Über Religion

Kann ich tatsächlich nicht mehr, Forum sagt mir, man kann Umfragen nur innerhalb einer bestimmten Zeit einfügen oder verändern. Könnte man vllt. einfach in den Umfragethread klatschen…

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Es lässt sich eben nicht leicht für andere Menschen definieren. (was es auch nicht muss) Für mich definiert sich mein Glaube so, um es mal ganz einfach zu formulieren, dass er da anfängt, wo mein logisches Verständnis aufhört. Dinge, die ICH mir nicht mehr erklären kann, begründe ich für mich, mit einer Art höhere Macht. Beispiele zu nennen ist da eher schwierig und eigentlich auch nicht wichtig. Ich definiere, das alles eher mir einem Gefühl, als mit konkreten Beispielen.

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Also aus meinem Umfeld sind die wenigen noch in der Kirche aus Bequemlichkeit oder weil sie denken, dass es aus bestimmten Anlässen noch sinnvoll wäre wie für eine Hochzeit o.ä. Das ist natürlich nicht repräsentativ.

[quote=„Ghetelen, post:179, topic:27561“]
Die Kirchen sind nicht leer, weil sie nicht sinnstiftend sind[/quote]

So meinte ich das auch nicht. Ich meinte, dass sie nicht (mehr) als sinnstiftende Einrichtungen wahrgenommen werden.

Es ist nun aber auch nicht so, als wäre die Kirche nur in Form von Gottesdiensten da, aktuell z. B. auch in der Flüchtlingshilfe - was die Kirchen aber auch nicht voller macht.

Nö, das meinte ich nicht. Eher: Für diejenigen Christen, die es in Deutschland noch gibt, stellt die Kirche leider viel zu häufig keine adäquate öffentlich-institutionelle Abbildung ihres Glaubens dar.

Leute formulieren, dass sie „einen Glauben“ an eine übernatürliche Instanz haben. Die Frage, an was geglaubt wird, kann dann nicht mehr allzu präzise beantwortet werden. Vielleicht kann man es so formulieren: Es gibt also ein Interesse an Religion, während das Interesse an Kirche immer weiter abnimmt.

Dann sag doch mal konkret: Wie müsste Kirche sein, dass du sagst: „Da will ich hin!“? Meine Idee wäre, implizit-religiöse Elemente in Videospielen zu analysieren, wovon es mehr als genug gibt. Arbeitstitel dafür ist „Zocken für Jesus“.

Kannst du dieses Gefühl näher beschreiben? Ist es eher positiv oder negativ?

Doch, ist es. :wink: Es gibt in Deutschland immer noch eine sehr starke „Kasualienfrömmigkeit“, d. h. Taufe, Konfirmation, Hochzeit und Beerdigung wird gerne noch mal kirchlich begangen - aber das „normale“ Sonntagsgeschehen ist dann doch von immer weiter sinkendem Interesse.

Verstehe.

Gibt’s Friedhöfe ohne Kirchenanbindung?

Wie gesagt, sollte mehr offen für Sachen sein, die in der Allgemeinheit als “normal” angesehen werden. Bestes beispiel: Homoehe. Einfach erlauben, das würde wieder eine menge Menschen zum eintritt bewegen. Klar, wird es kein Allheilmittel, weil da muss noch mehr passieren, aber ein anfang wäre es. Ich finde das der Papst da gerade ein guten anfang macht. Er ist zwar immer noch relativ konservativ er macht aber seine Sache gut IMO.

Weiß ich jetzt gerade ehrlich gesagt nicht. Ich weiß nur, dass Friedhöfe in erster Linie aus praktischen Gründen an Kirchen drangepackt werden, da sie am höchsten Punkt im Ort stehen und es bei Hochwasser ziemlich blöd kommt, wenn dann da plötzlich eine ganze Menge Leichen durchs Dorf schwimmen.

Gut, haben wir. Was als nächstes?

Man vergisst als Nichtkirchler gerne, dass so Gläubige und gerade Kirchenmenschen aber wirklich glauben und nicht einfach ein zufälliger Verein sind, der Mitglieder sucht.
Wenn in der Bibel steht, die Schwulen dürfen nicht, dass steht das eben nicht zur Option.
Sicher könnte der örtliche Veganerverein mehr Leute mit schön Bratwurstgrillen, locken, aber…ne?

Wie gesagt, bei uns (in meinem Falle Evangelische Kirche in Hessen und Nassau) dürfen sie.

Häretiker sind wir aus katholischer Sicht eh.

Also früher waren Friedhöfe nahe an der Kirche, weil es dann besser für das Seelenheil war. Je weiter weg von der Kirche, desto ärmer war die Bevölkerung meistens. Im christlichen Glauben gibt es zwar keine Grabbeilagen (höchstens Jungfrauen haben eine Art metallischen Kranz um den Kopf bekommen, so dass später die Schädel eine Art Verfärbung haben), aber von den Skeletten sei das doch erkennbar.

Passt hier rein.

[quote]Ex-Google engineer establishes new religion with ambition to develop an AI god

One of the engineers behind Google’s self-driving car has established a nonprofit religious corporation with one main aim – to create a deity with artificial intelligence.

