Film-Themen-Challenge

Ich habe nur beim scrollen gelesen welchen Film du gewählt hattest - und ich hatte große Angst :smiley:

Deine Zusammenfassung kann so in jeder TV-Zeitschrift stehen.

War ja weder als Kritik noch als blöder Spruch gemeint, meine Frage war halt nur: Wenn wir jetzt so riesige Listen machen, könnte der Challenge-Gedanke vielleicht verloren gehen.

Thema: Bong Joon-Ho’s Favorites
Film: Marathon Man
Regie: John Schlesinger
Jahr: 1976
Spielzeit: kürzer als ich für einen Marathon brauchen würde, und doch zu lange
gesehen auf: VHS

So lange wie ich gebraucht habe bis der Videorekorder wieder lief braucht auch Laurence Olivier um einen Satz zu sagen. Wer Schlesinger-Filme kennt, der weiß wie lange es dauert, bis irgendetwas passiert. Jeder weiß wo dieser Film hin möchte, aber warum muss man dann so viele hässliche Uni-Bilder. Und später noch in der Stadt. Hätte Peckinpah diesen Film gemacht, dann wäre das zurecht Dustin Hoffmanns Aushängeschild, denn sie haben ja bereits bewiesen wie gut sie zusammen arbeiten können. So bleibt ein schrecklicher Anfang (ersten 5 Minuten ausgeklammert), ein mittelmäßiger Mittelteil und ein guter Schluss.

Wie gesagt - Schlesinger wäre Peckinpah, Olivier wäre McQueen und Goldman hätte einmal in seinem Leben ein Drehbuch geschrieben in dem mehr Handlung ist als 2 Seiten auf 100, dann wäre der gut.

Man, hab den so lange nicht gesehen und bin herb enttäuscht.

1.5/5

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:joy:

Ja, du hast schon recht. Habe das auch nicht negativ aufgefasst, nächtes Mal gibt es wieder ein eingegrenzteres Thema. Tue mich bei Themenfindung manchmal etwas schwer, weil ich nicht mit so viel Kreativität gesegnet bin :beanjoy:

Thema: Bong Joon-Ho’s Favorites
Film: Ran (Akira Kurosawa)
Erscheinungsjahr: 1985
Laufzeit: 160 Minuten
Wo gesehen: Google Play

Akira Kurosawa verfilmt König Lear und versetzt das ganze ins japanische Mittelalter. Also, von der Handlung her muss man sich nicht viel erwarten (Shakespeare halt), aber diese Bilder. Diese wunderschönen Bilder.

Stellt euch die HdR-Filme vor, nur ohne CGI und mit richtigen Schauspieleren (die nicht geklont wurden). Das ist einfach ein Erlebnis.

Einziger Schwachpunkt: Es ist halt König Lear. Und so gut die Kamera, der Sound, der Schnitt und sonst alles ist - es ist König Lear und auch wenn es im feudalen Japan spielt, es ist König Lear. Wenn man das Stück von Shakespeare nicht kennt, vielleicht kein Problem, aber ich kenn es halt. Und kenne bessere Shakespeare-Verfilmungen, wo man nicht bei fast jedem Dialog einpennt.

Am Ende eine 8/10, einfach weil der Film so schön gemacht ist. (Und wirklich: wenn ihr schön gemachte Filme gern habt - seht euch den an).

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Thema: Bong Joon-Ho’s Favorites
Film: Punch-Drunk Love
Erscheinungsjahr: 2002
Laufzeit: 95 Minuten

So eine Review sollte ja auch immer dazu da sein, die Lesenden am Filmerlebnis teilhaben zu lassen. Also gut: Die komplette erste halbe Stunde von Punch-Drunk Love hab ich damit verbracht, im 5-Minuten-Takt “Was ist DA denn los?!” in Richtung des Bildschirms zu rufen. Selten hat mich die Anfangsphase eines Films so sehr verwirrt. Vor allem gemessen an meinen Erwartungen.

