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Die Welt war ein Nichts geworden.

Kein schönes Nichts, kein beruhigendes Nichts. Ein grausames und blutiges Nichts, das nahm und nahm und wenig zurück gab. Wenn überhaupt.

Das Nichts war die neue Welt, gebaut auf dem Skelett von dem, was einmal gewesen war, und nie mehr werden würde. Wie eine Pflanze, die aus einem Kadaver spross, nur um bald in der unsäglichen Wüstensonne zu verdorren, sollte man auch hier weder Gnade noch Nachsicht erwarten und in den besonders finsteren Nächten, da fragte man sich, ob die Lebenden, nicht doch die Toten beneiden sollten.

Die Welt war ein Nichts geworden.

Und in dem Nichts musste man nun leben.

Wenn man die Welt fragen würde, wieso die Bobo Brüder nicht mehr mit ihrer Gruppe an Entertainern unterwegs war, dann gäbe es zwei Antworten, die vehement von zwei Lagern unterstützt würden. Die Einen würden sagen, dass die Bodo Brüder Vollidioten seien, die das Leben des Show-Bären Bob auf ihrem Gewissen hatten. Die Anderen würden sagen, dass sie einfach viel, viel zu gut für diese dilettantische Truppe von miesmutigen Mistkerlen seien. Diese Gruppe wären die Brüder selbst. Die andere Gruppe war die gesamte, restliche Welt, aber man will ja nicht kleinlich sein.

Fakt war, sie waren alleine in dieser großen Welt, die irgendwie heute ein wenig größer schien, als sie schweren Herzens durch die Wüste stapften. Ohne Wagen, ohne Schutz vor der prallen Sonne und nur mit den Dingen am Leib, die sie tragen konnten.

Und Helmut dem Hummer. „Wer hätte auch ahnen können, dass ein Bär das Hamsterrad nicht überleben würde?“, grummelte Bordo und trat gegen einen kleinen Sandhaufen, der das tat, was ein Sandhaufen eben so machte, wenn man gegen ihn trat: Er verteilte sich in kleinere Sandhaufen um.

„Nunja, ein Bär ist eben nicht für ein Hamsterrad ausgelegt und…“

„Ja, ja…“ Olaf wedelte mit der Hand, die nicht krampfhaft versuchte Helmuts Glas festzuhalten, in der Luft herum, um somit Brontus zum Schweigen zu bringen. Etwas, was er gerne tat, denn Brontus redete einfach gerne und viel zu viel. Ehrlich, wenn er noch eine Weisheit von Karl Ender hören musste, würde er morden. „Und ein Hummer ist keine Waffe. Tiere sind anpassungsfähig. Das nennt sich Revolution.“

„Meinst du nicht Evolution?“

„Nein, nein. Ich meine Revolution: Du weißt schon, wenn sich etwas anpasst um zu überleben.“ Die so oder so weichen Gehirne der Brüder wurden von der unerbittlichen Sonne nur noch weiter gekocht und vielleicht, vielleicht auch nicht lag es an der Reflektion ebenjener Sonne auf Olafs glitschig glänzender Glatze, die ihnen zum Verhängnis wurde.

Geblendet von der öligen Pracht, sahen sie die sehr schlecht versteckte Grube genau vor ihren Füßen nicht. Nur ein Idiot, oder eine Horde Trauender würde diese offensichtliche Falle übersehen, und da die Brüder keine Trauernden waren… Nun, die Antwort kann sich jeder selbst geben.

Es war ein grausames Gefühl, als würde man im Dunkeln nicht nur eine Treppenstufe übersehen, sondern gleich den ganzen Fahrstuhl-Schacht. Der Sturz dauerte nicht lange, aber lange genug, das jeder der Brüder sein halbes Leben vor dem geistigen Auge aufblitzen sehen konnte.

Es war kein schönes Leben.

Sie konnte nicht einmal schreien, so abrupt und plötzlich war der Sturz gewesen und der Sand rieselte ihnen nach, als wäre es Regen über der Steppe. „Wer lebt noch?“, stöhnte Oleg, die Hand tastete über de sandigen Boden, auf der Suche nach seiner Brille. Sand und noch mehr Sand. Verdammt, seine Gläser waren sicher verkratzt worden.

„Ich!“

„Na toll, von allen musste ausgerechnet Olaf überleben.“ Er packte seine Brille und drückte sie wieder auf seine Nase, den Sand aus seinen Augen blinzelnd. Die Sonne schien unbarmherzig auf sie herunter, aber wann war diese Welt schon jemals barmherzig zu ihnen gewesen? Nein, nein, die Welt hatte sie immer getreten, geschlagen, nach unten gedrückt, versucht klein zu halten. Aber wer war die Welt schon gegen einen Bobo. Oleg stöhnte genervt, als er sich aufsetzte, den Schaden begutachtete. Keiner hatte einen gebrochenen Nacken, in Bordos Fall war er sich nicht einmal so sicher, ob er überhaupt einen Nacken hatte. „Wo zum Henker sind wir?“

„Ich würde sagen, dass das hier eine Grube ist!“

Brontus richtete sich auf, während die Anderen auch langsam aber sicher zu sich kamen. Er sah nach oben, das Gesicht entspannt. „Karl Ender sagt, dass wer anderen eine Grube gräbt, hat meist ein Grubengrabgerät.“ Und dieses Grubengrabgerät war fantastisch. Die Grube war tief, verdammt tief und die Wände waren aus gepresstem Sand, an dem sie weder nach oben klettern konnten, noch genug Halt finden konnten, ohne, dass die Wand nachgab.

Sie saßen in der Falle.

Verdammt.

Das konnten sie nach Bobs Tod gerade noch gebrauchen!

Oleg seufzte schwer, klopfte seine Taschen ab auf der Suche nach etwas, womit er etwas basteln konnte. Man nannte ihn den MacGyver der Wrestler, was an sich kein wirkliches Kompliment war, denn die wenigsten Wrestler waren am Werken interessiert. „Verdammt, ich habe nichts dabei. Die scheiß Entertainer haben die meisten meiner Sachen behalten. Aber… vielleicht kann ich aus was anderem was basteln?“ Seine Augen wanderten zu Olafs Hummer, der, wie durch ein Wunder, noch immer in seinem feuchten Gefängnis war, unbeschadet!

Wenn er Olafs Outfit als eine Art Seil benutzen würde und den Hummer daran festmachen würde, könnte er ihn sicher hochwerfen und der Hummer hielt sich dann an irgendwas fest und…

„Wag es dich“, zischte Olaf und drehte sich schützend vor seinen Hummer. Er wusste nicht, was sein Bruder plante, aber er traute ihm nicht mit seinem Hummer. Er traute Oleg mit vielem, aber nicht mit seinem Hummer. Zumindest, bis zu dem Tag, an dem er das Rätsel lösen konnte, wieso er, als einziger der Bobo Brüder, einen russischen Akzent hatte, der ab und an ins Französische umschwang. Aber er war nicht der einzige mit schlechten Ideen.

