Oscars 2021 | Oscast | Tippspiel

Ich zitiere mich dazu einfach mal selbst:

Ich bin mir dessen absolut bewusst und schreibe das sogar, aber ich kann trotzdem eine Meinung dazu haben ob mich diese Filme überhaupt ansprechen oder mich die Verleihung interessiert oder ob ich die Auswahl der Nominierten schrecklich eintönig finde.

Jedes Jahr sind typische „Oscar-Bait“ Filme dabei, also Filme mit wahrscheinlich großartigen schauspielerischen Leistungen, die aber niemand wirklich gesehen hat und deren einzige Chance auf finanziellen Erfolg meistens durch die Nominierung bzw. den Gewinn eines Preises besteht und das ist auch völlig ok, da die großen Blockbuster nicht solche Preise brauchen um ein Publikum zu haben.

Aber schaue ich in die letzten Jahre, dann war immer auch viel „lockeres“ dabei, wozu die Erweiterung auf beliebig viele Nominierten in der Kategorie vor ein paar Jahren auch führen sollte:

2020: The Irishman, Once Upon A Time In Hollywood, Le Mans 66…
2019: Black Panther, Bohemian Rhapsody…

Wie gesagt, ich finde es gut, dass die Oscars auch ein Licht auf „kleinere“ Produktionen wirft. Es ist aber auch der wichtigste Filmpreis der Welt und damit entwertet er einfach Genres, die dort kaum bis nie beachtet werden.

Ab und an schafft es vielleicht mal ein Action-Film in die Kategorie und wenn Tarantino mal wieder einen Film veröffentlicht hat, gibt es vielleicht auch mal etwas zu lachen. Aber wann war denn zuletzt eine richtige Komödie nominiert? In jedem 2. Schauspieler-Interview fällt irgendwann der Satz, dass es nichts schwierigeres gibt als Comedy, aber wieso ist das dann so irrelevant für Best Picture/Actor/Script?

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Ich weiß gar nicht wo du da oben eine Bewertung von einzelnen Filmen findest.
Ich dachte wir unterhalten uns eher über die Oscars als ganzes.
Und sie sind nunmal etwas schwerer dieses Jahr das lässt sich doch nicht von der Hand weisen.
Aber das ist keine Bewertung der Filme für sich.

Jojo Rabbit letztes Jahr, Vice das Jahr davor. Borat 2 ist dieses Jahr mehrfach nominiert u.a. für das Beste Drehbuch. Parasite hat viele schwarzhumorige Elemente, Promising Young Woman nutzt das Genre der romantischen Komödie. Ist halt auch die Frage, wie streng man für sich die Genregrenzen festsetzt.

Du darfst nicht vergessen, dass gerade diese ganzen klassischen größeren Studioproduktionen einfach noch gar nicht veröffentlicht wurden. Ein The French Dispatch von Wes Anderson z.B. wurde verschoben, bei dem man schon allein wegen des Regisseurs davon ausgehen kann, dass er eine Nominierung erhalten dürfte.
Das Gleiche eben auch bei den Actionfilmen bzw. bei den Blockbustern.

Welche leichtfüßigeren Filme hättest du denn gerne bei den Nominierten gesehen?

Nunja ich glaube das liegt daran das Amerika allgemein politischer in der Gesellschaft wird und solche Filme somit zunehmend wichtiger werden.

Leichtere Filme gibt’s ja mit Nominierungen für Soul, Mank oder Borat ja trotzdem.

Persönlich noch The invicible man, another Round, Soul in der besten Film Kategorie.
Hab gerade noch mal nachgeschaut was ich überhaupt gesehen habe.
Ist ja auch egal, letztendlich entscheidet ein Gremium und dieses Jahr wird es halt ernst.
Ich hoffe aber nächstes Jahr wird es wieder ‚‚gemischter‘‘.

Another Round hätte durchaus auch für mich anstatt Mank oder Trial für Bester Film nominiert werden können.

Meinst du The Invisible Man? Sehr guter Film (wobei nicht minder schwer als die nominierten Filme), allerdings haben es Horrorfilme und zugleich Filme, die am Anfang des Jahres veröffentlicht wurden (dazu kommt eine verlängerte Awardseason), immer schwer nominiert zu werden.