Denn dieser Film ist mit keinem einzigen anderen Paul Thomas Anderson vergleichbar, (den ich bisher gesehen habe). Boogie Nights, There Will Be Blood, Inherent Vice und vor allem Phantom Thread. Wenn man diese beiden Filme exemplarisch gegenüberstellt gibt es nur wenig, was sie gemein haben. Klar ist nicht jeder Film eines Regisseurs exakt gleich, aber die stilistischen Unterschiede könnten krasser nicht sein.

Punch-Drunk Love fühlt sich an wie eine einzige, nie enden wollende Panikattacke. Ein abgefuckter Fiebertraum, in dem jeder Protagonist zumindest ein bisschen auf dem Autismus-Spektrum stattfindet. Kaum ein Dialog verläuft in irgendeiner Form linear, jede Kamerafahrt stiftet mehr Panik & Verwirrung als Klarheit und vor allem der ungewöhnliche Einsatz von Musik lässt den Puls in die Höhe schnellen - und dort bleiben.

All das hat mich zwar schwer verwirrt und vor den Kopf gestoßen, aber auch total begeistert. Irgendwann hab ich dann aufgehört, dagegen anzukämpfen und mich einfach nur noch fallen lassen. Das ist zum Großteil dem absoluten Trumpf des Films zu verdanken: Adam Sandler brilliert einfach in jeder Szene. Jede Nuance des Wahnsinns, in die er verfällt, jede seiner vielen Eigenarten, die dauer-nervöse Körpersprache… Alles an der Performance ist super beeindruckend.

Und vor allem nimmt man ihn zu jedem Zeitpunkt ernst. Egal wie er sich anstellt oder was ihm im Laufe des Films widerfährt. Die Rolle verkommt trotz aller Weirdness nie zum überzeichneten “Trottel”, den man aus vielen seiner Komödien kennt. Und ehe ich die zahlreichen Schocks im Laufe des Films verarbeitet hatte, waren die ca. anderthalb Stunden auch schon vorbei. Wow.

Fazit: What a ride! Nach Punch-Drunk Love ist mein Respekt vor PTA als Regisseur und Drehbuchautor nur noch größer. Und ja, ich bin nach Uncut Gems und diesem Film auch endlich im Adam-Sandler-Fanclub angekommen.

8/10

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Thema: Bong Joon-Ho’s Favorites
Film: Uncut Gems Der schwarze Diamant
Regie: Benny Safdie, Josh Safdie
Erscheinungsjahr: 2019
Laufzeit: 130 Minuten
Wo: Netflix

Das Kino stirbt evtl. der Film ganz sicher nicht, das zeigt auch dieser. A24 hat ein gutes Gespür für besondere Filme und landet mal wieder ein Hit.
Ein rasanter Thriller, der auf den zweiten Blick viele Ebenen bietet wo man ansetzten kann. Was ist der Stein, einfach nur ein Stein? Das System dieser Branche, wie verkorkst ist es, wo doch alles auf Vertrauen aufbaut und man doch niemanden traut. Die Figur Howard Ratner, scheitert er an sich oder den Umständen? So richtig lässt der Film ein erstmal nicht los.
Aber es gibt auch Kritik, Adam Sandler spielt fast immer gut, keine Frage, es gibt Momente da passt er 100% in die Rolle, dann gibt es aber Szenen wo er unglaublich scheitert und man denkt, ein anderer wäre doch besser gewesen.
Aber ende rettet das ganze aber der heimliche Star, die Musik. Der Sound hat mich unglaublich in den Film gesogen, das mystische dieses Steins unterstrichen und macht den Film dann doch sehr gut.

4,5/5

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Thema: Edgar Wright’s 1000 Favorite Movies
Film: Hana Bi
Jahr: 1997
Spielzeit: 99 Minuten
gesehen auf: DVD

Zunächst mal danke an meine Mutter, die noch einen DVD-Player hat, weil der Film ist leider aktuell bei uns bei keinem Streaming Dienst.

Hana Bi. Die Feuerblume. Ein Film von Takeshi Kitano, manchen bekannt als Beat Takeshi von Takeshi’s Castle, anderen als der Typ, für den Joe Hisashi neben Studio Ghibli noch den Soundtrack macht.