Ein Markenzeichen der Bobo Brüder.

„Quetschkanone!“ Bordo sah zu Olaf auf, ein grimmiges Schimmern in seinen Augen. „Quetschkanone!“, wiederholte er und Olaf nickte. Eine fantastische Idee, wirklich. (Nein, war es nicht.)
Er ging in Stellung und Bordo warf sich mit seinem kleinen, kompakten, fetten Arsch in seine Arme und er quetsche ihn. Das Öl tropfte dabei von seinen wortwörtlich stählernen Muskeln und machte die ganze Sache glitschig und binnen von Sekunden war Bordo nicht mehr Bordo sondern ein tödliches Projektil, das hoch in die Luft flog.

War es ein Vogel?

War es ein Flugzeug?

Nein!

Es war Bordo, der es mal gerade bis zur Hälfte der Grube schaffte, bevor er mit voller Wucht gegen die Wand donnerte und einen wütenden Abdruck hinterließ. Mit einem Stöhnen fiel er zurück und wurde von einem seiner Brüder gefangen und sanft wieder auf dem Boden abgesetzt. „Quetschkanone ist eine dumme Idee.“ Oleg seufzte schwer, ging die Grube einmal, zweimal ab, aber es blieb eine verdammte, beschissene, kleine Grube.

„Wir könnten den Doomsday Device versuchen.“

„Das bringt auch nicht viel mehr…“

„Hoch Drei.“ Die Stille die daraufhin zwischen die Brüder fiel, fiel härter und schwerer als Bordo noch vor wenigen Sekunden und alle Augen richteten sich auf Oleg, der nicht nur unter der heißen Sonne, sondern auch ihren Blicken schmolz. Er wusste, was er gerade vorgeschlagen hatte. Er wusste, das es dumm war… Im besten Falle.

„Aber der ist doch verboten.“

Er nickte und war sich sehr wohl darüber bewusst, dass es verboten war, aber… es war vielleicht ihre einzige Chance hier heraus. „Ja, ja. Verboten. Aber Brontus? Sagt Karl Ender nicht, dass man die Schranken des Verbotenen zertreten muss, oder so einen Unsinn?“ Er fuchtelte mit der Hand in der Luft herum, als wollte er eine lästige Fliege vertreiben. „Ja, ja… Karl Ender sagt, dass man sich von den Scheuklappen der Furcht lösen muss, oder man bleibt für immer nur ein folgsamer Gaul…“

„Wir müssen hier raus. Ok? Bevor die Sonne uns killt, oder der, der die Grube gegraben hat, uns abholen kommt. Also los!“ Es war gefährlich. Die Chancen sich zu verletzen waren viel, viel zu hoch und es gab einen Grund, ach, tausende Gründe den Doomsday Device Hoch Drei nicht zu versuchen, aber sie hatten nur eine Chance.

Diese eine Chance. Und sie waren bereit dafür.

Sie waren nicht bereit dafür.

Das war der eindeutige Konsens, den sie daraus zogen, als sie wimmernd und weinend auf dem Boden lagen, Abschürfungen an Stellen, an denen eigentlich nie etwas abgeschürft werden sollte. Ein Fehlschlag.

Man könnte sagen, ein kritischer Fehlschlag.

Noch ein Loch, noch eine Gruppe Trauender.

Verdammt, Nook würde sich bald zu ihnen gesellen dürfen, wenn die nächste Grube wieder nur einen Haufen wimmernder Idioten haben würde. Könnte nicht zumindest ein Kaninchen, oder irgendwas Essbares in eine Grube fallen? Die Kinder des Chaos waren vielleicht chaotisch, aber auch sie mussten ab und an was essen. Er seufzte, schulterte sein Grubengrabgerät und machte sich mit dem Wagen auf zu der letzten Grube für heute. Schon von weitem konnte er das Heulen hören. Fantastisch, noch mehr Trauernde.

Er stöhnte, und ging auf die Grube zu, sah nach unten, aber zu seiner Überraschung waren dort keine vier Trauernden, sondern… Vier sehr verzweifelte Männer. Sie sahen ein wenig angeschlagen aus, mit Schürfwunden hier und da, aber ansonsten… lebendig! Ein verdammter Glücksgriff. „Na, was macht ihr denn in meiner Grube“, grinste Nook, die Hände in die Hüften gestemmt. Die Sonne schien in seinen Nacken, aber nichts kochte so heiß, wie sein Blut. Mother hatte gesagt, die Fallen die er gestellt hatte wären dämlich und nur absolute Vollidioten würden da hinein laufen, aber hier war er, vier neue Jungs für das Entertainment Programm.

Mother würde ihn reich belohnen.

„Mein Name ist Brontus Bobo und ich wohne hier“, antwortete der Fette von ihnen und Nook würde lügen, wen er sagen würde, dass ihn das nicht ein wenig aus der Bahn warf.

„Aber… das ist meine Grube…“ Er deutete auf sein patentiertes Grubengrabgerät. „Ich hab sie gemacht.“

„Also, Karl Ender sagt, dass die Welt dein Zuhause ist, solange du ein offenes Herz hast.“ Der Fette hatte irgendwas genommen. Nook war sich nicht sicher was er genommen hatte, aber er wollte auch was davon. „Offenes Herz? Klingt nach nem kardiologischen Problem, mein Freund.“ Er wurde unterbrochen.

„Genug der Laberei, Kleiner! Holst du uns jetzt hier raus oder nicht?!“ Der Kleinste keifte zu ihm rauf und er sah aus als würde er am liebsten zu ihm rauf kommen und ihm die Fresse polieren. Kleiner Giftzwerg, vor dem würde Nook sich sicherlich in Acht nehmen, danke sehr.

„Sicher, irgendwann müsst ihr da raus. Ich meine, tot bringt ihr Mother nichts und ihr seid jetzt ihr Eigentum, nach den hochheiligen Regeln dieses Landes.“ Er grinste, setzte sich an den Rand der Grube, die Beine leicht über den Rand baumeln lassend. Oh, er war amüsiert. Die Vier da unten weniger, was?

„Wat?!“ Die Antwort war schnell und sprach von wenig Intelligenz. Aber was sollte Nook sagen, er hatte jetzt auch nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen. Er grinste sehr breit herunter, seine lückenhafte Bildung stand nur den lückenhaften Zähnen nach.

