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Gespräche zu Nachrichten und News aus der Welt


#1253

Was man dazu sagen muss: sehr viele derjenigen, die sich ausgekotzt haben, waren die Sorte Leute, die sich um nichts gekümmert haben und denen dann eine Stelle zugewiesen wurde; ergo: Leute, die kein Recht haben irgendwas zu kritisieren.

Ich hatte einen wirklich hervorragenden Zivildienst an einer Ganztagsschule, i.e. Unterrichtsbegleitung und Betreuung (Bespaßung :wink: ) von Kindern im Offenen Ganztag.

Tolle Zeit.


#1254

Um diese Jahre war auch ungefähr meine Zeit als Zivi.
Ich habe FSJ im Rahmen vom Zivi gemacht. Dabei waren bei uns auf den Lehrgängen immer wieder neue und/oder bekannte Teilnehmer aus vorhergehenden Kursen. Bei uns war die Verteilung eher so das 80 % begeistert waren (wenn auch anfangs das Gefühl: wieso muss ich…) und der Rest nicht ganz so begeistert war.

Ich wiederhole mich zwar: Aber ich finde es richtig mies, dass man euch damals so im Regen stehen gelassen hat und von wegen ja ist alles normal so abgegolten hat.
Vielleicht wäre das heute aber auch anders weil die Betriebe gemerkt haben was fehlt. Und das man aufgrund dessen auch anders mit den Personen umzugehen hat.


#1255

Die FSJler waren ja auch auf ganz anderen Kursen.
einmal hatten wir auch für 2 Monate ne FSJlerin da Ihre Einrichtung 2 Monate dicht gemacht hat und sie in der Zeit woanders untergebracht werden musste.
Zu der waren sie auch viel freundlicher und haben sie zb bei Demenzbespassung, (geheizte Räume, Kaffee und Kuchen bis zum Abwinken, und teils sogar einfach nur Filme mitschauen)
Hausnotrufinstallation (gute Trinkgelder, weswegen wir die jobs nie abbekamen) etc mitgenommen,.

Wir mussten ^1x2 Wochen in einen Kurs vom Roten kreuz wo man so sachen wie pflege, blutdruck nehmen, umlagern, etc etc gelernt hat.
Da wir bei uns aber kein Pflege rotkreuz waren war egal.

Das andere dann eine Woche wo man über allgemeine Rechte und Pflichten als Zivi, politische Bildung etc belehrt wurde, war leider erst im 6ten monat.

Und da waren nie FSJler.

Und ja klar, heute sind die Betriebe anders, einfach weil ein normaler Angestellter bei sowas sagt “fickt euch” und kündigt.
Bzw manche sachen die mit uns legal waren, waren nur legal weil eben Zivi und Bund gleichgestellt waren.
Und wenn man Soldaten irgendwo dumm rumstehen lassen darf, darf man das auch mit Zivis.

Nem normalen Angestellten darfst aber nicht sagen “dein Pause und Warteraum existiert nicht bzw ist die ungeheizte Garage”.
Und ein Autos putzen, Öl messen und Reifenprofil prüfen etc würde ein normaler Angestellter wohl auch nicht machen, wenn er zb eigentlich ganz was anderes macht.


#1256

Ja da fanden definitiv andere Kurse statt als im „normalen“ Zivildienst.

Darauf wollte ich jetzt gar nicht hinaus.

Die Kurse an sich waren bei uns auch ein Muss. Die Spannendsten waren da auch nicht immer dabei, ähnlich wie bei dir. Ich hätte gerne auf welche verzichtet wenn ich gekonnt hätte.

Mit ging es eher darum wie begeistert, Menschen für Ihre Arbeit im sozialen Umfeld, waren. Und da hab ich eben auch eine ganz andere Erfahrung machen können als du.

Das ist eben auch der springende Punkt auf den ich hinaus wollte. In der heutigen Zeit würde man sich das wahrscheinlich nicht mehr erlauben.
Deswegen sage ich das wenn der Zivildienst, Bund usw. wieder kommt ich ein Unterstützer wäre.


#1257

Überraschung, manchen machen andere Dinge Spaß als anderen, wer hätte damit rechnen können…

Schon allein deswegen ist die Idee eines pflichtdienstes völlig fehlgeleitet.


#1258

naja, gab nur 2 kurse
1x2 wochen rot kreuz basics
1x1 woche rechte und pflichten und da war man auch mit zivis von nicht rot kreuz stellen.