Könnte durchaus so sein, wobei man auch hier natürlich abwarten muss, was alles tatsächlich anläuft und was möglicherweise wieder verschoben werden könnte.

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Natürlich zieht jeder die Grenze woanders, daher hat mein „richtige Komödie“ vielleicht nicht gut genug umschrieben was ich damit meine. Im Prinzip meine ich damit einfach leichte Komödien, ohne Holocaust (Jojo Rabbit) und Kriegsverbrecher (Vice). Harmlose, lustige Filme, ohne Weltschmerz und Message. Nichts „wo einem das Lachen im Halse stecken bleiben soll“.

Aber um ehrlich zu sein fällt es mir auch schwer hier für 2020 gute Beispiele zu finden. The Prom vielleicht.

Das ist natürlich wahr. Die kleinen und günstigen „Oscar-Bait“-Dramen lassen sich natürlich auch während Corona gut veröffentlichen, da sie im Kino sowieso nichts eingespielt hätten.

Das ist sicherlich einer der Gründe, aber kein Grund diese Entwicklung nicht auch kritisch zu sehen.

Wobei die meisten nominierten Filme (außer Mank und Trial vielleicht) nicht so die klassischen Oscar-Bait-Filme sind und vermutlich durch dieses Jahr einfach wesentlich mehr Chancen auf eine Nominierung bekommen haben als in den Jahren zuvor.
Minari ist fast komplett auf Koreanisch, Nomadland dagegen wirkt schon sehr dokumentarisch und langsam, Judas and the Black Messiah schon fast zu wütend für die Oscars, Promising Young Woman bedient sich vieler Genre, die normalerweise bei der Academy übergangen werden, zudem ist der Film recht kontrovers und wenig gefällig.
In einem normalen Jahr hätte die Liste vermutlich anders ausgesehen und man würde wahrscheinlich wieder nur die üblichen Verdächtigen unter den Nominierten sehen

Da wäre ich vermutlich vor Ärger an die Decke gegangen :smiley:

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Ich finde da ziehst du den Kreis aber immer enger und enger…
Was für leichtfüssige, lockere Komödien kennst du denn überhaupt, welche du jemals in eine „Best Picture“ Kategorie gesteckt hättest?
Und das meine ich nicht sarkastisch oder rethorisch. Ich meine wirklich: kennst du solche überhaupt? Denn auch wenn Komödien weniger das Genre ist wo ich mich gross auskenne, so habe ich dennoch den Eindruck dass es da nur wenige gibt, welche ich am Ende des Jahres wirklich angeschaut hätte und gesagt hätte: „Jep! DAS war der beste Film den ich das ganze Jahr gesehen habe!“

Nicht, das Komödien das nicht können… aber wenn wir Komödie mit ernstem Unterton und schwierigen Themen rausnehmen, dann bleibt wirklich nicht mehr sehr viel übrig, das die nötigen Qualitäten hätte.

Ja, war auch eher ein größeres Vielleicht. 2020 war echt kein gutes Jahr in dieser Hinsicht. Ich fand ihn aber ganz witzig und war gut unterhalten, deswegen ist er mir wenigstens in Erinnerung geblieben.

Kaum schließt man Holocaust und Kriegsverbrecher aus, schon wird der Kreis für Komödien zu eng. Ok, ich hatte nicht gedacht, dass der Zustand schon so schlimm ist :rofl:

Aber ich finde auch, dass deine Antwort schon sehr aufschlussreich ist und eigentlich das bestätigt, was ich in befürchtet habe:

Wenn du gar nicht glaubst, dass eine Komödie ohne „ernsten Unterton und schwierigen Themen“ die „nötigen Qualitäten“ haben kann, dann ist das doch genau diese Entwertung die ich meine.
Ist es denn überhaupt ein berechtigter Anspruch, dass ein Film so etwas mitbringen muss um in der Best-Picture-Kategorie preiswürdig zu sein? Oder kommt das nur aus der Gewohnheit, weil das meistens nun mal so ist?

