Oppenheimer (Kino, 70mm, OmU)
Der Film war für mich ein zweischneidiges Schwert.
Das Positive: Der Film an sich. Die Darsteller eine Wucht. Murphy, Damon, Downey Jr. , Blunt etc. (auch wenn letztere nicht soo viel Gelegenheit hatte, es zu zeigen). Gab keine Person, die mir fehlbesetzt vorkam, die ich unglaubwürdig fand oder sich nicht genug ins Zeug gelegt hätte.
Dazu der Look. Der Film sah einfach nur phantastisch aus. Dazu seit langem mal wieder (sehr wenige) Abnutzungsspuren am Filmmaterial und das leichte Flimmern von 24 Bildern pro Sekunde. Auch wenn das technisch seit Jahrzehnten nicht mehr sein müsste - ab und an kann man das schon machen. ^^
Was mir erst gegen Ende des Films aufgefallen ist (und das spricht definitiv für die Verantwortlichen) - die unterschiedlichen Altersstadien der Figuren. Das war alles so organisch und glaubwürdig umgesetzt, Hut ab. Ob das alles das Werk der Maske war oder digital nachgeholfen wurde, ist mir da sehr egal, es hat für mich ausgezeichnet funktioniert.
Die Musik war ebenso ein Ding, das mir direkt am Anfang positiv aufgefallen und den ganzen Film über hervorragend war.
Die Story war auch insoweit interessant, dass ich über die Person Oppenheimer vorher nicht wirklich was wusste. Im Vorfeld hab ich mir die arte-Doku über die Atombombe angeguckt (wurde im Kino+-Thread glaub ich verlinkt), aber die holt ja noch viel weiter aus und geht auch weiter, da ist Oppenheimer fast nur ne Randnotiz.
Da manche hier ja die Befürchtung geäußert haben, es würde im Film zu viel im Dialekt gesprochen oder genuschelt: Das kann ich eigentlich nicht bestätigen. Ich musste nur äußerst selten explizit die Untertitel lesen, auch vom technischen bzw. physikalischen her war der Film mMn gut verständlich - nicht nur akustisch, sondern auch inhaltlich. Da wird man nicht mit Theorien oder Wissenschaftssprech zugeworfen.
Wenn ich was kritisieren müsste, wären es die beiden Verfahren, die besonders zum Ende hin viel Raum einnehmen. Aber ich fand die Zweigleisigkeit, die da Gefahren wurde, unterstützt durch die Farbgebung, ne gute Idee und gut umgesetzt. Von daher war auch das insgesamt kein wirklicher Kritikpunkt. Auch die Laufzeit hab ich nicht gespürt, dafür fand ich den Film über lange Perioden zu interessant, ja gar spannend.
Aber jetzt zum Negativen: Ich bin äußerst deprimiert aus dem Kino raus. 
Der Weltschmerz hat danach richtig hart gehittet, wie der Franzose sagen würde. Hab überlegt, ob ich das hier ausführe, aber das passt hier nicht rein und hilft meiner Laune schlussendlich auch nicht.
Ob das von Nolan so beabsichtigt ist, weiß ich natürlich nicht, aber der Film hat für mich drei Ebenen, die alle zusammenhängen. Im ganz kleinen die Atome, mit eigentlich winzigsten Kräften, die dennoch gewaltige Spannungen und Energien haben bzw. freiwerden lassen können. Genau das trifft auch auf einzelne Menschen im persönlichen Umgang miteinander zu - und schlussendlich auch auf die komplette Menschheit. Wo ein Teil(chen) ein anderes anstößt und es zu verheerenden Kettenreaktionen kommen kann.
Das ist alles nicht neu, aber Nolan verwebt das sehr gekonnt und ich feiere den Film und ihn dafür sehr. Er hat hier in meinen Augen ein Meisterwerk geschaffen, aber ich glaube, ich will ihn so schnell nicht noch einmal sehen. Zumindest, so lange die Weltlage so ist, wie sie ist.
Bin im Nachhinein auch ganz froh, mir den Barbenheimer-Doppelpack nicht gegeben zu haben. Hätte ich Barbie voreher gesehen, hätte mich Oppenheimer danach wohl noch viel mehr runtergezogen. Und hätte ich Oppie vor Barbie gesehen, hätte ich Barbie wohl nicht sonderlich genießen können.