Kurse hätten wir gerne viel mehr gehabt.
War doch geil.
Mit lauter Gleichaltrigen rumsitzen, nicht wirklich arbeiten, nur zuhören und bissl was machen.
Abends dann bissl bier und co organisieren, labern, auf laptops (einer hatte immer einen dabei) filme schauen.

SElbst der schlechsteste Tag Lehrgang war besser als der beste Tag Arbeit

Man hat eben im Zivildienst einen sehr schwarzen Humor entwickelt.
Wenn die Todesanzeigen bedeuten dass du teils früher Feierabend hast, führt das teils echt zu strangen Gefühlen weil alle Froh sind das “XY die sich alle 2 Wochen ins nirgendwo fahren lässt wo man dann 4 stunden steht und sich am ende nur die eine Stunde fahrtzeit als Arbeitszeit schreiben darf” weg ist, aber gleichzeitig dein Kopf sagt, dass jemand gestorben ist und man sich darüber nicht freuen darf.

Und warum sollte irgend jemand von uns von sozialer Arbeit begeistert sein.
Wir wurden mies behandelt, haben die gleiche Arbeit gemacht wie andere die 6x soviel Lohn dafür bekamen und waren für alle nur “die Zivis”.
Menschliche Interaktion bedeutete Zeitverlust, wir wollten Feierabend und da man nie wusste wo man morgen ist und wir ja nie viel Zeit mit den Leuten verbrachten (Ins Auto laden, rumkutschieren, Essen auf Rädern vorbeibringen, evtl auf Teller tun, zack weiterfahren) waren die Menschen für uns einfach nur Zeitfaktoren.
Die einzige Ausnahme waren die behinderten Kinder, wo man teils mit manchen Mitleid oder Sympathien hatte, aber auch da waren manche echte Satansbraten und man war froh wenn man sie abgeliefert hatte.


#1259

Richtig! Jeder Mensch ist anders! Und hat andere Interessen.

Die Idee des Pflichtdienstes für mich besteht ja auch nicht nur aus dem Begriff „Sozial oder Knarre“, sondern auch aus Wahlmöglichkeiten. Einem Dienst an der Gesellschaft in welcher Form auch immer.

Dabei gibt es die Feuerwehr, das THW, den Maschinenring, WfBM‘s, Altenheime, die Bundeswehr, FÖJ und noch etliches mehr, wo vielleicht jeder auch was finden kann wo er halbwegs mit dem Gewissen vereinbaren kann.

@Angrist
Ich finde es falsch das ihr warten nicht als Arbeitszeit gewertet bekommen habt bzw. nicht zurückfahren durftet.
Alles in allem kann man sagen das es für dich richtig bescheiden war. Dabei können wir noch Stunden darüber diskutieren, wobei es LEIDER nichts an der Situation ändern wird.
Vielleicht wäre da auch was anders wie oben beschrieben für dich interessanter gewesen.

Ich finde einfach der Mensch sollte das Soziale was uns einst zum Menschen machte nicht verlieren.
Leider wird das in der heutigen Zeit immer schwieriger.


#1260

Das ist der springende Punkt. Ein vllt reicht nicht als Rechtfertigung für eine zwangsmaßname ganz zu schweigen davon, wie gut die Idee ist, jemanden zum Dienst an der Gesellschaft zu zwingen. Eine gute Gesellschaft sollte es schaffen, dass ihre Bürger sich von sich aus in ihren Dienst stellen, aber darauf ist Deutschland ja nicht ausgerichtet.


#1261

Jein

Feuerwehr ausserhalb einer Großstadt, geht eigentlich nur als Kommandant, ansonsten bekamst du gar nicht die nötigen Stunden zusammen.
Wollte hier ein machen, aber der Kommandat hat natürlich gesagt schleich dich.

THW war auch ein zweischneidiges Schwert da man sich für die nächsten 4 Jahre eben alle Wahloptionen ruiniert hat, da wegziehen dann zb unmöglich wurde oder sowas wie Dienstreise/Auslandspraktikum etc.
Ging auserdem auch nur da wo die Thw Stationen genügend Aktivität hatten.

Wenn man sich einfach die schiere Anzahl der jungen Menschen anschaut, ist es eben utopisch zu glauben das der großteil was findet was zu ihm passt.
Es gab eben einfach extrem viele Jobs die es nur gab, weil gewisse Drecksarbeiten sich nur gelohnt haben für die Firmen/einrichtungen, da sie Zivis hatten die sie 6€ am Tag gekostet haben.