Der Film selbst ist schnell erzählt: Ein Cop wird konfrontiert, dass seine Frau unheilbar krank ist, gleichzeitig werden sein engsten Partner bei einer Schießerei angeschossen und erlebt, dass sie der Gesellschaft leider egal ist. Also denkt er sich, scheiß auf alles, und ermöglicht seinem angeschossenen Kollegen noch seiner Leidenschaft nachzugehen - und seiner Frau eine lange gewünschte Reise durch das heutige Japan.

Wie andere Filme - das ist einfach einer meiner Lieblingsfilme. Ich kenne kaum andere Filme die zwischen wunderschönen Bildern, melancholischen Einstellungen und BUMMM - Gewalt (und die gezeigte Gewalt ist nichts für schwache Nerven, auch wenn sie kaum explizit dargestellt wird) hin und her wechselt und sich so ganz anfühlt.

Um das zu erklären: die erwähnte Gewalt fühlt sich weder als Fremdkörper an, noch wird sie zelebriert. Aber sie ist da. Und sie explodiert. Man kann wunderschöne Sequenzen haben, aber im Hintergrund staut sich einfach der Frust (den man Takeshis Charakter einfach nachvollziehen kann) auf und einen Moment nicht aufgepasst - entlädt sich diese.

Es ist eine Abrechnung. Auch wenn der Film inzwischen über 20 Jahre alt ist. Es ist eine Abrechnung. Wie sich andere ihr Leben richten. Wie man immer angepasst leben wollte. Aber das Leben - bis es explodiert.

Was ich am Film liebe sind zum Teil die wunderschönen Zeichnungen von Kitano selbst. der außergewöhnliche Soundtrack (Ja, Hisaishi ist ein Gott des Soundtracks). Die ruhige Art. Es ist einfach ein wunderschöner Film. Deprimierend? Ja. Aber auch schön.

Und das Ende

Manchmal gibt es kein Happy End, und trotzdem, es passt. Es ist das richtige Ende für den richtigen Film. Und kann ich ihn mir so oft ansehen.

Fanwertung - ratet :wink:

4 „Gefällt mir“

Thema #10: Edgar Wright’s 1000 Favorites
Film: 13 Assassins von Takashi Miike
Erscheinungsjahr: 2010
Laufzeit: 126 Minuten (internationale Fassung)
Wo gesehen: bluray

Der Bruder des Shoguns treibt sein Unwesen im Reich und steht kurz vor der Berufung in den Ältestenrat, wodurch er die Macht bekommen soll, eine Zeit des Krieges heraufzubeschwören. Er vergewaltigt, mordet und verstümmelt Familien, raubt Dörfer aus und zieht so den Unmut eines nicht verrohten Ministers auf sich, der sich gezwungen sieht, eine Gruppe Samurai zusammenzutrommeln, ihn zu ermorden.

Zunächst mal hat es mich sehr geärgert, dass ich nicht die japanische längere Version sehen konnte, in den bluray-Extras war deutlich zu sehen, dass durchaus wichtige und sinngebende Teile entfernt wurden. Ich hätte da liebend gern auf einen guten Teil der Kampfszenen verzichten können, wenn es bei den Schnitten um die Lauflänge an sich gegangen sein sollte. Denn der finale Kampf, die Konfrontation der Samurai mit den Schergen des Fürsten, ist unheimlich lang und hat mich leider sehr ermüdet. Ja, es fließt viel Blut und es gibt sehr coole Kameraarbeit und Choreographien zu bewundern, ABER wie so häufig bei Kämpfen gegen eine Übermacht wirkt es in etlichen Szenen leider einfach völlig albern.
Mag ja sein, dass es super krasse Kämpfer sind, wenn im Rücken aber mehrere Feinde stehen, die reglos darauf warten, dass dieser sich umdreht und sich wehrt, dann muss ich einfach mit den Augen rollen. Wenn da eine Gruppe Kämpfer steht, Kontrahenten auf dem Dach stehen sieht und einer davon in ihre Mitte springt, dann sollte er doch von irgendwem einen Hieb in den Unterleib bekommen, anstatt dass sie wie Käfer auseinander huschen und sich abmurksen lassen.

