ankommt. Das gehört ja dann auch zum Job von Comedians und Gagschreibern.
Und bei Döhla ist diese Rechnung sehr, sehr einfach, aus welcher Ecke er für den Spruch Rückenwind und aus welcher er Gegenwind bekommt.


#397

Und ich glaube nicht das Helge Schneider so seine Gags schreibt.^^
Man lacht bei ihm weil es absurd ist.
So wie manche darüber lachen wenn was politisch unkorrektes gesagt wird.
Wie bei Harald Schmidt damals wenn ein Nazi vergleich von ihm kam, oder vieles von Serdar Somuncu.


#398

Interessant finde ich ja, dass sich das in eine Grundsatzdiskussion auswächst, was guter Humor ist und was nicht, während das Problem sich ja beheben würde, wenn man manche Sachen einfach nicht twittert.

Sicher, sagen darf man sie noch (dagegen will niemand was) und denken sowieso (wer will das schon kontrollieren können), aber vielleicht sollte man nicht einfach alles auf 140 Zeichen rauskotzen und sich dann darüber echauffieren, dass sich eine Masse nicht so aufregen sollte.
Mit ein bisschen Sensibilität, was soziale Medien angeht, würde es vermutlich einige der letzten Shitstorms, die Leute getroffen haben, nicht geben. :sweat_smile:


#399

Okay, jetzt wird das hier mehr zu einer Comedy Besprechung :sweat_smile:
Aber nochmal, die schreiben alle ihre Gags und überlegen sich ihr Publikum. Ich hab Helge schon dreimal live gesehen und natürlich ist da viel absurde Improvisation dabei, aber seine Lieder und Bits sind alle geschrieben und er ist sich seiner Wirkung auf das Publikum sehr bewusst.

Und bei Gags macht man das doch auch im Freundeskreis so. Wenn ihr mit euren Bros abhängt, wird schonmal der ein oder andere Uschi Witz gemacht. Mega geil. Wenn dann aber später Gisela und die Girls dazukommen, verkneift man sich doch lieber den ein oder anderen Rape-Joke. Weil Stefanie hatte mal so ein Erlebnis als Kind und da sollte man doch sensibler sein.

Edit: es ist eben immer einfach Gags auf Kosten der Opfer zu machen, cleverer und dann auch allgemein verträglicher ist es aber, ungleiche Machtverhältnisse aufzuzeigen und Witze über die Täter zu machen.


#400

Naja, da es um einen Witz geht ist die Comedy Besprechung meiner Ansicht nach auch hier richtig.

Ich zB bin auch nicht der größte Fan von sexuellen Witzen. :man_shrugging:

Wie über Salafisten-Terror-Bärte gibt es auch Witze über katholische Priester, die verallgemeinert werden, die mit kleinen Jungen ins Bett gehen…
Ich finde Witze gegen Religion sind sogar wichtig, allgemein gesprochen, und haben zu einer besseren Gesellschaft beigetragen. =)
Ich würde mir noch mehr Mohamed Witze wünschen.


#401

Ich kenne das nur im Bezug auf Analverkehr.


#402

Kannst du das ein wenig erläutern?


#403

Es gibt den Religionen weniger Macht und reformiert meiner Ansicht sogar.
Das Leben des Brian war damals ein absoluter Skandal und viele sprachen sich zu einem Verbot aus. Heute wäre das undenkbar. Witze und Kritik an dem Christentum waren wichtig und haben es zu dem gemacht was es heute ist. Natürlich gibt es auch da nach wie vor Fundamentalisten.


#404

Kinos, die an Karfreitag das Leben des Brian zeigen haben noch heute mit Geldstrafen zu rechnen. :smiley: (zumindest letztes Jahr. Ob für dieses Jahr was dran geändert wurde weiß ich nicht, glaube es aber nicht)


#405

Ok, wusste ich nicht.
Sollten meiner Meinung nach Kinos aber dann umso mehr tun.
So wie Karfreitags Musik hören und tanzen.^^


#406

Jap, es gibt neben “Das Leben des Brian” auch noch ein paar andere Filme, die an Karfreitag nicht gezeigt werden dürfen. Also von “undenkbar” würde ich jetzt nun nicht sprechen.


#407

Dann lag ich da falsch. :sweat_smile:


#408

Wird ja auch gemacht. Als privatveranstaltung deklariert und solche späße.^^


#410

ich sehe den zusammenhang zu meinem kommentar nicht.
natürlich soll das ein scherz sein!
aber ein rassistischer scherz.
einer, der nur funktioniert, wenn man so tut, als wenn jeder - wie gesagt wieder beruhend auf meiner assoziation/interpretation im zusammenhang mit dem tweet: osteuropäisch aussehende direkt deshalb auch tendenziell krimineller ist.
haha, wie lustig.
probleme mit dem “auto ist schon in polen”-vergleich:

  1. wer sagt, dass es polen sind? hier wird einfach von der optik auf alles andere geschlossen.
  2. sowas kann ich unter freunden sagen. in der öffentlichkeit sollte man aber zumindest ne klarstellung dazu erwarten im anschluss.
    wenn ich zum beispiel witze über meinen kumpel asiatischer abstammung in dessen gegenwart mache, dann frag ich auch mal nach, ob es ihm nicht zuweit geht.
    wenn ich aber in der öffentlichkeit stehe und sowas an die allgemeinheit richte, dann muss ich schon eigenverantwortlich dafür sorgen, dass das nicht als
    “hey übrigens, das darf auch ruhig wörtlich genommen werden, diese osteuropäer find ich schon tendenziell scheiße, und verdächtige auch alle, die so aussehen”
    oder als
    “na ist schon ok, wenn wir alle derart über die denken, übernehmt das ruhig so, ist auch kein ding, wenn wir die auf die art öffentlich und ganz allgemein schlechtmachen. ist ja humor, humor kann niemandem wehtun”
    rüberkommt.

#411

Ich bin da ja ganz bei dir, was Humor und Comedy bewirken kann und soll und auch in Vergangenheit schon gemacht hat.
Ich finde nur, du denkst den Gedanken nicht ganz durch, da hier wieder mein Argument des Machtverhältnisses greift und das, auf welche Kosten der Witz geht.

Über Terroristen Witze zu machen ist richtig und wichtig, da sie Macht benutzen um Menschen zu schaden, also gehen die Gags auf Kosten derer, dessen Macht und Einfluss hinterfragt werden sollte.
Indem Ausländer als Terroristen bezeichnet werden verdreht sich das Machtverhältnis aber wieder, da hier der Witz auf Kosten der Menschen geht, die unter diesem Vorwurf zu schaden kommen. Es sterben Menschen wegen ihrem Aussehen.
Oder noch plakativer: die Nazis haben 6 Millionen Juden getötet. Macht ein Jude einen Nazi-Witz ist das qualitativ einfach etwas anderes, als ein Nazi der Juden-Witze macht.

Wie gesagt, darf jeder seine dreckigen Witze machen, die auf Stereotypen basieren. Nur sollte man sich vorher vielleicht Gedanken darüber machen, wer zu Schaden kommt und aus welchem Publikum man dafür Zuspruch und aus welchem Vorwürfe erntet.
Und das gilt auch nicht seit gestern so, sondern eigentlich seit jeher.