Du fragtest nach Beispielen. Nimm mal Edgar Wright, vielleicht anhand von Shaun Of The Dead von 2004. Das ist eine handwerklich wahnsinnig gute Komödie und Wright weiß das Medium Film dafür sehr gut zu nutzen. Guck dir die Schnitte an, Szenenübergänge, Visual-Gags, usw. Bevor ich hier zu sehr ins Schwärmen gerate, lasse ich einfach mal die Liebeserklärung des bisher besten und leider viel zu früh eingestellten YT-Kanals „Every Frame A Painting“ hier:

Wurde Edgar Wright jemals von der Academy für Regie nominiert? Buch? Acting? Best Picture? Irgendwas? Baby Driver hat 3 Nominierungen, darunter wenigstens Schnitt, aber sonst bisher nicht das ich wüsste.

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Ein „Palm Springs“ hätte man dieses Jahr sicherlich unterbringen können. Bei den Golden Globes (Best Motion Picture - Musical or Comedy) und sen Writers Guild of America Award (Best Original Screenplay) wurde der Film nicht zufällig nominiert.

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Wer mal reinschnuppern möchte, wie einige wenige Academy-Mitglieder dieses Jahr abstimmen:



Leichte Komödien, die qualitativ so gut sind, dass sie für einen Oscar nominiert werden könnten, sind einfach sehr sehr selten.

Nein, das habe ich nicht gesagt. Schliesst man aber alle etwas harzigeren Themen aus, wird der Kreis eng.
Du hast nicht geschrieben, dass es um diese zwei Beispiele SPEZIFISCH ging, du hast diese Beispiele gebracht um zu erklären, warum die Komödien in jüngerer Vergangenheit nicht zählen. Den Grund den du aber gegeben hast war:

Oder wäre eine Komödie wie „Jojo Rabbit“, die aber nicht um den Holocaust geht, sondern um… keine Ahnung, Muslimverfolgung in China eine „leichtere“ Komödie?
Wohl kaum.
Deswegen sage ich: Du ziehst den Kreis immer enger. Es gibt zu wenige Komödien in der Kategorie?
Nun, hier haben wir ein Paar Beispiele für Komödien in der „Best Picture“-Kategorie der letzten Jahre.
Ok, aber die zählen nicht, weil zu düster.
Ist das nicht ein bisschen der „No True Scottsman“? Wo die Beispiele welche die genannte These wiederlegen ausschliesst weil „no true comedy“?

Das habe ich aber nie gesagt.
Ich sage, dass kaum ein Film der nicht etwas mehr Substanz hat gute Chancen hat für die höheren Kategorien. Ja, ausnahmen gibt es, in der Regel technisch sehr hochstehende Filme (wie „Gravity“ oder „Mad Max: Fury Road“).

Du bringst dann als Beispiele die Edgar Wright Komödien. Wo ich dir absolut zustimmen kann, da KÖNNTE man ein Argument machen, dass diese in die „Best Picture“-Kategorie reingehen. Nur… solche Komödien sind sehr, sehr, sehr selten. Gerade in den letzten Jahren.

Nur würde ich „Baby Driver“ auch nicht Best-Picture würdig ansehen. Denn es hat von all den Wright-Filmen bei weitem das schwächste Skript. Abgesehen von den technischen Aspekten würde ich diesen Film auch nicht in irgendwelche Awards-Listen reinnehmen.

Seine älteren Filme, wie „Shaun of the Dead“ da vielleicht schon eher.
NUR: Diese Filme kamen raus, als es nur 5 „Best Picture“ Nominationen gab. Da brauchst du dann schon einen ziemlichen Knaller, um wirklich ganz oben mitzuspielen.

Aber natürlich, es ist absolut so: Komödien haben es schwierig in den Academy Awards. Ähnlich wie Horror oder Action. Ernste Dramas haben da nunmal den grossen Vorteil. Das ist absolut so.
Aber ich muss auch sagen: Im Englischsprachigen Raum werden Komödien auch von den MACHERN oft stiefmütterlich behandelt. Die meisten Komödien im Englischsprachigen raum, vor allem in den letzten Jahrzehnten, waren, ums ehrlich zu sagen, „faul“ gefilmt mit eher schwachem Skript. „Every Frame a Painting“ geht da auch darauf ein.

