Synchro vs. O-Ton in Filmen/Serien/Spielen: Eure Meinungen und Beispiele

Richtig. Wollte hier auch nicht die Synchronsprecher angreifen. Die haben oft nur wenig Zeit und machen sicherlich auch mehrere Projekte parallel, so dass die nicht immer jedes ausgiebig vorbereiten können. Manche wollen sich, glaube ich, auch nicht vom Original beeinflussen lassen.
Aber es bleibt trotzdem Fakt, dass mindestens einer, der an der Synchro beteiligt ist, sich auch mal das Original anschauen sollte. Die Stimmung des Originals ist gerade bei Animes in der Synchro oft schlecht eingefangen. Hier habe ich auch häufig das Gefühl, dass die Japaner die Figuren ernster nehmen als ihre deutschen Kollegen.

Gibt es eigentlich auch englische Synchros oder gibt es bei Animes generell nur Untertitel in USA/UK? Mein letzten Anime, den ich gesehen hatte war nun Attack on Titan auf Japanisch. Wenn ich dort auch Stimme, Emotionen, Stimmung etc. höre, dann würde man es mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht so einfangen können. Mag sein, dass es sie es in Japan Ernster nehmen, da die Animes auch eine ganz andere Kultur und Stellenwert einnehmen.

Ja, FOX hatte es damals mit einer Grafik bildlich dargestellt. mindestens 11 bis 12 Tage:
http://www.presseportal.de/showbin.htx?id=304258&type=hires

Es gibt englische Synchros für die meisten Animes. Im Fall von Rurouni Kenshin habe ich auch viel auf Englisch geschaut, da mir die weibliche Stimme für Kenshin im Original nicht so gefallen hat (das machen die Japaner ja häufig, bei One Piece find ich es auch OK).

Die Amis haben natürlich auch gute Synchronsprecher für Animes, was wohl nicht zuletzt dem Pool an eigenen Animationsfilmenen und Cartoon-Serien geschuldet ist. Ich bin ebenso Fan der DC Animated Movies.

Ich hatte die erste Staffel vom Anime Mushishi mal auf Englisch gesehen. Die ruhige Art und Gelassenheit der Hauptfigur haben sie wirklich gut rübergebracht. Ich hatte die Version dann auch dem Jap Dub vorgezogen, weils natürlich verständlicher war und atmosphärisch eigentlich auf dem gleichen Level wie das Original.

Mushishi ist einer meiner liebsten Animes. Wirklich genial!!!

Habe vor kurzem Ghost in the Shell und Akira nachgeholt.
Die Filme sind schon etwas älter, aber die Synchronstimmen gibt es heute noch, da habe ich mich sehr gewundert. Und diese Leute werde auch noch bei aktuellen Lokalisierungen sei es Film, TV oder Games eingesetzt.

Das stört mich persönlich schon. Ich bisschen mehre Varianz wäre sicher möglich, aber kostet dann aber mehr Geld für die Unternehmen, die die Lokalisierungen durchführen.

Luft nach oben ist halt definitiv noch.

Ich finde es toll das es so viele gute deutsche Synchronisationen gibt.
Wann immer es nicht offensichtlich komplette Fehlbesetzungen sind bevorzuge ich die Deutsche Fassung.
Beim schauen auf Englisch muss ich mich wesentlich mehr konzentieren um alles zu verstehen, besonders wenn ich ein Wort nicht kenne und es aus dem Kontext ableiten muss.

Was mir häufig auffällt, ist die Tatsache, dass ich in englischen Tonspuren den Ton grundsätzlich lauter drehen muss, als es im Deutschen der Fall ist.
Das ist aber nur bei Filmen und Serien der Fall, englische Produktionen, die von sich aus mit extra Tonspur aufgenommen werden (Wrestling zum Beispiel) kommt da besser weg.
Dadurch, dass eben der Original-Ton und keine saubere perfekt anzusteuernde Synchro-Spur gewählt wird, kann ich teilweise schwer (akkustisch) verstehen, was überhaupt gesprochen wird.

1 „Gefällt mir“

Ich will da ungern den großen “die dumme Gesellschaft”-Hammer rausholen, aber die Deutschen sprechen leider sehr schlecht Englisch. Liegt natürlich z.T. auch daran, dass einfach alles synchronisiert wird.