Den ganzen Anfang fand ich super, die Motivation für den Widerstand eindrücklich eingefangen, die Brutalität drastisch präsentiert und sowohl Bilder als auch Musik waren ein Genuss. Zwischenzeitlich wurde es mir zwar auch ein wenig zu slapstickhaft, aber das gehört bei Miike meistens ja auch ein wenig dazu. Auch hier wäre der Kontrast durch eine der weggeschnittenen Szenen im Film gut aufgehoben gewesen.

Für mich leider ab Beginn der Action stark abbauend, wo der Film bis dahin doch eigentlich so vielversprechend aufgebaut wurde. Schade.

3/5

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Thema: Edgar Wright’s 1000 Favorite Movies
Film: Zwei Banditen (Butch Cassidy and the Sundance Kid) von George Roy Hill
Erscheinungsjahr: 1969
Laufzeit: 106 Minuten
Wo gesehen: TV-Programm (arte)

Edgar Wright hat eine interessante 1000er Liste zum stöbern erstellt. Wurde hier ja schon diskutiert aber ich denke eine 1000er Liste, ziemlich egal in was, ist immer relativ unsinnig, vom Aussagegehalt her. Nicht unsinnig ist es dagegen so wie Edgar Wright es gesagt hat und @schucki96 es ja auch schon gepostet hat. Es macht Spaß, wenn man sich gerne mit Filmen beschäftigt, durch solche Listen zu klicken. Dabei ist auch völlig wurscht, um an andere Diskussionen anzuknüpfen, ob einem jetzt sein absoluter Lieblingsfilm in der und der Liste fehlt, oder man sagt der und der Film war eher so meh; was macht der in Top-Listen?

Genau so etwas zu lesen macht doch schon wieder Spaß. Ich gehe jede Wette ein, dass jeder Mensch der sich ausführlicher mit Film beschäftigt, oder sogar nur relativ viele Filme aus allen möglichen Genres konsumiert mindestens einmal (eher was weiß ich wie oft mal) auf einen Film gestoßen ist, der entweder bei der Allgemeinheit oder bei einem „Großteil der Kritiker“, mega abgefeiert wird; man selber aber sagt: Meh. Daraus brauch dann auch keine Faktendiskussion entstehen, sondern es macht solche Listen doch erst richtig interessant. Ich fühl mich nicht beleidigt oder so wenn ein Film den ich abfeiere von Kritikern zerissen wird, sondern finde das dann interessant zu sehen: „Ah so sieht das jemand anderes“ und umgekehrt genauso (Nur grundsätzlich, weil wir ja jetzt gerade immer ein paar Top-Listen abarbeiten und öfters diskutiert wird: Nerven einen schlechte/gute Kritiken bei anderer Auffassung).

In „Zwei Banditen“ (hey immerhin die Anzahl der Hauptpersonen ist hier im deutschen Titel richtig wiedergegeben. Gab schon noch schlimmere deutsche Titel: Ich schaue auf dich „Zwei glorreiche Halunken" :roll_eyes:) werden die beiden Hauptprotagonisten von Paul Newman und Robert Redford gespielt. Zusammen mit dem Regisseur George Roy Hill hat das Dreiergespann vier Jahre später den Film „Der Clou“ gedreht, der sieben Oscars abgeräumt hat und den ich großartig finde. Dieser Film hier hat auch vier Oscars geholt und auch ansonsten hat er doch einige Parallelen zu „Der Clou“. Warum ich „Zwei Banditen“ aber nicht so toll finde, ja sogar ziemlich enttäuscht war, soll im Folgenden dargelegt werden.

Die Grundhandlung ist simpel erklärt: Zwei Banditen haben ihren Spaß beim Ausrauben von Zügen und Banken in den USA der Jahre 1890-1900. Als ihnen der Spaß genommen wird, treiben sie das selbe Spiel noch einmal in Bolivien, in den Jahren 1900-1910.