Je mehr Filme in einem Gerne eine hohe Qualität haben, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie bei den Awards oben mitspielen. Und was Dramas angeht, da hat man oft den Eindruck, da fliessen mehr Gelder, mehr Mühe und mehr Aufwand mit rein. Und darum hat man da auch die grossen Awards-Contender.

Nochmals: Wäre schön, wenn Komödien ein höheres Ansehen hätten. Aber wenn man dann Komödien mit ernsten Themen disqualifiziert, weil es keine „richtigen Komödien“ sind dann wird es halt eng.

Ja eben, das ist doch genau mein Punkt. Und ich sehe dafür absolut keinen berechtigten Grund.
Ich verzichte daher auch mal auf den ersten Teil deines Beitrags weiter einzugehen, denn ich glaube das führt uns nicht weiter, wenn wir sowieso praktisch einer Meinung sind und uns dann nur über Begrifflichkeiten streiten.

Mag sein, aber Skript ist ja nicht alles. Ich finde ihn vor allem audiovisuell großartig und das sind für mich, gerade im Medium, sehr wichtige Aspekte.
Wenn ich mir dann die Best-Picture-Nominees von 2018 ansehe, dann würde ich ihn einem „Darkest Hour“ oder „The Post“ definitiv vorziehen.

Schauen wir zur Verleihung von 2005, also als Shaun Of The Dead von 2004 möglich gewesen wäre, so sind hier mit „Sideways“ und „Wenn Träume fliegen lernen“ 2 Filme nominiert gewesen, deren Titel mir heute absolut unbekannt sind. Ich habe auch nicht den Eindruck, dass irgendjemand heute noch vom Biopic „Ray“ spricht. „Million Dollar Baby“ hat verdient gewonnen und auch Aviator passt in die Kategorie, aber ein Shaun Of The Dead muss sich davor nicht verstecken, bloß weil es britischer Klamauk ist.

Da wäre schon mehr möglich, wenn denn der Wille der Studios da wäre, solche Filme auch für die Oscars zu promoten. Denn klar ist auch, dass dort nicht die besten Filme nominiert werden, sondern hauptsächlich die, deren Studios sie für kampagnenfähig gehalten haben. Das sind dann nun mal hauptsächlich wirtschaftliche Beweggründe, Kosten/Nutzen/Risiko, blabla.
Das was dem ähnelt was schon mal gewonnen hat wird beworben, das was gewinnt wird wieder produziert, beworben, gewinnt, usw. usf. und irgendwann hat man ein sich selbst erhaltendes System welches all das ausgrenzt, was aufgrund der Historie scheinbar weniger Chancen hat.

Aber dafür wurde er ja auch nominiert.
Zumindest Schnitt und Ton. Man könnte jetzt argumentieren, dass vielleicht Kamera da noch dabei sein hätte können, wobei ich schon behaupte, dass der Schnitt in dem Film der wichtigere Aspekt ist.

Ja, gut. Dass es jedes Jahr Filme in der „Best Picture“ Kategorie hat, die da nicht wirklich reingehören würde ich dir nicht wiedersprechen.
Wobei ich bei mir selber merke: In der Regel wenn ich in der „Best Picture“ Kategorie einen Film sehe, den ich da nicht passend finde, dann würde ich ihn meistens mit einem anderen Film ersetzen, der dann auch wieder nicht „Komödie“ wäre. Muss wirklich sagen, dass ich in den letzten Jahren nicht wirklich Komödien gesehen habe, welche in diese Kategorie gehören.
Wie gesagt, Komödien haben halt wirklich selten die Qualitäten (Mehrzahl, denn NUR ein gutes Skript oder NUR gute Technik reichen für mich nicht für „Best Picture“) um ganz oben mitzuspielen. Nicht weil es das Genre intrinsisch nicht kann, sondern weil da selten in dieses Genre investiert wird.