„Naja, ihr seid hier schon irgendwie in Mothers Land. Und dadurch, weil ihr in ihrem Gebiet seid… seid ihr ihr Besitz.“

„Mutterland? Nein, man. Wir kommen nicht von hier.“

„Sag… ich doch. Mothers Land. Das Land von Mother.“ Nook war sich nicht sicher, wer von den vieren gerade die eine Gehirnzelle benutzte, die sie sich anscheinend teilten, aber er hoffte, dass die Person als nächstes Antworten würde.

„Ich hab kein Schild gesehen, also…“ Nein… Nein, er hatte die Gehirnzelle nicht. Schade. Nook seufzte schwer. Er hatte gehofft, dass er das Ganze ohne irgendwelche Probleme lösen konnte, aber er musste die Idioten wohl betäuben. Er seufzte noch ein wenig schwerer, während er die kleine Bombe mit dem Betäubungsgas von seinem Gürtel löste.

„Warte, warte!“ Der Glitschige der Männer hob die Arme, als wollte er ihm Einhalt gebieten. „Warte, was auch immer du da runter werfen willst, lass es. Ich biete dir… Öl im Gegenzug an.“

„Öl?“

„Ja, Oil of Olaf! Ein Produkt, das im Kommen ist und sehr, sehr gefragt.“

Oil of Olaf? Das klang weniger… sexy. „Aber ich kann mir das Öl doch auch nehmen, wenn ihr alle ohnmächtig seid? Ich meine, ich werde so oder so all eure Besitztümer an mich nehmen, also…“

Der letzte der Männer schüttelte einfach nur den Kopf, bevor er in einem dicken, russischen Akzent hoch rief: „Wirf einfach die Bombe. Ich halte das nicht mehr aus.“ Und da war er. Der Mann auf den Nook gewartet hatte. Der Mann mit der einzigen Gehirnzelle zwischen den Vieren und mit einem Grinsen ließ er die Bombe fallen. Dichtes Gas breitete sich zwischen ihnen aus und einer nach dem Anderen fing an zu husten und zu prusten und schließlich kollabierten sie alle auf dem Boden. Ohnmächtig und sich nicht mehr bewegend. Nun, alle abgesehen von dem Hummer, den der glitschige Typ umklammert hielt. Warum hatte er einen Hummer dabei?

Aber… in dieser neuen Welt, da wunderte Nook nichts mehr. Auch kein Hummer, keine Trauernden, kein Öl und besonders keine vier Brüder, die ihm eine saftige Belohnung von Mother einbringen würde.

Die Welt war ein Nichts geworden.

Aber für Nook war das Nichts heute eine saftige Belohnung.

So wie Karl Ender schon sagte: Ein Nichts ist nicht für jeden ein Nichts.

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(Ich entschuldige mich im Vorraus für die Länge lul)

Ihr wollt also die Legende der Bobo Brüder hören? Die Geschichte der vier Helden der Postapokalypse? Ja, die meisten kennen ihre Abenteuer bei den Kindern des Chaos, wissen um die drei scheinbar unmöglichen Aufgaben denen sie sich entgegenstellen mussten, doch die wenigsten kennen den Ursprung, die Vorgeschichte, wie sie in die Fänge eines der gefürchtetsten Clans gerieten.

Um den ganzen Zusammenhang zu verstehen muss ich allerdings ein wenig ausholen, also macht es euch bequem, lehnt euch zurück, das hier könnte etwas länger dauern. Und denkt immer daran, egal was hier passiert, die Geschichte geht gut aus…oder?

Früher, also noch mindestens 10 Jahre vor ihrer Begegnung mit dem Chaos, lebten Oleg, Brontus, Olaf und Bordo in einer kleinen Siedlung. Ihr Vater erzog sie von klein auf zu Wrestlern. Tagein, tagaus hatten sie trainiert und kannten so gut wie nichts anderes. So verdienten sie auch ihren Lebensunterhalt mit dem Wrestling. Sie traten in Shows, auf Schaumärkten und sogar in Gasthäusern auf und so kannte sie bald fast jeder, der etwas von guter Unterhaltung hielt. Sie wurden geliebt, kleine Kinder nahmen sie sich als Vorbild, ‘Ich will genauso stark wie ein Bobo werden’ hieß es dann immer.

Doch wie ihr wahrscheinlich schon ahnt hielt dieser Zustand nicht lange an. Natürlich empfanden sie es alles andere als schlecht so vergöttert zu werden, doch auch die vier besten und engsten Brüder können sich auseinanderleben und so erkannte Brontus als erster, dass die Poesie Karl Enders und die Harmonie der Natur seine eigentlichen Leidenschaften waren.

Aus Loyalität zu seiner Familie blieb er dann aber trotzdem. Er wollte sie nicht verletzten und, vor allem, seinen Vater nicht enttäuschen, der doch stolz auf sie war, dass sie aus dem Wrestling so viel machten. Für ihn wurde es also nach und nach eher zu einer Pflicht, als einem Hobby. Er verlor die Leidenschaft und sah es schon fast als Qual an, sich jeden Tag wieder und wieder auf eine Bühne stellen zu müssen, nur damit andere Leute unterhalten wurden.

Was er zu dem Zeitpunkt nicht wusste war, dass er nicht der einzige war, dem es so ging. Er war nicht der einzige der vier, der das Wrestling nur aus Angst vor Enttäuschung machte. Nicht der einzige, der insgeheim eine ganz andere Leidenschaft hegte. Nicht der einzige, der eigentlich nichts lieber wollte als weg von zu Hause. Aber sie alle blieben, in dem Glauben, dass sie alle allein mit ihren Gedanken waren.

So zogen weitere drei, vier Jahre ins Land bis das Unaussprechliche eintrat: Ihr Vater wurde auf einer Reise infiziert. Ein Trauernder hatte sich unbemerkt an ihr Auto herangeschlichen. Keiner konnte sagen von wo er kam oder warum ihn keiner der fünf bemerkt hatte. Erst als es zu spät war und er sich schon am Bein ihres Vaters festgebissen hatte sahen sie ihn. Es war schrecklich mit anzusehen wie der Virus langsam die Überhand über einen Menschen nahm, besonders wenn es der eigene Vater ist. Wieder und wieder flehte er seine Söhne an es doch endlich zu tun, sein Leid zu beenden. Keiner hatte ihn je so hilflos gesehen. Für die vier war er immer der große, starke Vater gewesen, der sie hätte, vor allem beschützen können, was ihm über den Weg lief. Ihn jetzt so dort liegen zu sehen brach ihnen allen das Herz.

Keiner kann von einem verlangen den eigenen Vater zu töten und dennoch mussten sie es tun. Es war schmerzhaft, tränenerfüllt und dennoch erleichternd ihn nicht mehr leiden zu sehen. Sie alle schworen niemals darüber zu reden, was passiert war, was sie getan hatten. Tun mussten. So wurde es immer stiller zwischen den Brüdern. Ihre Auftritte wurden immer weniger, bis sie ganz aufhörten.