Was ist gut an dem Film: Die Schauspieler! Robert Redford und Paul Newman spielen beide nicht nur lässig und gut, sondern harmonieren als Duo auch perfekt miteinander. Die Chemie zwischen den beiden passt einfach. Auch die restlichen Rollen sind gut besetzt, herausheben kann man noch Kathrine Juliet Ross, die die Komplizin, Geliebte, Freundin, Mutter, Hausfrau, Lehrerin etc. von beiden spielt. Die Handlung basiert zu großen Teilen auf realen Ereignissen und Vermutungen und die drei Personen hat es wirklich gegeben. Der Abgesang auf den klassischen Western ist mit vielen kleinen und großen Details ausgeschmückt und einige Szenen halten ein paar Schmunzler bereit.

Was hat mir persönlich alles nicht so gut gefallen? Nach dem Anschauen hatte ich das Gefühl, dass wenn ich den Film als kleiner Steppke mit meinem Vater gesehen hätte, sicher schöne Kindheitserinnerungen geblieben wären. Der Film ist nämlich eher der Archetyp der Buddy-Komödie als des Spätwesterns. Zu keiner Zeit kam bei mir groß Spannung auf, eher hat mir der Teil in den USA wirklich noch als fast reine Komödie gut gefallen. Der zweite Teil in Bolivien bricht mit diesem Eindruck aber und mir hat der Bruch überhaupt nicht gefallen. Am Ende stand keine reine Komödie aber auch kein ernstzunehmender Western.

Moment! Aber genau solche krude Mischungen sind doch ein Zeichen von Spätwestern. Ja! Und deshalb in anderen solcher Werke schon um Welten besser gesehen. Es gibt dazu viele weitere Details die in diesem Western störend auftreten. Besonders die Collagen am Anfang, in der Mitte und am Ende vom Film, welche echte Bilder der Banditen zeigen, finde ich komplett deplatziert. Die erste Collage macht den Eindruck als hätte man den ersten Western der Geschichte; „Der große Eisenbahnraub“ von 1903 nochmal in Kurzform gepresst und auch sonst sind diese Collagen kein cooles Gimmick sonder stören mit ihrer schlechten Qualität und eher nervigem Soundtrack den Fluss des Films. Fluss des Films… der ist wie auf einer Kaffeefahrt: Der Film ist ein absoluter „Bummelfilm". Die Handlung ist also nicht nur langsam sondern steht schon fast in der Landschaft herum. Die Landschaft… die ist teilweise ganz schön gefilmt aber kein Vergleich zu einigen Werken von Ford, Leone, Hawks, Peckinpah etc. Nichts Besonderes eben.

War die Rede vom Soundtrack des Films… 2 Oscars gab es für Song und Filmmusik. Für mich 0 nachvollziehbar. Ja die Fahrradszene ist mit „Raindrops Keep Fallin’ on My Head“ sicher eine der stärksten des Films und die Musik ist nicht schlecht. Aber auch hier darf man ja vergleichen und abgesehen von dem Fakt, dass es heute lächerlich erscheint wie die ganzen europäischen Western durchgehend übergangen wurden hab ich die Musik des Films schnell nicht mehr im Kopf gehabt; etwas was bei fast allen Filmen von Howard Hawks ganz anders ist, aber nie mit Preisen bedacht wurde.

Aber Preise hin, Preise her, diese Gesamtkonstellation aus: Zähigkeit, wenig mitreisender Musik und Landschaft, wenig Ernsthaftigkeit und auch nur stellenweise gutem Humor, Spannungslosigkeit etc. schieben den Film trotz großartiger Schauspielerei bei mir in die Bedeutungslosigkeit. Kleine charmante Seitenhiebe gegen Geldwesen und Politik sind gut, gehen aber im Gesamteindruck etwas unter (Auch wenn es wirklich clever gemacht war, dass die erste wirklich brutale Eskalation im Film dann stattfindet, wenn die beiden einmal in ihrem Leben einen legalen Job annehmen).