Aber da sprichst du in meinen Augen ein anderes Problem an. Denn es ist tatsächlich einfach so, dass viele der Oscar-Nominationen (nicht nur in „Best Picture“ sondern auch anderen Kategorien) Filme sind, welche in ein Paar Jahren niemand mehr wirklich kennt. Weil du halt nicht prognostizieren kannst, welche Filme sich langfristig halten.
Das ist halt das Problem an diesen Awards Show… und der Grund warum ich immer schon gesagt habe: Wenn es dir wirklich um die Frage geht, welche Filme langfristig die besten sind, dann müsstest du im Jahre 2021 die Oscars fürs Jahr 2016 oder 2011 verteilen. Nicht fürs Jahr unmittelbar davor.

Und das ist natürlich auch ein wichtiger Aspekt.
Die Filme die Nominiert werden sind oft auch diejenigen, welche eine grosse Kampagne hinter sich hatten. Aber das ist halt ein Teufelskreis: Komödien werden selten nominiert, als investieren die Studios für die Awards-Filme nicht viel in Komödien… wodurch sie wieder weniger nominiert werden.
UND wichtig ist auch noch: Wann kommen die Filme raus? Komödien sind meistens eher Filme, die ins Sommerprogramm gehören, nicht ins Winterliche Awards-Programm. Und man weiss ja inzwischen, dass die Oskars in der Regel nicht die besten Filme des letzten Jahres sind, sondern die besten Filme der letzten 4 Monate.

So, jetzt habe ich endlich alle Filme durch, die ich mir anschauen wollte.
Hatte eine Liste, damit ich möglichst viele der Kategorien gesehen habe, und heute habe ich noch die letzten Animationsfilme gesehen.
Darum hier mal meine Tipps und meine Einschätzung der Kategorien.

Best Picture:
Wie oben schon diskutiert wurde, und ich auch schon mal ganz am Anfang gesagt habe: Dieses Jahr eher eine düstere, bedächtige, „seriöse“ Aufstellung. Viele gewichtige Dramen, wenig Genre-Abwechslung. Die Filme sind trotzdem alle recht gut bis sehr gut.
„Nomadland“ und „The Trial of the Chicago 7“ hätte ich jetzt nicht in diese Kategorie getan, einfach weil ich die jetzt nicht derart grossartig finde, aber mit den anderen acht kann ich mich einigermassen anfreunden.
Ein Favorit ist aber schwierig zu bestimmen.
MEIN Favorit wäre entweder „The Father“, weil der brilliant eine Erzählung strukturiert, wo man sich wirklich im Verstand einer Person fühlt, welche langsam dement wird, oder aber „Promising Young Woman“, weil der Style hat, tolle Schauspieler, gutes Skript und mich von Anfang bis zum Ende gepackt hat.
Als Gewinner schätze ich aber „Mank“ ein. Einfach, weil der so viele Nominationen hat und einmal mehr ein Film von Hollywood für Hollywood über Hollywood ist. Und man weiss ja, wie sehr die Academy das liebt.

Best Director:
Hier hätte es für mich stärkere Kandidaten gegeben. Bin sehr froh dass „Promising Young Woman“ hier dabei ist, und bei „Druk“ hat der Regisseur auch tolle Arbeit geleistet. Wirklich gut rüber gebracht, wie man in einer Gesellschaft in der Getrunken wird immer wieder in diese Feierei/Sauferei-Stimmung kommen kann.
Aber auch hier denke ich wird die Auszeichnung an „Mank“ gehen. Wie gesagt tu ich mich dieses Jahr schwer mit den Tipps, aber im Zweifelsfall gibst du diesen Oskar dem gleichen Film wie du „Best Picture“ gibst.

Best Actor:
Hier gibt es für mich eigentlich nur eine korrekte Antwort, und die ist Anthony Hopkins für „The Father“. Chadwick Boseman und Riz Ahmed haben auch starke Leistungen gezeigt, aber für mich stand Hopkins in seiner Rolle einfach am meisten raus. Das ist mein Favorit, und ich denke er hat auch gute Chancen ihn auch zu erhalten.
Hätte Gary Oldman den Oskar nicht schon für „Darkest Hour“ erhalten wären seine Chancen sicher gut, aber dieses Jahr vermutlich eher nicht.