Es wurde immer stiller um die vier legendären Bobo Brüder, bis es schien, als hätte es sie nie gegeben. Jeder der vier hatte sich in seine eigene Welt zurückgezogen, weit weg von allen anderen. Sie alle staunten natürlich nicht schlecht, als sie entdeckten, dass sie alle nicht mehr wirklich etwas mit Wrestling am Hut haben wollten. Nach und nach zogen sie aus, gingen in die Welt und wandten sich ihren eigenen Leidenschaften zu.

Brontus ging wie schon erwähnt in die Natur. Er fand eine kleine, verlassene Hütte in einem Wald in der er sich niederließ. Den ganzen Tag konnte er sich mit dem Leben des Waldes und den Niederschriften Karl Enders befassen. Dabei entdeckte er wie wichtig ihm Harmonie eigentlich war und dass das, was ihn immer am meisten gestört hatte die Streite zwischen seinen Brüdern waren. Er entschloss sich ganz nach den Idealen Karl Enders zu leben und eine Existenz in Einklang mit seiner Umgebung zu führen.

Oleg gab sich komplett dem Handwerk hin. Er zog von Dorf zu Dorf bis er eine geeignete Werkstatt zum Niederlassen fand. Es war ein kleines Fischerdorf, mit nicht mehr als 70 Einwohnern, in dem er nun wohnte, doch ihm gefiel es hier und er brauchte auch nicht mehr die große Gesellschaft um sich herum. Davon hatte er damals bei den Auftritten schon genug gehabt. So lebte er nun, mit seinem Handwerk, reparierte Boote und Fischernetze, half hier und dort in der Fischerei und wurde so auch in der Gemeinschaft aufgenommen.

Olaf ging in die Großstadt, insofern man es Großstadt nennen konnte. 3000 Einwohner waren für damalige Verhältnisse aber doch schon viele, was ihm gerade recht kam. Er liebte die Gesellschaft von Menschen, konnte es nicht leiden, wenn keiner mit ihm redete und hatte so unter den letzten Wochen etwas gelitten. Aber hier an der Küste war es gesellig und er kam wieder unter Menschen. Außerdem konnte er sich hier ganz der Meeresbiologie hingeben, etwas das ihn schon lange beschäftigte. Nun konnte er endlich richtige Forschung betreiben und traf sogar auf einen gleichgesinnten. Mit ‘Professor’ ließ er sich anreden, doch das störte Olaf nicht. Von ihm lernte er fast alles, was er nicht vorher schon in Büchern gelesen hatte und er war ihm sehr dankbar, dass er dieses Wissen mit ihm so ohne weiteres teilte.

Bordo war derjenige, der zu Hause blieb. Er brachte es einfach nicht übers Herz ihr altes zu Hause mit dem Grab ihres Vaters komplett allein zu lassen nachdem alle seine Brüder gegangen waren. Und so lebte er weiterhin in dem Dorf, in dem sie aufgewachsen waren. Er kümmerte sich um das Haus, trainierte weiterhin und versuchte so sein Alltag wie bisher weiterzuleben.

Doch nach einiger Zeit merkte er, dass ihm etwas fehlte. Irgendetwas, was seinen Ablauf komplett machen würde. Er überlegte lange, bis er realisierte, was ihm genau fehlte. So kam es dazu, dass Bordo Bobo Lehrer an der nächstgelegenen Schule wurde. Er unterrichtete dort natürlich Sport, insbesondere Wrestling.

Wenn er gefragt wurde, warum er das denn täte antwortete er nur: ‘Warum nicht? ’. In Wahrheit wusste er, dass er jemanden brauchte, auf den er aufpassen konnte, auch wenn er das so niemals zugeben würde.

Die Kinder mochten ihn. Er brachte ihnen Dinge bei, ohne dabei streng zu wirken, nicht so wie die anderen Lehrer, die manchmal so aussahen als würden sie ihnen das Wissen gern einprügeln. Es war als wäre er wie für diesen Job gemacht gewesen.

So lebten sie alle über mehrere Jahre hinweg ihr eigenes Leben. Zum ersten Mal waren sie über eine längere Zeit von ihren Brüdern getrennt und es tat ihnen auch ganz gut. Es war wie ein Urlaub vom Stress der ganzen letzten Jahre. Sie waren komplett ungezwungen, hatten keine Auftritte, keine Termine, waren komplett losgelöst und konnten zum ersten Mal eigenständige Entscheidungen treffen. Natürlich vermissten sie die anderen von Zeit zu Zeit, aber wenn es zu schlimm wurde besuchte man einander dann doch oder man traf sich in dem alten Heimatdorf auf ein Bier oder zwei.

Als sie mal wieder dort saßen, in ihrem Stammgasthaus, waren sie doch alle einigermaßen überrascht, als Bordo mit einem Brief kam, der an sie alle vier adressiert war. Sie waren davon ausgegangen, dass die Öffentlichkeit sie mehr oder weniger vergessen hatte und dass alle, die ihnen etwas näherstanden wussten, dass nur Bordo noch in dem alten Haus wohnte.

Er brachte den Brief mit, weil er selbst natürlich nicht lesen konnte. Da Brontus wohl am meisten mit Büchern zu tun hatte fiel die Wahl auf ihn als Vorleser.

‘Sehr geehrte Herren Bobo,

ich hoffe, dass Sie diese Nachricht erreicht und dass Sie sie ernst nehmen. Die Berge im Westen sollten ihnen hoffentlich bekannt sein. Hier geht etwas nicht mit rechten Dingen zu. Ständig verschwinden Menschen und keiner kann sich das erklären. Unser Bürgermeister macht dicht und lässt uns aber auch nicht gehen. Ich glaube, wir werden hier für etwas benutzt, etwas Größeres, was uns…’

‘Der Brief endet an dieser Stelle. ’, stellte Brontus verwundert fest. ‘Etwas ungewöhnlich, wo der Brief doch so höflich angefangen hat. ’

Oleg überlegte einen Moment: ‘Ich glaube nicht, dass der Verfasser des Briefes freiwillig aufgehört hat zu schreiben. ’

‘Stimmt’, sagte Olaf, ‘guck dir mal die Schrift an, ganz verschmiert. Sieht nicht so aus, als hätte jemand dafür viel Zeit gehabt. ’

‘Wir sollten diesen Hilferuf ernst nehmen. ’ Alle drei drehten sich zu Bordo um, es war das erste Mal, dass er heute sprach.

‘Aber was, wenn es eine Falle ist? ’, fragte Brontus.

‘Ich glaube nicht, dass es eine Falle ist. ’, meinte Oleg, ‘Der Brief wäre sorgfältiger geschrieben und selbst wenn, was hätte jemand davon uns in eine Falle zu locken?’