Das jetzt nach der Einleitung rauskommt, dass ich einen Klassiker nur „naja, geht so“ finde war nicht beabsichtigt. Ich empfehle mit Blick auf die 1000er Liste, mehr die Dollartrilogie oder„Rio Bravo", wenn man Western mit Humoreinlagen will. Und wenn man Spätwestern mit Humor will, greift man besser zu „El Dorado" oder „Abgerechnet wird zum Schluss", die haben auch tolle Anspielungen auf den Abgesang des Western.

5 von 10 Teardrops Keep Fallin’ from My Head

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Out of the Past (1947)
von Jacques Tourneur

Guter Noir mit Robert Mitchum und Kirk Douglas, von dem ich hier gerne noch mehr gesehen hätte, da seine Szenen durchweg Highlights im Film waren.

7/10

Thema: Edgar Wright’s Favorites

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Thema: Edgar Wright’s 1000 Favorite Movies
Film: Double Indemnity (dt. Frau ohne Gewissen) von Billy Wilder
Erscheinungsjahr: 1944
Laufzeit: 107 Minuten
Wo gesehen: Amazon Prime

Film-Noir-Wochen bei mir wie es scheint. Auch in der zweiten Favorite-Liste war ein Film enthalten, der lange schon auf meiner Watchlist schlummert und den ich nun endlich streichen konnte. Und es hat sich gelohnt.

Es geht um eine klassiche femme fatale (Barbara Stanwyck), die einen Versicherungsvertreter zu einem „Perfekten“ Mord an ihrem Ehemann verführt, um die Versicherungssumme einzustreichen.

Ein klassischer Noir, jedoch mit einem Drehbuch von Billy Wilder, der hier diverse Twists and Turns einbaut und vermeintlich perfekt erscheinende Verbrechen doch noch mit Lücken versieht, was zu einem sehr interessanten Handlungsverlauf führt.
Der Cast ist ebenso überzeugend (mein pers. Favorit hier klar Edward G. Robinson als Ermittler Barton Keyes) wie die Kamera und der Score von Miklos Rosza (welcher u.a. auch Monumentalklassiker wie El Cid oder Ben-Hur zu seinem Lebenslauf zählen kann).

Das alles formt einen Krimi im klassischen 40er-Gewand, genau wie ich sie mag.
Wie auch schon in der Vorwoche bei „Touch of Evil“ kann ich hier für Fans dieser Art Filme eine klare Empfehlung aussprechen.

Billy Wilder mutiert in den letzten Jahren tatsächlich zu einem meiner Lieblingsregisseure, da ich viele seiner Filme nachholen konnte und mich alles bisher Gesehene durchweg begeistert hat.

Hatten wir Wilder eigentlich schon als Thema? Frage aus Gründen :wink:

Double Indemnity bekommt eine 4/5 von mir.

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Geht mir ähnlich. Bisher fand ich nur The Front Page eher durchschnittlich. Als Thema hatten wir seine Filme noch nicht, wenn ich mir richtig erinnere.

Aber wirklich schon viele Filme, wenn man mal nach Billy Wilder in diesem Thread sucht.

Wollte den tatsächlich schon mal nehmen, dann sind aber irgendwie kurz bevor ich dran war fast alle seine Filme von amazon und Netflix verschwunden und ich wollte nicht wieder ein Thema nehmen, bei dem die Auswahl an Filmen, an die man einfach herankommt zu gering ist. Da wurde ich schon zu häufig für kritisiert :smiley:

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Sry hatte sehr viel zu tun und war kaum online. Habe jetzt wieder mehr Zeit :slight_smile: und hier dann was schreiben^^

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Thema: Edgar Wright´s 1000 Favorite Movies
Films: A Touch of Zen von King Hu
Erscheinungsjahr: 1971
Laufzeit: 180 Minuten
Wo gesehen: Mubi

Der gebildete, aber auch etwas naive Ku lebt mit seiner Mutter in der chinesischen Provinz und arbeitet als Maler sowie Schreiber. Dabei hegt er zum Ärger seiner Mutter keinerlei Ambitionen, nach einem Posten mit mehr Ansehen und Einkommen zu streben. Als jedoch Fremde im Dorf auftauchen und ein paar Bewohner des Dorfes ein Geheimnis zu verbergen scheinen, gerät Ku in einen erbitterten Konflikt zwischen dem korrupten Obereunuchen des Kaisers und einer Gruppe Flüchtender, die von seinen Truppen verfolgt werden.