Altenheim
Krankenhaus
Heim für schwer erziehbare Jugendliche (wo man als Zivi auch mal mit platten reifen geendet hat)
Rot kreuz
sind hier so die großen Sachen gewesen.

Die wirklich guten Jobs waren meist schon längst vergeben und wurden nur pro Forma ausgeschrieben.
Kumpel hat zb beim Rettungs Rot Kreuz, also Krankenwagen gearbeitet,
Zwar Schichtdienst, aber action und echte Kollegialität, da sie aufeinander angewiesen waren wenn es in den Einsatz ging.
Anderer Kumpel war in der beschützenden Werkstatt, auch das ging nur über connections.

Und die Anzahl an Zivis die Vogelbeobachtung im Watt machen, war eben begrenzt :wink:

Naja, denke das Grundproblem hier war eben das es nur eine kleine Einrichtung ist,
auf den Lehrgängen traff man Zivis aus Städten wo dann oft 30, 40 oder 50 Zivis waren, wo sich die Chefs solche Sachen wie bei uns nicht leisten konnten da alles viel organisierter und weniger wilkürlich war


#1262

Da bin ich ganz bei dir. Die soziale Bildung kommt meiner Meinung nach in der Schule zu kurz und wenn man das ganze wie die Schulzeit versteht, fällt für mich das Argument mit der Zwangs-zeit auch etwas weg.


#1263

Richtig ein vielleicht ist nicht richtig.
Aber ich bin leider nicht so weise mir anzumaßen, soetwas festzustellen. :grin:
Zudem muss ich dann eben mal mit Jugendlichen sprechen, wo die Interessen liegen einen solchen Dienst in das Gesellschaftsmodell zu integrieren.

Für mich ist der Umkehrschluss zu deiner Aussage wie du es dann in unserer Gesellschaft schaffen kannst das sehr viele hier schreien für einen Dienst an der Gesellschaft?

@Angrist
Eben genau aus deinen genannten Gründen müsste sich auch an der Struktur und der Form was ändern. In der damaligen Art und Weise ist das System für mich zu überholt.


#1264

Es schreien die am lautesten für einen Dienst an der Gesellschaft die ihn teils nicht gemacht haben.

Jeder Politiker der sowas fordert, sollte bei einführung selbst mal 9 Monate so einen Job machen müssen. Und zwar einen richtigen und nicht über Kontakte "im Kanzleramt arbeiten " oder in ner Regierungsnahen Stiftung,.


#1265

Ganz klar! Stehe ich voll und ganz hinter dieser Aussage!!!

Eben genau diese Organisation meine ich beispielsweise. Das sich eben die Einrichtungen solches wie bei dir nicht leisten können!


#1266

Interessant was für asoziale Personen so im sozialen Sektor arbeiten.


#1267

Die gesellschaft erstmal grundsätzlich ändern. momentan steht nämlich egoismus weit über gesellschaftlichem verhalten und dienst an der gesellschaft wird maximal toleriert, zumeist aber sogar abgewertet. das ist nämlich auch der große denkfehler am sozialen pflichtdienst: er schafft nicht mehr akzeptanz, er überdeckt missstände und wertet die arbeit sogar weiter ab!


#1268

Richtig! Aber Egoismus brichst du leider nicht über die Nacht. Und zudem wird es immer wieder Leute geben, denen allle anderen egal sind. Leider…


#1269

Der Zivi hat ja schon gezeigt, dass er ein Instrument ist, welches das soziale Bewusstsein weiter bringt und für viele auch ein Einstieg in dieses Berufsfeld war.

Wenn ein soziales Jahr mit schulischer Unterstützung umgesetzt wird, könnte ich mir das sehr erfolgreich vorstellen.


#1270

der zivi hat vor allem den sozialen dienst entwertet und missstände überdeckt. die einsteigerquote ist nach der abschaffung sogar gestiegen…


#1271

Wer der wie @Angrist behandelt wurde hat schon groß Lust in den Laden einzusteigen? Klingt irgendwie logisch.


#1272

Es geht hier gerade um die Auswirkungen auf das soziale Bewusstsein, zu mindest spreche ich darüber und nicht über sonstige Probleme die das System damals hatte.