‘Genau. Außerdem klingt der Brief sehr verzweifelt, es heißt, dass sie keinen Ausweg mehr hätten. ’, stimmte Olaf ihm zu.

Oleg lenkte nun auch ein, die Argumente der anderen waren einfach zu überzeugend. ‘Na gut, ihr habt Recht. Wir sollten wenigstens vorbeischauen. Wenn es aber wirklich eine so extreme Lage ist, wie es sich anhört, sollten wir einen Plan machen. ’

‘Den können wir uns auf dem Weg doch immer noch überlegen. ’ , meinte Oleg.

Olaf nickte zustimmend: ‘Genau, bis zu den Bergen sind es doch mindestens 5h Fahrt.’

‘Na gut, wie ihr meint. ’ Brontus wirkte nachdenklich, wahrscheinlich dachte er sich trotzdem schon für alle möglichen Situationen eine Lösung aus.

‘Also ist es beschlossene Sache, dass wir dorthin fahren um wenigstens nach dem Rechte zu schauen? ’, fragte Brontus noch einmal abschließend.

‘Naja, ignorieren können wirs schlecht, da hätten wir lebenslang ein schlechtes Gewissen. ’ Sie alle nickten. Oleg hatte recht, wenn sie es ignorierten, könnte wahrscheinlich keiner von ihnen mehr ruhig schlafen. Sie würden nie wissen, was dahintersteckte und, ob die womöglich hätten Menschenleben retten können.

Also war es beschlossene Sache, sie würden in die Berge fahren, um zumindest nach dem Rechten zu sehen. Sie beschlossen alle in ihrem ehemaligen Haus zu schlafen, was eher in einer Übernachtungsparty als allem anderen endete. Auch wenn sie sich einmal im Monat trafen war es immer noch zu selten, sie alle hatten so viel zu erzählen, dass sie kaum zum Schlafen kamen und am nächsten Tag erst gegen Mittag aufwachten. Sie packten alle Sachen zusammen, die wichtig werden könnten und fuhren an dem Gasthaus vorbei für ein wenig Proviant. Sie hatten nicht vor sehr lange zu bleiben und mit dem Gedanken spätestens nächste Woche wieder zu Hause zu sein stiegen sie in ihr Auto und fuhren los. Zuerst klapperten sie noch die Wohnstellen von Olaf, Brontus und Oleg ab die zu Hause auch noch Dinge hatten, die in der ein oder anderen Situation durchaus hilfreich werden könnten. Sie wussten schließlich immer noch nicht genau, worauf sie sich vorbereiten sollten, weil der Brief ihnen relativ wenig Informationen bot.

Als sie bei allen vorbeigefahren waren machten sie sich endgültig auf den Weg nach Westen. Sie sind relativ spät losgefahren, weshalb es ziemlich schnell dunkel wurde. Zuerst versuchten sie sich noch gegenseitig durch Geschichten wach zu halten. Oleg erzählte von einem Boot, dass, so wie es aussah, von einem großen Kraken attackiert worden war und Brontus gab ein paar poetische Sätze Karl Enders zum Besten. Mit fortschreitender Zeit wurde es aber immer ruhiger und Olaf, der fuhr, war froh, dass leise Musik lief, damit er nicht auch noch beim Fahren einschlief. Sie waren mittlerweile in den Ebenen angekommen, also gab es auch nicht viel Natur, an der er sich hätte erfreuen können.

Als er so vor sich hin fuhr versank er in Gedanken. Er hatte das schon irgendwie vermisst, das Reden mit seinen Brüdern oder eher seine Brüder allgemein. Klar, in der Stadt gab es auch Menschen, mit denen man sich unterhält, aber das hatte nicht so etwas vertrautes. Immer war oberflächlicher Smalltalk der Begleiter in der Stadt gewesen aber hier, hier konnte er sich auch mal über ernstere Themen unterhalten, man konnte auch mal über Sachen ehrlich diskutieren oder einfach mal miteinander über die dümmsten Dinge lachen. Ob es das Wrestling war, Bodors Geschichten von Schülern oder End of Road, es war immer sehr unterhaltsam. Warte mal… End of Road?

Olaf hatte das Schild vor sich nur unterbewusst wahrgenommen und musste eine scharfe Bremsung hinlegen, die er grade so schaffte. Vor ihnen war ein Abgrund über den eigentlich eine Brücke führen sollte, aber jemand hatte einige Planken entfernt, so dass man sie unmöglich mit dem Auto überqueren konnte.

Von der Bremsung waren die anderen drei wieder wach geworden und kamen nun so langsam zu sich.

‘Was ist los? ’, fragte Oleg immer noch schlaftrunken.

Olaf drehte sich zu ihm um: ‘End of Road steht da, hier gehts nicht weiter’

‘Dann müssen wir wohl wieder umdrehen und einen anderen Weg finden. ’, murmelte Brontus.

Olaf legte den Rückwärtsgang ein, doch als er losfahren wollte hörte er nur das unangenehme Geräusch von einer Felge auf Sand. ‘Scheiße! ’, rutschte es ihm heraus und er stieg aus dem Auto. Tatsächlich hatte das Auto zwei Platten, welche beim genaueren Hinsehen durch Nägel verursacht wurden, die auf dem Boden verteilt waren. Beim Anblick der Nägel kam in ihm ein panisch Gefühl auf. Er setzte sich wieder ins Auto und die anderen sahen ihn erwartend an. ‘Was ist denn jetzt? ’ fragte Oleg, ‘Fahren wir weiter oder nicht? ’

Olaf sah daraufhin nur die anderen an und schüttelte den Kopf. ‘Brontus hatte Recht. ’ Auch Bordo war jetzt wach und zählte eins und eins zusammen. Olaf nickte. ‘Mit was hatte ich Recht? ’, Brontus schien verwirrt. Auch Oleg schien nicht genau zu wissen was sein Bruder meinte. ‘Es ist eine Falle. ’, Olaf konnte nur flüstern, die Stimme blieb im fast im Hals stecken. Oleg entgleisten die Gesichtszüge: ‘WAS? ’ ‘Pschhhhh’, kam es direkt von allen drei anderen. ‘Vielleicht haben sie und noch nicht entdeckt, da wäre leise sein von Vorteil! ’, kam es scharf von Olaf.