Best Actress:
Ganz starke Kategorie dieses Jahr. Bin mit allen Nominationen einverstanden.
Mir hat Carey Mulligan extrem gefallen in „Promising Young Woman“ und ich würde es ihr gönnen. Aber ich denke hier wird er an Vanessa Kirby gehen, was ich auch völlig in Ordnung finde. Ihren Film halte ich für nicht ganz so gelungen wie es viele sehen, aber ihre Darstellung ist absolut überwältigend.

Best Supporting Actor:
Eher eine Schwache Kategorie dieses Jahr, finde ich. Alleine schon dass Sacha Baron Cohen für „Chicago 7“ drin ist zeigt, dass man hier nicht gerade die Top-Auswahl hatte. Cohen ist in seinem Film sicher nicht schlecht, er spielt die Rolle auf jeden Fall gut, aber eine Oskarnomination hätte ich jetzt dafür nicht gegeben. Ehrlich gesagt, da gab es im gleichen Film alleine schon stärkere Kandidaten.
Mein Favorit, und auch die Person die ihn vermutlich erhalten wird ist wohl Daniel Kaluuya für seine Rolle als Fred Hampton in „Judas and the Black Messiah“… wo er ehrlich gesagt genauso gut als Hauptrolle gesehen werden könnte. Alleine darum denke ich sind seine Chancen gut, weil all die anderen Rollen viel, viel weniger gross und zentral sind… abgesehen von LaKeigh Stanfield im gleichen Film. Wo ich mich fragen muss, wer laut der Academy die Hauptrolle war in dem Film.

Best Supporting Actress:
Für mich absolut Glenn Close in „Hillbilly Elegy“. Wobei der Film rechten Backlash gesehen hat, weswegen ich nicht denke, dass sie ihn kriegen wird. Ich denke Maria Bakalova könnte hier gute Chancen haben, einfach weil sie in einem eher mittelmässigen Film positiv herausstach UND weil sie Rudy Gulliani blosstellen konnte.
Ich persönlich denke aber hier könnte es wieder Olivia Colman sein. Das wäre mein Tipp. Einfach so ein Bauchgefühl, keine Ahnung.

Best Original Screenplay:
Keine schlechte Kategorie dieses Jahr. Ich denke, aufgrund des Themas und der Brisanz wird der an „Judas and the Black Messiah“ gehen. Ich persönlich fände es schön, wenn er an „Promising Young Woman“ gehen würde, da dieser einfach kreativer ist und halt wirklich gut geschrieben, aber ich gehe nicht davon aus, dass der Film hier eine gute Chance hat. Halt genau WEIL er so kreativ und frei ist und sich etwas weniger ernst nimmt als die anderen Anwärter in dieser Kategorie.
„Sound of Metal“ ist auch sehr gut geschrieben, die Story kommt wirklich gut zusammen. Aber wie gesagt: Vermutlich „Judas and the Black Messiah“.

Best Adapted Screenplay:
Ehrlich, dass „Borat Subsequent Moviefilm“ hier drin ist halte ich für einen absoluten Witz. Nicht nur halte ich das für die falsche Kategorie (aber darüber kann man immer streiten), das SKRIPT halte ich in diesem Film jetzt auf jeden Fall NICHT für Awardswürdig.
Das gleiche ehrlich gesagt für „Nomadland“.
„One Night in Miami“ und „The White Tiger“ sind da beides stärkere Anwärter denen ich es gönnen würde. Mein Favorit ist aber „The Father“, und ich glaube der wird auch gewinnen.