According to newly uncovered documents filed to the state of California in September 2015, Anthony Levandowski serves as the CEO and president of religious organisation Way of the Future.[/quote]

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Gottestdienst in Deutschland ist auch oft einfach extrem trocken und steif. Ich war mehrere Male in Uganda in katholischen Gottesdiensten und obwohl ich keine Ahnung hatte, was gerade passiert, hatte ich Spaß und war begeistert von der Stimmung dort.

Es wurde getanzt, gesungen, getrommelt, während der Predigt gab es Zwischenrufe, der Pfarrer hat mit der Gemeinde diskutiert und sie aufgefordert sich zu beteiligen, überall sind Kinder rum gerannt und haben gespielt, und jeder konnte kommen und gehen wie er wollte. Zusammengefasst: es war viel viel lebendiger und es herrschte eine extrem positive Grundstimmung, die sich auch auf mich, der nichts verstanden hat und auch nicht religiös ist, übertragen hat. Dort habe ich das erste mal gelernt, dass Gottesdienst tatsächlich etwas schönes sein kann.

Wenn du in Deutschland in die Kirche kommst wirst du erstmal gemustert, wenn ein Kind einen Ton von sich gibt, wird man schief angeschaut und die Kirchen an sich wirken unfassbar kalt und bedrückend. Vollkommen unabhängig davon, für was die Kirche steht und was gepredigt wird, man fühlt sich einfach hier nicht wohl.

Dazu kommt das Vokabular und die Art wie gesprochen wird (die du hier teilweise auch verwendest), die so gar nicht zum alltäglichen Sprachgebrauch der normalen Bevölkerung passt.

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Das hat alles seine Vor- und Nachteile. Wenn du eine Masse emotional mobilisieren kannst, kann eben auch so etwas wie Pegida bei rauskommen. Die weitgehend einzige Alternative ist dann eben oft der durchintellektualisierte, dröge Monolog. Ich versuche, da einen guten Mittelweg zu finden. Ob mir das gelingt, mögen andere beurteilen.

Keine Angst, so würde ich weder im Alltag noch im Rahmen einer Predigt sprechen. Nur wenn es darum geht, meine Glaubensüberzeugungen wiederzugeben, muss ich mich eben dieses Vokabulars bedienen, das unserem Alltagssprech eher fremd ist.

[quote=„Niklas_Schier, post:196, topic:27561“]
Begeisterung ist auch gefährlich. Ich versuche, alle immer auch mindestens ein bisschen zu langweilen, damit die nicht rechtsradikal werden.[/quote]
Wat. :beanie:

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Naja, die Stimmung war das absolute Gegenteil von Pegida. Ich habe mich eher gefühlt, wie nach einem guten Konzert oder einem schönen Kinofilm. Wenn dann will man danach die ganze Welt umarmen (ums mal sehr pathetisch auszudrücken).

Wenn emotionalisieren und ein positives Gemeinschaftsgefühl nicht das Ziel von Gottestdiensten und Religion ist, kann man sie sich meiner Meinung nach wirklich sparen. Zumindest wundere ich mich nicht, dass keiner mehr hingeht.

Das wollte ich auch nicht unterstellt haben, ich wollte nur sagen, dass es eine Kehrseite gibt.

Ich gebe dir vollkommen recht - aber glaubst du, dass das mit einem gewöhnlichen deutschen Gottesdienstpublikum möglich ist, wenn man schon mit einer gewissen Erwartungshaltung hingeht? Wäre das hier realistisch (ernst gemeinte Frage)?

Es ist weder positiv, noch negativ. Eher eine ganz nüchterne Erkenntnis.
Ich mache mir da ehrlich gesagt auch wenig Gedanken darüber. Und wenn doch, dann komme ich immer zu dem Punkt, dass es etwas gibt, was meinen Horizont übersteigt… Und da beginnt dann der Glaube für mich. Wie schon erwähnt, ist es nur sehr schwer das irgendwie genauer zu erläutern, oder zu beschreiben.
Mit irgendeiner Art Religion oder Glaubensgemeinschaft hat meine Interpretation von Glaube halt überhaupt nichts zu tun.

Ich würde mich als gläubig bezeichnen, aber nicht als religiös.

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Inwieweit ist es dann noch Gefühl?

Deswegen halte ich Kommunikation darüber für wichtig - aber natürlich nur, sofern du an einer Vertiefung interessiert bist. (Keine Angst, ich habe weder vor, dich zu irgendwas zu bekehren, noch hätte ich überhaupt eine Ahnung, wie ich jemanden, wie Ghetelen es vermutlich sinngemäß formulieren würde, von der Existenz des Magischen überzeugen könnte; I’m just curious.) Was wäre denn z. B. ein solcher Punkt, der deinen Horizont übersteigt bzw. an dem dein Glaube einsetzt?

Diese Einstellung ist gar nicht mal so selten und bringt das Problem der Kirchen ziemlich gut auf den Punkt - Glaube ist da, aber der reicht eben noch lange nicht dafür, dem in der Kirche (o. ä.) näher nachzugehen.