In die Stille hinein fragte Oleg dann etwas leiser: ‘Was machen wir jetzt? ’

Wieder wurde es ruhig, die vier schienen zu überlegen. ‘Wir könnten abhauen…’, schlug Olaf vor. Bordo schien dieser Gedanke nicht wirklich zuzusagen. ‘Wir sind in der Nacht mitten im Nirgendwo, das einzige Licht was wir haben ist der Mond und hier ist nirgendwo irgendwas wo wir uns verstecken können. Abhauen bringt hier nichts. ’

‘Ja, aber was sollen wir sonst tun? Hierbleiben und auf diejenigen warten, die die Falle gelegt haben? ’, Olaf klang sehr verzweifelt. Oleg stimmte Bordo zu: ‘Selbst, wenn wir jetzt loslaufen würden, hätten sie uns beim Morgengrauen schon längst eingeholt! ’ Doch Olaf wollte nich von seiner Idee loslassen. ‘Einen Versuch ist es wert, ich möchte mich nicht in die Fänge von wem auch immer begeben! ’

‘Die Kinder des Chaos. ’ Alle schienen überrascht, dass auch Brontus sich jetzt zu Wort meldete, wo er sich in Diskussionen doch eher immer zurückhält. Oleg wirkte aber auch verwirrt aufgrund der zusammenhanglosen Aussage. Er fragte nach: ‘Was? ’ Brontus drehte sich zu ihm: ‘Die Kinder des Chaos haben mit hoher Wahrscheinlichkeit diese Falle gelegt. ’ ‘Scheiße. ’, diesmal rutschte es Olaf nicht nur so raus.

Eine drückende Stille breitete sich ihm Fahrzeug aus. Sie alle wussten wer die Kinder des Chaos waren. Sie waren ein grausames Volk, dass nur den Regeln der ‘Mother’ gehorchte. So nannte sich ihre Anführerin. Sie versklavten jeden, der ihnen widersprach und waren dabei knallhart. Wenn diese Falle also wirklich von ihnen stammen sollte, dann wussten sie genau, dass auf sie ein elendiges, langes Ende zukam.

Sie alle versanken in Gedanken, akzeptierten mehr oder weniger schon ihr Schicksal und waren alle so mit sich selbst beschäftigt, dass sie das Licht am Horizont, was ihnen immer näher kam erst bemerkten, als Brontus sie darauf hinwies: ‘Uhm, Leute? ’

‘Ja? ’ fragte die anderen drei fast zeitgleich. Brontus zeigte mit seinem Finger durch das rechte Fenster und sah sie panisch und besorgt an. ‘Da hinten. ’ Die anderen schauten natürlich sofort nach, was es dort zu sehen gab und verfielen leicht in Panik: ‘Fuck. ’

Sie alle wussten, dass das Licht nichts Gutes bedeuten konnte, vermutlich wurden sie entdeckt im besten Fall von jemandem, der ihnen helfen würde, im schlechtesten Fall von den Kindern des Chaos selbst.

Alle vier wussten, dass wegrennen jetzt keine Lösung mehr war, also sahen sie sich an und stiegen aus dem Auto aus. Wenn es jemand war, der ihnen helfen konnte, wäre es besser sie zeigen sich sofort so, friedlich. Bei den Kindern… Wenn sie kämpfen mussten wäre es besser sich jetzt drauf vorzubereiten und nicht erst auszusteigen, wenn man schon umzingelt war. Noch hatten sie Hoffnung gehabt, doch als sie draußen waren hörten sie bereits das irre Lachen und als sie näher kamen konnte man auch die fröhlichen, absurd grellen Farben, mit denen die Autos bemalt waren, erkennen. Sia alle wussten, dass es nun um sie geschehen war und dennoch war ihnen klar, dass sie nicht kampflos untergehen würden.

‘Ich hoffe ihr könnt immer noch wrestlen? ’, fragte Olaf. Er versuchte noch in der letzten Minute seine Angst hinter Humor zu verstecken, doch man konnte klar das Zittern aus seiner Stimme heraushören. Die Autos der Kinder des Chaos waren nun fast bei ihnen als sie ihre Formation für das Hamsterrad einnahmen.

Die ersten die aus den Autos ausstiegen wussten nicht einmal was geschah, als sie von einem riesigen Haufen aus vier Wrestlern überrollt wurden, doch nach den ersten vier überwältigten Angreifern wurden sie gestoppt. Es waren einfach zu viele für die vier allein. Mit einem geschickten Griff wurde einer nach dem anderen herausgezogen und in Ketten gelegt.

‘Ein paar schöne Moves habt ihr da. ’, sagte ein hämisch grinsender Mann. ‘Die werden Mother bestimmt gefallen. ’

Er stellte sich direkt vor Olegs Gesicht: ‘Gefallen wird ihr sicher auch, dass ihr einfach so auf den Brief hereingefallen seid. Da muss man euch nur einmal um Hilfe bitten und den Verzweifelten spielen, schon springt ihr wie ein paar Hunde. ’ Oleg musste das Verlangen unterdrücken ihn direkt in sein grinsendes Gesicht zu spucken.

‘Oh wie schön, dass wir Mother heute bringen können wonach sie so sehr verlangt hat. Ihr werdet schon sehnlichst erwartet und sie hat auch schon ein paar… Dinge vorbereitet. ‘ Hämisch lachend stieg er wieder in sein Auto während den vier Brüdern ein Sack über den Kopf gezogen und sie auf die Ladefläche eines Pick-Ups verfrachtet worden. Der Wagen wurde angelassen und sie fuhren los.

‘Scheiße man, wir hätten…’, fing Olaf an, doch er wurde forsch vom Fahrer des Wagens unterbrochen: ‘Hey! Keine Unterhaltungen dort hinten! Oder wollt ihr, dass eure Ketten noch enger werden? ’

‘Karl Ender hat immer gesagt: Wer andere in Ketten legt ist im Herzen selbst gefangen. ’, zitierte Brontus, vielleicht hoffte er den Mann damit zu beruhigen, aber der hatte offensichtlich nicht die Absicht ruhiger zu werden: ‘Und ich hab gesagt: Klappe halten! Also macht das gefälligst! ’

Der Rest der Fahrt verlief ruhig, genauso wie das darauffolgende verfrachten in die äußerst kleinen Käfige. Olaf und Oleg rutschten noch ein paar bissige Kommentare raus, wofür sie dann aber auch direkt Schläge kassierten.

Nun saßen sie da, unsere vier Helden, in den Käfigen der Kinder des Chaos gefangen. Scheinbar ohne einen Ausweg oder eine Zukunft.

Die Vorgeschichte der Bobo Brüder, ihr wolltet sie ja hören, hier habt ihr sie nun also. Keiner weiß so genau was damals passiert ist, deshalb gibt es keine Garantie, aber mit großer Sicherheit war es ungefähr so. Schließlich ist an jeder Legende etwas Wahres dran…oder?