Best Animated Feature Film:
Eine etwas durchzogene Kategorie dieses Jahr. „Over the Moon“ halte ich für einen nicht sehr gelungenen Film. „Farmageddon“ ist unterhaltsam und gelungen, aber der Plot ist dann doch ein bisschen fest einfach „90 Minuten füllen“ um für mich weit oben zu stehen, auch wenn ich immer eine Schwäche für Stop-Motion habe. Die verbleibenden drei sind aber sehr gelungen. „Onward“ hat mir sehr gut gefallen. „Wolfwalker“ ist einfach wunderschön anders und wäre ehrlich gesagt mein persönlicher Favorit.
Aber in dieser Kategorie läuft es in der Regel auf etwas stilistisch eher konventionelles raus, weswegen es wohl „Soul“ werden wird. Stilistisch ist der Film kreativ genug um bei vielen Leuten ein „WOW, mal etwas völlig Neues!“ hervorzurufen, aber dann doch konventionell genug um niemanden abzuschrecken.
Darum ja… wird wohl an „Soul“ gehen. Und ehrlich gesagt: Damit wäre ich auch glücklich, halte den Film nämlich für spitze. „Wolfwalker“ hat für mich einfach das gewisse Etwas mehr, rein wegen des visuellen Stiles.

Best Production Design:
Das ist immer eine schwierige Kategorie. Filme wie „News of the World“ sind natürlich immer lobenswert, wenn die ganze Einrichtungen und Häuser und Planwagen nachstellen müssen um es wie im Wilden Westen aussehen zu lassen. Tenet gefällt mir, weil es halt dieser Mix aus SciFi-Ästhetik in einer bodenständigen Realität ist. Ich persönlich würde es aber entweder an „Ma Rainey’s Black Bottom“ oder „The Father“ geben. Beides Filme, wo die reduzierten, kleinen Kulissen halt wirklich einen eigenen Charakter haben müssen und darum so extrem wichtig werden.
Ich denke aber der Gewinner wird „Mank“ werden. Auch in dieser Kategorie liebt es die Academy, wenn ein Film Filmsets und Hollywood sauber nachstellt.

Best Cinematography:
Keine sehr auffällige Kategorie dieses Jahr. Keiner der Filme hat wirklich schlechte Kamera, aber keiner stach so richtig für mich raus.
Am ehesten noch „Nomadland“, weil der die Kamera gut nutzt um zwischen Intimen, nahen Momenten und Aufnahmen von den grossen Landschaften hin und her wechselt und damit narrativ eine bestimmte Wirkung erreicht.
Meine Vermutung ist hier aber auch wieder „Mank“. Schwarz-Weiss halt, und eine authentische Nachstellung der Ästhetik der damaligen Filmzeit. Und ich denke, der Film hätte es durchaus auch verdient, auch wenn ich mich frage, ob man bei dem Film gross über die Kamera reden würde, wenn er nicht in Schwarz-Weiss wäre.

Best Make-Up and Hairstyle:
Da gibt es für mich nur eine korrekte Antwort: Pinocchio.

Best Costumes:
Eine starke Kategorie. Bei „Mank“ habe ich einfach das gleiche Problem wie ich immer habe bei dieser Art von Film, nämlich dass mir die Kreativität etwas fehlt, wenn man einfach die Kleider einer solchen Epoche realitätsgetreu nachstellt. Ähnlich sehe ich es bei „Ma Rainey’s Black Bottom“. „Mulan“ hat auf jeden Fall aufwändige Kostüme, genauso wie „Pinocchio“, aber mein Favorit hier ist auf jeden Fall „Emma“. Wo man Kostüme aus einer bestimmten Epoche nachstellte ABER kombiniert mit einer verspielten, kreativen Ästhetik welche selber auch etwas zum Narrativen beiträgt.
Ich würde für „Emma“ stimmen, und ich denke „Emma“ wird es auch holen.

Best Original Score:
„Soul“. Für mich keine Frage. Alleine die Stücke welche man in der „andern Welt“ immer hört machen in meinen Augen etwa 70% der wunderbaren Stimmung dieses Filmes aus.
„Soul“ ist mein Favorit, und „Soul“ wird es auch machen.