Und dann wird natürlich nach der Nachfrage gegangen und die ist dann eben leider nicht vorhanden, gerade im " alten" Fernsehen…

1 „Gefällt mir“

Richtig, geht mir genauso. Allerdings finde ich es im Original atmosphärischer, weil eben mal Nebengeräusche mit reinkommen. Zudem klingt eine Stimme in einem kleinen Kämmerlein anderes als in einem großen Saal oder unter freiem Himmel. In der Synchro klingt es alles gleich.

Wenn ich alleine schau, guck ich deshalb meist mit Kopfhörern und machs etwas lauter…

1 „Gefällt mir“

Ich weis nicht was ihr immer habt. Habe Dark Souls immer auf Deutsch gespielt und nie Probleme mit Namen gehabt. Wenn ich die englischen Namen lese weiß ich zu 95% um was es sich handelt.Zudem gibt es auch Guides und Wikis auf Deutsch und wenn nicht dann schaut man einfach im Internet wie die Items im englischen heißen.

Ich hab grad weder Lust noch Zeit, mir alle 51 Beiträge durchzulesen, daher lege ich nur kurz meine Meinung zu dem Thema dar.

Im Allgemeinen soll jeder sich die Fassung ansehen, die ihm lieber ist. Wir haben in Deutschland das Glück, dass wir das wählen können. Ich bin auch im Normalfall keiner von denen, die sagen, dass man Film X, Serie Y oder Spiel Z auf Englisch sehen/spielen muss. Es gibt aber natürlich auch immer Ausnahmen. Ich würde mir zum Beispiel keine Deutsche Sprachausgabe in einem GTA oder Wrestling-Spiel wünschen, da dort doch eine Menge Authentizität verloren ginge.

Bei Filmen fällt mir nur ein Beispiel ein: Whiplash. Bitte schaut diesen Film nicht auf Deutsch. Der Film lebt von dem Zusammenspiel der Figuren “Andrew Neimann” und “Terrence Fletcher”. Vor allem bei Fletcher geht soviel vom Charakter verloren, wenn man ihn nicht im Original hört. Die ganzen Beleidigungen und Herabwürdigungen lassen sich eben nicht 1:1 übersetzen. Das ist kein Fehler der Deutschen Sprachausgabe, sondern einfach der Natur der Sache geschuldet. Daher ist der Film für mich auf Deutsch eine 7-8/10, während er im Original eine glatte 10/10 (oder 5/7) ist.

1 „Gefällt mir“

Kann natürlich jeder machen, was er will, aber Ich gehöre zu den O-Ton Hardlinern.

Egal wie gut seine Synchro ist: Die Stimme der Schauspieler gehört zum Schauspiel dazu. Ebenso gehört der genaue Wortlaut zum Drehbuch. Beides wird durch Synchros verfälscht:

Da verbringt ein Schauspieler sein Leben für die Kunst, damit hier irgendjemand über seine Stimme – eines seiner wichtigsten Werkzeuge – drüber spricht. Genau so bei den Schreibern: Da sitzen die Coens, ein Tarantino oder ein Sorkin Tage und Wochen an Dialogen und dann wird’s irgendwie auf deutsch so hingebogen, dass es einigermaßen phonetisch auf die Lippenbewegung passt.

Grade die Mischung aus Performance und lyrischem/literarischem Wert macht die Übersetzung eines Schauspiels noch einmal schlimmer als die reine Übersetzung z.B. eines Romanes.

Egal wie technisch aufwendig es in Deutschland betrieben wird: Synchronisation ist eine Abwertung der künstlerischen Arbeit auf mehren Ebenen. Natürlich gibt es Fälle wie Bud Spencer, bei denen die Synchronsprecher das Werk auch auf eine gewisse Art erweitern, aber auch hier leidet das originale Werk darunter; auch wenn das – durch die Interpretation der Synchronsprecher – neue entstehende Werk einem besser gefallen mag. Es gibt dann halt 2 Werke: Das Original und die deutsche Interpretation.

Man mag persönlich auf die künstlerische Autorenschaft des Drehbuchschreibers oder die Authentizität des Schauspiels keinen Wert legen… und es gibt Filme, bei denen es sicher auch nicht unbedingt notwenig ist. Es bleibt dennoch immer eine Missachtung, wenn schon nicht des künstlerischen Wertes, dann zumindest der Arbeit der beteiligten.

Selbst bei Filmen in Sprache, die ich nicht verstehe, bevorzuge ich OT mit Subtiteln, zumal die Authentizität gewahrt bleibt und meistens die Untertitle genauer am Text sind, da hier nicht auf Phonetik Rücksicht genommen werden muss.