Nach dem Ausbruch des T.E.A.R.S.-Virus ist zwar nichts mehr wie es war, aber dennoch versuchen die Überlebenden etwas Normalität ist den tristen Alltag zwischen Kampf und Angst zu bringen. So auch unsere vier Brüder – die Bobos! Oleg, Brontus, Bordo und Olaf sind DIE weltberühmten (eigentlich kennt sie keiner) und berüchtigten (auch das stimmt nicht, aber sie glauben es nunmal) Bobo-Brüder, bekannt für ihre Kraft und Wrestling-Geschick. Dieses ausserordentliche Talent nutzen sie nicht nur gegen die Trauernden, sondern verdienen sich mit kleinen Shows an manchem tristen Abend Lebensmittel, um über die Runden zu kommen.

Es war am snashte Tag des achten Monats, als wieder so ein Abend anstand. Die vier Brüder gaben alles, zeigten all ihr Können, sogar das Hamsterrad of Doom und die Menge rastete völlig aus vor Begeisterung.

Um diesen denkwürdigen Abend gebührend zu feiern, kehrten Oleg, Brontus, Bordo und Olaf in einer zwielichtigen Spielunke ein. Sie tranken und tanzten, zeigten ein paar begeisterten Fans ein paar kleine Tricks und ließen es sich richtig gut gehen.

Bis SIE auf der Tanzfläche erschien – Dom-Ina! Es traf die vier Brüder wie ein Donnerschlag, es war Liebe auf den ersten Blick. So versuchte jeder sie auf seine Art zu beeindrucken. Oleg, mit seinem charmanten russischen Akzent, Brontus mit seinen Lebensweisheiten, Olaf mit seinem öligen Körper. Eingeschüchtert von dem Können seiner Brüder wurde Bordo übermütig. Er dachte, er könne Dom-Ina, die selbst 250kg wog, mit seiner Kraft beeindrucken. Und so packte er an der Hüfte und den Armen, um sie mit einem Ruck auf seine Schultern zu packen. Doch wie so oft hatte er sich mal wieder völlig überschätzt. Dom-Ina krachte auf seinen Helm und flog im hohen Bogen Richtung Olaf, dem entglitt sie aber durch seinen öligen Finger und so flutschte sie gegen Oleg und Brontus. Deren stählernen Körper gaben jedoch nicht nach und so brach sie sich nicht nur einen Zahn aus, sondern auch noch den kleinen Finger.

Die Bobos waren wie erstarrt. Doch zu all ihrem Pech kam auch noch Unglück dazu, denn Dom-Ina war nicht irgendeine Frau, sie war die Schwester von Speaker, der rechten Hand von Mother, dem Oberhaupt der Kinder des Chaos. Als er sah was mit seiner geliebten Schwestern veranstaltet wurde, war er ausser sich vor Wut. Allerdings sah er auch das Potential, welches in den vier Bobos steckte. Und so beschloss er, sie gefangen zu nehmen, für irgendetwas werden diese (Chaos)Brüder schon gut sein…

Kapitel 1: Ein erster Abschied

Die Bobos waren am Boden zerstört. Heute mussten sie von dem Mann Abschied nehmen, der sie zu dem gemacht hatte, was sie jetzt waren. Der sie geformt hatte und mit Wissen gefüllt hatte. Der sie zu jeder Stunde, gar jeder Minute seit ihrer Geburt begleitet hatte. Der sie fast genauso gut kannte, wie sie selbst. Ihr Vater Hauke Bobo war heute in den frühen Morgenstunden von ihnen gegangen. Die vier Brüder wussten, ihr Vater war schon lange krank gewesen, auch wenn er es immer versuchte vor ihnen zu verheimlichen. Der Tod kam daher nicht überraschend, dafür war er aber nicht weniger schmerzhaft. Die vier Brüder hatten die letzten Stunden bei ihrem Vater verbracht.

Oleg wand sich als erstes von der leblosen Gestalt ab und begab sich nach draußen an die frische Luft. Diese kleine, windschiefe Hütte in der er mit seinen Brüdern und seinem Vater lebte, war für ihn etwas besonderes. In dieser Hütte hatten er und seine Brüder gelebt und miteinander trainiert. Er hatte seine Kunst zur Glasbläserei hier perfektioniert und sogar eine illegale Raupenzucht geführt. Jede der vielen Wandbretter hatte Brontus schon einmal zerschlagen und Oleg hatte sie wieder mit seinen mechanischen Fähigkeiten reparieren müssen. Jetzt da der Vater tot war, würden sie auch nicht mehr länger in der Hütte leben. Sie würden dafür sorgen, der der Name Bobo in der ganzen Welt ein Begriff war. Oder zumindest in dem Teil der Welt in dem noch Leben existierte.
Aber zuerst würden die vier Brüder ihrem Vater noch die letzte Ehre erweisen. Oleg ergriff den Stil des Spatens, der an der Wand der Hütte lehnte und fing an damit ein Loch zu graben. Auch wenn sein Vater sie immer hart herangenommen hatte und Oleg ihn innerlich verflucht hatte, hatte er diesen alten weißen Mann geliebt. Er würde das Grab ganz auf russische Art aus dem Boden schaufeln. 2 Meter tief und groß genug, dass sein Vater darin Platz finden würde. Auch wusste er, dass es in Russland üblich war, während man ein Grab aushob, laut auf Russisch immer wieder auf 10 zu zählen. “Snjazch! Dwas! Snjazch! Dzwansisch! Dznaijez! Gunitsch! Darnisch! Dnjasnisch! Gulgtch! Brubratsch! Snjazch!..”

Brontus hatte sich in eine Ecke des kleinen Raumes zurück gezogen. Dort hatte er zehn der Bücher des großartigen Karl Enders um sich liegen. Er war sich sicher, dieser großartige Mann würde ihm durch diese dunkle Stunde führen. Außerdem wusste er, dass seine Brüder von ihm erwarteten eine Rede am Grab ihres Vaters zu halten. Schließlich war er der intellektuellste von ihnen und konnte all die großen Weisheiten des großartigen weisen Karl Ender. Brontus wollte zur Ehren des Mannes, der ihn großgezogen hatte besonders ehrenvoll gestalten. Er war sich sicher, dass er die richtigen Worte finden würde. Karl Ender würde ihm dabei helfen.

Auch nach Ausbruch des T.E.A.R.S. Virus war es üblich seine Toten die letzte Ehre mit der letzten Ölung zu erweisen. Als ausgewiesener Experte in diesem Gebiet wurde Olaf diese besondere Aufgabe zu teil. Olaf hatte sein bestes Öl, das nur sehr leicht nach ranzigem Fischöl roch, aus seinem Vorrat gewählt. Mit einem kräftigen Druck auf die Tube hatte er das Öl über den Körper seines Vaters verteilt. Hingebungsvoll, so als wäre es sein eigener Körper verteilte er das Öl gleichmäßig. An jeder Stelle wurde das Öl sanft einmassiert.
Olaf wusste sein Vater erwartete viel von ihm. Kurz vor seinem Tod hatte der Vater ihn noch zu sich nach unten gewunken. Als er mit seinem Ohr ganz nahe an dessen Mund war, konnte Olaf die Stimme des alten Mannes verstehen: “Olaf, du bist… der größte unter… deinen Brüdern. Wenn ich nicht… mehr da bin, ist es deine… Aufgabe auf sie aufzupassen.” Und dieser Aufgabe würde sich Olaf annehmen.

