Breaking News von Frank Schätzing
Frank Schätzings nächstes Riesenwerk nach Der Schwarm und Limit kam im März 2014 heraus. Mein Vater hat es mir im November 2014 geschenkt. Und ich hab es in diesem Jahr endlich mal geschafft, es zu lesen. Normalerweise lasse ich mir da nicht so viel Zeit. Besonders wenn es um einen meiner Lieblingsautoren geht.
Schätzing hat ein Händchen für Pacing, Charaktere und spannende Geschichten. Das hat er schon damals mit Tod und Teufel bewiesen, mit Lautlos bestätigt und mit Der Schwarm auf die Spitze getrieben. Lautlos und Der Schwarm gehören für mich immer noch zu den besten deutschen Thrillern. Leider hat er danach schon mit Limit nicht wirklich den Punkt getroffen. Viel zu viel, „verworrene“ Handlung, die Spannungskurve schleppt sich eher so dahin.
Hier bei Breaking News hat er das gleiche Problem. Er hat ne richtig gute Idee, schafft eine tolle Wendung… aber so richtig machts nicht klick. Das liegt zum Teil daran, dass das Buch zu 70% die gesamte Geschichte des Nahost-Konflikts aus (meist) israelischer Sicht erklärt (anhand zweier jüdischer Familien und auch dem ehem. jüdischen Ministerpräsidenten Arik) und zu 30% aus Handlung.
Das mag, wenn man sich damit gar nicht auskennt, ganz interessant sein und Schätzing war tatsächlich eine Weile in Israel unterwegs, jedoch kann man das meiste der Informationen auch auf Wikipedia nachlesen - das ist dann auch schneller.
Im Buch bemüht er sich historisch akkurat zu arbeiten und darum noch eine spannende Geschichte mit glaubwürdigen Charakteren zu spinnen. Und das mal wieder auf eine, typisch für ihn, Überlänge von 955 Seiten. Leider schafft er kaum etwas davon.
Der Hauptprotagonist ist Hagen - ein abgebrühter aber waghalsiger, alkoholabhängiger Kriegsreporter der nur so von Klischees trieft. Gut, was will man erwarten, wenn man sich von Julian Reichelt beraten lässt? Hagen wird einem bis zum Ende des Buches kein Stück sympathisch und so muss man versuchen, seine Sympathien auf Yael zu richten, einer israelischen Ärztin deren Schicksal zwar immer wieder angerissen wird, sich letztendlich erst auf den letzten 20 Seiten offenbart.
So kämpft man sich mit Hagen durch Afghanisten, Alkohol, Depressionen, Lybien und Israel. Und besonders kämpft man sich durch die erste Hälfte des Buches in der es faktisch keine Handlung gibt. Nur Geschichtserzählung. Wirklich spannend ist nur das letzte Drittel des Buches, wenn dann alle Charaktere zusammentreffen und man die Tragweite der Handlungen nachvollziehen kann.
Schätzing ist ja dafür bekannt, dass er oftmals sehr…flapsig schreibt, verbarm, direkt. Ein Literaturpreis wird er sicher nie gewinnen, trotzdem hat er diesen Stil in seinen früheren Werken zumindest bei den richtigen Charakteren eingesetzt. Hier wirkt es oftmals komplett fehl am Platz und fast schon schnoddrig. Daneben stehen dann künstlerisch stilisierte Beschreibungen von brutalen Szenen.
Fazit: Wer sein Wissen um den Nahen Osten auffrischen will, Wikipedia aber zu trocken ist, kann hier gern zugreifen. Und wer bis zum Ende durchhalten kann, der wird im letzten Drittel des Buches mit den eigentlichen Qualitäten Schätzings belohnt.
Dann werd ich mir wohl mal die Tyrannei des Schmetterlings gönnen.