Mal ganz davon abgesehen, was für ein riesiger Verlust es für uns ist, dass wir nicht über Popkultur fremde Sprachen erlernen. Was bewiesenermaßen die beste Art ist den Wortschatz zu erweitern oder überhaupt jemanden für eine andere Sprache zu begeistern.

Einen großen Teil meines englischen Wortschatzes habe ich durch O-Ton Games und Filme erlernt. Alle, denen es zu anstrengend ist, die Filme im O-Ton mit Subtiteln zu sehen, sollten genau dies tun. Es erweitert nicht nur den Zugang zum Medium (Film/Spiel/etc.), sondern das eigene Sprachverständnis womit es immer weniger anstrengend wird. Eine Sprache über etwas, was man liebt (sei es z.B. ein Game of Thrones oder was auch immer) zu lernen oder wenigstens zu verbessern, ist doch ein unglaublich tolles Geschenk! Am besten sollten deutsche Synchros generell abgeschafft werden. Geht ja in anderen Ländern auch.

EDIT: Und noch ein Argument für O-Ton ist – wie hier im Thread auch angesprochen – die Ton Qualität. Billigere Produktionen, Serien oder (besonders) Spiele werde meistens mit wenig Liebe zum Detail neu vertont.
Und selbst bei teuren Produktionen kommt natürlich ein deutsches Synchrostudio nicht mit originalen Aufnahmen, die dann z.B. bei einem Skywalker Sound Studio mit Millionen schwerem Equipment von Oscar ausgezeichneten Tontechnikern bearbeitet werden. Da geht einfach bei einer Studio Synchro im Detail und im Raumklang immer noch viel verloren.

tl;dr
Tut euch und den Künstlern was Gutes und schaut / zockt im O-Ton. :wink:

Komme leider erst ziemlich spät dazu, deswegen hab ich nicht alles gelesen. Aber was ich schon immer mal zu diesem Thema loswerden wollte… Es geht um Stargate SG1

Das ist eine komplett andere Serie auf deutsch und auf englisch.

Ich hab jahrelang schnell wieder weggezappt, wenn ich auch nur ein, zwei Sätze hören musste und bin dann aber vom Gegenteil überzeugt worden in englisch.

Wusstet ihr, dass es zwischen Jack und Daniel eine der ersten homoerotischen FanFictions gab? Da war soviel Spannung zwischen den beiden, dass sie auf einer Con selbst zugegeben hatten, dass da was wahres dran war. Daher hatten sie seit Staffel 2 immer wieder witzige zweideutige Szenen und Dialoge eingebaut.
Zum Beispiel kommt in einer Szene Daniel mit zerzausten Haaren in den Stargate-Raum und Jack dahinter macht sich gerade seinen Hosenschlitz zu.
Sowieso hat Richard Dean Anderson in der Serie sehr viel improvisiert und ist damit tausend Mal lustiger als in der deutschen Synchro. Da geht die gesamte Beziehung zwischen dem Team völlig verloren.

Also, wer Stargate bisher im Fernsehen scheiße fand, gebt dem ganzen auf englisch noch eine Chance. Das ist wirlich gut!

Die Simpsons müssen hier natürlich erwähnt werden.
Einerseits bin ich mit den Stimmen aufgewachsen und Gastell und Volkmann sind untrennbarer Teil der eigenen Kindheit und Jugend. Unverkennbar vor allem die rauchige Stimme von Marge, die ihren ganz eigenen Charme hatte. (“Hmm”)

Andererseits ist hier natürlich die Übersetzung. Fast alle hier dürften doch das erste mal mit Synchroverbrechen bei den Simpsons in Kontakt gekommen sein. Das Problem war, dass dem Übersetzer (zuerst Rabe, danach?) manche englischen Worte nicht bekannt waren oder er schlicht nicht genug popkulturellen Hintergrund hatte. Und viele Witze ließen sich nur schwer übersetzen. Legendär ist da natürlich die Leder-Vileda Szene deren Auflösung ich bestimmt erst ein Jahrzehnt später erfuhr. Oder die Szene mit Bart bei der Pfarrerstochter als er vom Referent rausgeschmissen wird; “but, but” stammelt Erbin Original und das wird schon mal zu Hintern übersetzt und der Wortwitz geht leider flöten.