Ich bin im Genre des Wuxia-Films nahezu gar nicht bewandert, es ist aber auch nicht unbedingt eines, welches mich auf den ersten Blick anspricht. Trotzdem war ich gespannt diesen Film zu sehen, der als einer der prägendsten des Genres gilt.

Die mystische Atmosphäre, welche durch die eingesetzte Musik sowie insbesondere durch die bezaubernd schönen Naturaufnahmen kreiert wird, zieht einen schnell in der Bann, auch wenn mich die Handlung immer mal wieder verloren hat. Denn die erste Stunde zieht sich schon etwas und besteht aus viel Herumschleichen und Beobachten, was mich nicht so richtig gepackt hat. Auch die Charaktere haben mich nicht vollends überzeugt, wobei mir die Entwicklung von Ku noch am besten gefallen hat.

Das Highlight des Films sind aber sowieso die überaus überzeugenden Kampfszenen, welche mit wenigen, effizienten Schnitten auskommen und packend choreographiert sind. Einzig bei den Szenen im Dunkeln habe ich häufiger mal die Übersicht verloren bzw. war das Geschehen generell schwierig zu erkennen.

Insgesamt konnten mich Handlung und Charaktere über die lange Laufzeit nicht wirklich mitreißen, aber es gibt dann auch einige überragende Momente sowie eine faszinierende Atmosphäre.

3,5/5

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Kann mich euren Lobpreisungen zu Billy Wilder nur anschließen. Ist in den letzten Jahren auch in die Riege meiner Lieblingsregisseure bzw. -autoren aufgestiegen.

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Hab mir für mein nächstes Thema schon was ausgedacht was u.a. Wilder beinhaltet. Aber mehr wird noch nicht verraten :wink:

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Uiii…da freu ich mich ja schon. Ich tippe auf “Regisseure, die sich auf Willy Bilder reimen“ :wink:.

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Thema: Edgar Wright’s 1000 Favourite Movies
Film: Les Yeux sans Visage (Augen ohne Gesicht) von Georges Franju
Erscheinungsjahr: 1960
Laufzeit: 86 Minuten
Wo gesehen: Prime

Ein begnadeter Chirurg geht über Leichen, um seiner durch einen Unfall entstellten Tochter ein neues Gesicht zu schenken.

Versprochen wurde mir ein Horrorfilm - das war er für mich aber nicht. Eher Drama und Charakterstudie, auch wenn für damalige Verhältnisse recht brutale Szenen vorkommen.
Dazu du die Info - der Film wurde bei der Veröffentlichung außerhalb Frankreichs geschnitten, die Szenen sind in der Prime-Fassung jetzt im Original enthalten, mit deutschen Untertiteln. Der Rest des Films hatte leider nur Synchro.

Zwischendurch ist der Film sehr stimmig, dann wieder erschien er mir sehr zäh und langsam (vor allem in der einst so “brutalen” OP-Szene).
Die Musik und die Hauptdarstellerin sind aber ziemlich gut.

Faszinierend aus heutiger Sicht finde ich auch, als wie krass damals Haut- bzw. Gesichtstransplantation betrachtet wurde, und diese Technik heutzutage schon bei Brandopfern angewendet wird (wenn auch noch weiter ausbaufähig).

3,5/5

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Hab ich mir damals angeguckt, als Gregor oder Schröck ihn vor ein paar Jahren im Schocktober empfohlen haben.
War auch für mich kein wirklicher Horrorfilm, wurde aber damals natürlich so deklariert. Leider fand ich ihn stellenweise auch etwas langatmig in der Erzählweise, aber alles in Allem hab ich die Sichtung nicht bereut.

@boodee gibt’s noch ein Thema für nächste Woche?