Best Sound:
Jetzt hat man sich doch entschieden, die beiden „Sound“ Kategorien zusammen zu legen. Ist halt immer etwas schade, weil man so zwangsläufig gewissen Künstlern auf die Füsse tritt, da die Experten halt doch einen Unterschied kennen zwischen Sound Mixing und Sound Editing.
Aber dieses Jahr spielt es glaub nicht so eine Rolle, da es einen Film gibt, der Soundmässig raussticht. Und das ist „Sound of Metal“. Es ist schwierig die Qualitäten der anderen Nominationen einzuschätzen, wenn du sie direkt neben einen Film stellst, wo der Sound derart zentral ist, dass er auch dem unaufmerksamsten Zuschauer auffallen wird.

Best Editing:
Ich persönlich würde diese Auszeichnung an „The Father“ geben. In diesem Film war es extrem wichtig, dass der Schnitt, der Rythmus wie der Film zwischen einzelnen Szenen wechselt richtig sitzt. Deswegen wäre das mein Favorit.
Ich denke aber, dass auch hier „Sound of Metal“ eine gute Chance hat. Da „Sound Mixing“ ja jetzt wegfällt als eigene Kategorie könnte die Art wie der Sound in den Film geschnitten ist bei Editing plötzlich mehr eine Rolle spielen, was bei „Sound of Metal“ dazu führt, dass der Schnitt plötzlich mehr Aufmerksamkeit kriegt.

Best Visual Effects:
Eine sehr spannende Kategorie dieses Jahr!
„Mulan“ hat hier nichts verloren, die Effekte dort sind zum Teil ganz ok, zum Teil aber auch nicht sehr gelungen.
Die anderen Filme jedoch haben alle ihre eigenen Arten, wie die Effekte im Film genutzt werden und sind darum schwierig zu vergleichen.
In „The One and Only Ivan“ hat man den Protagonisten, der völlig CGI ist. Allerdings muss der sich hier mit den neuen „Planet der Affen“-Filme messen, und da bin ich der Meinung sah Caesar irgendwie besser aus.
„Love and Monster“ hat einige sehr spektakuläre Kreaturen, welche zum Teil wirklich grossartig umgesetzt werden. Allerdings sah man da im dritten Akt, wo man eine Kreatur permanent gross und deutlich im Tageslicht sah dann doch eine gewisse Künstlichkeit.
„The Midnight Sky“ hat eine Menge Effekte, aber viele davon sind Raumschiffe und Dinge im Weltraum, was man halt schon sehr oft ähnlich gesehen hat. Mir gefiel der Film visuell dennoch extrem gut, und die Effekte fügen sich nahtlos in den Rest des Bildes ein, weswegen der Film für mich ein schöner zweiter Platz ist.
Aber für mich der klare Sieger, und der Film bei dem ich auch erwarte dass er die Auszeichnung erhält ist „Tenet“. Die Art wie er vorwärts und rückwärts laufende Schauspieler und Stunts und Kulissen zusammenfügt ist schon extrem spektakulär. Deswegen für mich die klare Nummer 1.

So, das waren alle Kategorien, welche ich gesehen habe. Vielleicht kommen bis am Sonntag da noch „International Feature Film“ oder „Documentary“ dazu, aber für den Moment ist das so, wie ich es sehe.

Ach, und bevor mir jemand sagt, dass ich wohl völlig falsch liege, weil die Bookies das ganze anders sehen und die Favoriten ganz anders verteilt sind:
Ich schaue mir extra nie im Voraus an, wie die Wetten stehen oder wer als „Favorit“ gehandelt wird. Ich versuche wirklich aus meinem eigenen Bauchgefühl heraus einzuschätzen wie die Awards gehen werden.
Deswegen liege ich auch mit schöner Regelmässigkeit immer wieder daneben :grin:

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Ok, ich bin schon still :sweat_smile:

Man darf mir natürlich die eigene Meinung geben oder mir sagen wo ich falsch liege :grin:
Ging mir primär darum zu sagen, dass ich keine Ahnung habe wer „offiziell“ als Favoriten gehandelt wird. Denn ich weiss, dass manche Leute hier da durchaus informiert sind und das in ihre Tipps einfliessen lassen (was völlig legitim ist, das ist keine Kritik von mir), und für die sehen meine Tipps oft etwas seltsam oder unrealistisch aus :sweat_smile:

Ist das auch der kommende Diskussionsthread?

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