Die letzten Jahre habe ich nicht mehr verfolgt, so dass ich gar nicht weiß ob sich da etwas gebessert hat. Und ich würde es mir wahrscheinlich sowieso im Original ansehen

Ein Argument der O-Ton Unterstützer, dass ich immer ziemlich putzig finde ist, dass ja so viel verloren gehen würde. Sofern man nicht C2 Sprachniveau hat geht doch auch im O-Ton was verloren. Oder glaubt ihr ihr selber verfälscht den Inhalt nicht? Ihr übersetzt den Inhalt für euch genauso, wahrscheinlich ohne dass ihr das merkt. Den kulturellen Hintergrund und das Erkennen von Feinheiten im Ausdruck sind doch durch ein wenig Serien/Filme/Spiele gucken/zocken nicht auf dem selben Niveau von Menschen die Jahre und Jahrzehnte nur damit umgeben sind. Mein Gott selbst im deutschen gibt es Text die ihr als Muttersprachler nicht (und/oder falsch) versteht. Warum glaubt ihr also, dass ihr frei von eurer eigenen Beeinflussung seid bzw. diese weniger schwer wiegt als die der Übersetzer?

Ganz witzig wird es dann wenn Leute über Sprachen reden die sie selber nicht mal beherrschen und überhaupt keine Ahnung haben wie die Syntax oder Betonungen für einen Muttersprachler wirken. Bestes Beispiel hierfür sind einige Anime-Fans die ja gerne auf die deutschen Synchros schimpfen aber nicht mal wissen, dass das japanisch was sie da hören mit dem tatsächlichen Alltagsjapanisch relativ wenig zu tun hat. Oder wie es ein Kommilitone von mir neulich so schön ausgedrückt hat: “Es ist vollkommen richtig, dass deutsche Synchros komische klingen, denn das ist im Original auch nicht anders.”

2 „Gefällt mir“

Ich weiß nicht ob es schon erwähnt wurde, aber die jeweiligen Paradebeispiele für mich sind:

Pro Synchro: Dr. House - Hugh Laurie in der Übersetzung ist einfach 10 mal so grumpy wie das Original.

Pro O-Ton: True Detective 1. Staffel. Habe die Übersetzung vor ein paar Monaten kurz hören können und musste auch gleich umschalten. Durch den Akzent und das Genuschel wird die ganze Südstaaten-Atmosphäre deutlich besser rübergebracht (Konnte ich aber zugegebenermaßen nur mit Untertiteln schauen).

Ich denke es ist reine Geschmackssache bzw. kommt auch immer auf den Schauspieler/die Sendung/den Synchronsprecher drauf an. Und mit Sicherheit auch auf die Sprachkenntnisse. Benedict Cumberbatchs Sherlock kann im Original noch so toll sein, so wenig wie ich dabei verstehe schalte ich lieber die Synchro ein :sweat_smile:

Bevor darüber gerungen wird, was besser ist und wann, würde ich gern einen Schritt zurückgehen. Es wäre erstmal viel gewonnen, wenn man die freie Wahl hätte. Das heißt ich brauche die Original- und Synchrotonspur und für beide zuschaltbare Untertitel. Es gibt leider immer wieder Firmen, die nur die UT des Landes draufmachen, wo sie verkaufen.
Letztes Beispiel war die BluRay von Nightcrawler. Wenn man Englisch nicht so gut kann, oder es schlicht nicht versteht, war es nicht möglich engl. UT anzuschalten (kein vorhanden). Hätte ich mir die englische BluRay gekauft, hätte mir die dt. Tonspur gefehlt…
Seit der DVD ist sowas eigentlich nicht mehr zu verstehen. DA sollte die EU mal ne Richtlinien machen! :wink: „Originalton, Synchro des Landes und UT für beides als Mindestoptionen“

Dein erstes Argument hatte ich oben ähnlich formuliert. Aus meiner Sicht ist es aber doch ein Unterschied, ob man sich einen Text, den man nicht versteht, selbst übersetzt oder ob das durch einen Fremden passiert, auf den man keinen Einfluss hat. Beim Selbstübersetzen kann man mittlerweile dank Internet und Urban-Dictionary ganz gut auf die beabsichtigte Bedeutung kommen. Man muss sich halt die Arbeit machen.
Beim Fremdübersetzen muss man dem Übersetzer vertrauen. Leider ist das oft eine Akkordarbeit, in der sich gerne Fehler einschleichen (wofür es in diesem Thread hinlänglich Beispiele gibt). Ich hab’s halt lieber selber in der Hand, deshalb meist OV.

Bei deinem zweiten Argument hast du auch Recht, dass ich kein Japanisch kann und dass die Figuren in Animes meist dämlich reden (z.B. mit Nonsens-Wörtern wie “Dattebayo”). Allerdings geht es mir hier einzig um die Stimmung, die durch die Synchronsprecher erzeugt wird. Im Original ist für mich einfach mehr Energie und Spannung drin, während es im deutschen langweilig oder komisch klingt (klar, weil ich mit der Sprache vertraut bin…).

Da ist sicher etwas dran. Natürlich machen der persönliche Hintergrund und die Sprachkenntnisse einen Unterschied. Das ist – wie du gesagt hast – aber auch bei Native Speakers so. Ein Amerikaner wird einen englischen Film anders sehen als ein Engländer. Selbst im gleichen Land oder sogar der gleichen Stadt gibt es unterschiedliche Vorkenntnisse (soziokultureller Hintergrund, etc.), die bei der Rezeption zu unterschiedlichen Lesweisen beitragen. Das ist auch jedem bilden, schreibenden oder darstellenden Künstler klar, dass der Betrachter nicht aus seinen Augen sieht.

Jemand der in den 90ern in Berlin mit Techno aufgewachsen ist, wird Berlin Calling anders sehen, als jemand der in dern 60ern in Bayern geboren ist… der versteht wahrscheinlich den Slang nicht mal. Da kann man nix machen.

Es geht nicht darum, exakt die Gedanken und Motivation des Drehbuchautoren oder des Schauspielers “unverfälscht” in jeder Feinheit wahrzunehmen. Das geht gar nicht. Es geht darum möglichst nahe am Schauspiel – und bei guten Sprachkenntnissen auch möglichst nahe am Wortlaut – zu bleiben. Ein guter Schauspieler kann einen guten Text einem breiten Spektrum an Zuschauern darbieten. Es wird einfach schwieriger, wenn ein (meist weniger guter) Synchronsprecher einen phonetisch angepassten Text drüber labert.

Neben Qualität geht es auch um Authentizität: Authentisch bleibt es auch, wenn man es mit seinem persönlichen Hintergrund rezipiert; selbst wenn man es nicht 100% versteht (wobei es schon besser wäre). Es geht auch darum die Wirkung eines Werkes nicht weiter durch Außen (z.B. durch Umschreiben des Textes, ändern der Tonlage, Diskrepanz zwischen Ton und Bild / Sprache und Körper) künstlich zu verfälschen. Zumal dieser künstliche Einfluss durch die Synchro halt leider meistens weniger reflektiert und technisch schlechter umgesetzt ist.

Und, genau so, wie man lernen kann z.B. bildende Kunst zu verstehen, ohne, dass man den gleichen gesellschaftlichen, oder gar zeitlichen Hintergrund teilt, kann man auch lernen Filme in ihrer authentischen Darstellung wahrzunehmen. Das wird durch eine Übersetzung, die teilweise Inhalt wie auch Schauspiel weiter verfälscht, einfach schwieriger. Auf hohem Niveau gehört da natürlich ein gutes Sprachverständnis (und Kenntnis über kulturelle Hintergründe) dazu, welches man aber niemals erlernt, wenn man sich dem nicht stellt. Daher sollten meines Erachtens schon Kinder anfangen, sich über Film usw. damit auseinanderzusetzen.

Wie gesagt, kann jeder machen wie er will. Aber Synchronisation bleibt ein Eingriff in das Medium (Film/Spiel/etc.), der meistens – rein qualitativ – nicht auf der gleichen Ebene funktioniert, wie die originale Vision der Künstler. Und Synchronisation verbaut den Zugang zur Sprache.

Ich beziehe das aber sehr stark auf Schauspiel, welches bei japanischen Animes natürlich weniger Geltung hat. Hier ist meistens eher die Zielgruppenorientierung ein (qualitatives) Problem. Gleiches gilt für viele Spiele. Bei Animes kommt noch dazu, dass sich gewisse sprachliche Attitüden aus dem japanischen ganz schlecht ins deutsche Übersetzen lassen. Das ist aber nicht nur ein sprachliches Problem, sondern ein kulturelles, da in Japan z.B. Overacting anders wahrgenommen wird. Was dort in den Grenzen der Darbietung normal ist, wirkt hier dann auf deutsch komplett daneben. Daher sehe ich auch hier die Untertitel, auch wenn man die Feinheiten der Sprache nicht lesen kann, als angenehmer.

2 „Gefällt mir“