Kaum hatte Olaf die Ölung seines Vaters beendet und Oleg das Grab ausgehoben, trat Bordo an das Bett seines Vaters. Als ältester der vier Brüder war es seine Aufgabe den Mann in das Grab zu tragen. Er war zwar der kleinste unter den vier Brüdern, aber an Körperkraft mangelte es ihm nicht. Bordo streckte noch mal seine Arme aus, drehte den Kopf nach links und rechts und schob dann seine Arme unter den Körper seines Vaters. Mit einem Ruck schmiss er den Toten über seine Schulter und trug ihn so zum Grab. Dort ließ er den Körper wie einen Sack Kartoffeln in das Loch fallen.

Auch die drei anderen Brüder versammelten sich nun um das Grab. Bordo nahm sogar zu Ehren seines Vaters seinen Helm ab. Olaf hatte sich mit feinstem Beerdigungsöl eingeschmiert. Oleg hatte ein riesiges Taschentuch hervorgeholt mit dem er sich seine Nase schnäuzte. Brontus räusperte sich. “Ich habe für unseren großen Vater eine Rede vorbereitet. Wie Karl Ender schon in seinem Buch geschrieben hat: ‘Vier starke Brüder brauchen auch immer einen starken Vater, der sie durch das Leben führt.’ Diesen Vater haben wir nun leider verloren. Der Verlust ist schmerzhaft, aber das Leben geht weiter. Vater hätte nicht gewollt, dass wir trauern. Wir sollten ihn stolz machen und zeigen, was in den Bobo-Brüder steckt. Denn wie Karl Ender schon sagte: ‘In jedem Ende steckt der Anfang für ein großes Abenteuer.’ Lasst uns unseren Vater ehren, wie es sich für einen Bobo gehört”
Die vier Brüder streckten jeweils eine Hand über das Grab und gleichzeitig riefen sie “Bobo Schelle Vier D” während sie die Hand nach unten schlugen. Damit zeigten sie ihrem Vater ihren ganzen Respekt. Bordo hatte noch ein altes Plakat gefunden auf dem ihr Vater für seine Shows geworben hatte. Mit großen Lettern stand darauf geschrieben. “Der große Hauke Bobo. - Gamemaster.” Dieses legte Bordo zu seinem Vater ins Grab.

Dann nahm sich jeder der vier Brüder einen Spaten und sie schaufelten gemeinsam das Grab zu. Nachdem das Grab wieder mit Erde aufgefüllt war, gingen die Brüder zurück in die Hütte. In einer Ecke lagen vier Rucksäcke. Drei mit Batman und einen mit My Little Pony darauf. Jeder der vier Brüder nahm sich einen dieser Rucksäcke. Denn eines war für sie von Anfang an klar gewesen. Jetzt wo ihr Vater nicht mehr war, war es an der Zeit, dass sie die Dinge selbst in die Hand nahmen und sich in die große weite Welt begaben.


Kapitel 2: Vier alte Herren

Die vier Brüder wanderten schon seit mehreren Tagen. Bisher waren sie zwar in einigen Städten vorbei gekommen. Doch in den meisten wurden sie einfach fortgejagt. In dieser Welt waren Wrestler nur noch bedingt bei den Leuten beliebt. In einigen kleineren Siedlungen hatten sie zwar ihr Können unter Beweis stellen können, aber der Erfolg den Namen Bobo Brüder unter der Bevölkerung zu verbreiten, hielt sich noch in Grenzen. Immer weiter entfernten sich die vier von ihrer Heimat und mittlerweile waren sie sich nicht mehr so zuversichtlich, ob sie es schafften den Namen Bobo groß zu machen. Wenn sie nicht bald auf eine Gelegenheit dafür stoßen würden, wäre es wohl Zeit wieder zurück zu ihrer Hütte zu kehren und dort ein friedliches und langweiliges Leben zu führen.

Doch jetzt wollten sie noch nicht aufgeben. Vielleicht würde ja schon um die nächste Ecke ein Abenteuer auf sie warten. Der Wald, den die vier Brüder gerade durchquerten, lichtete sich und sie konnten am Horizont eine Höhle ausmachen. Oleg macht seine Brüder darauf aufmerksam. “Ich chabe entdeckt da vorne eine Chöhle. Da könnte sein viel Gold. Das macht Bobos sechr reich.” Sein Bruder Olaf war davon natürlich sofort begeistert. “Lasst uns da hin gehen. So richtig viel Gold können wir gebrauchen. Damit machen wir die Bobos berühmt.”
Brontus hingegen war nicht ganz so leicht zu überzeugen. “Jetzt lasst uns doch mal langsam machen. Wie Karl Ender schon sagte: ‘Gold ist nicht der Schlüssel zur Macht.’” Doch auch Bordo wollte an diesen Schatz. Und so begaben sich die vier in Richtung Höhle.
Kaum waren sie dort angekommen, erklang auch schon eine Stimme: “Noch einen Schritt weiter und ihr habt ein Messer in der Brust stecken.” Bordo wollte gleich zum Gegenschlag ansetzen. So ging niemand mit den Bobo-Brüdern um. Doch bevor er noch etwas sagen konnte, war auch Brontus schon dazwischen gegangen. “Ganz ruhig. Wir sind in friedlicher Absicht hier. Wie Karl Ender schon sagte: 'Menschen, die sich in Höhlen aufhalten, soll man nicht überfallen.” Die Gestalt am Eingang der Höhle lies das Messer leicht sinken, aber nur sehr leicht. Olaf erkannte, dass die Person schon etwas älter sein musste. “Wenn ich uns vorstellen darf. Wir sind die vier Bobo-Brüder. Die bekanntesten Wrestler der Welt. Man kann uns buchen für Geburtstage und Hochzeiten. Auch auf jeder Beerdigung ist ein Auftritt von uns vier Bobos der absolute Renner.” Die Gestalt am Eingang der Höhle lies das Messer wieder nach oben schnellen. Bevor jedoch einer der vier noch etwas tun konnte, lief auch schon eine weitere ältere Person aus dem Höhleneingang. Er lief direkt auf die vier Männer zu und hob Olaf die Hand hin. “Mein Name ist Geronimo Röder und ich wohne hier.” Etwas erstaunt ergriff Olaf die im dargebotene Hand. Geronimo drehte sich zu der anderen Gestalt um. “Hey Stefan. Stefan Balls die vier scheinen ganz nett zu sein.” Geronimo forderte die vier Brüder auf ihn in die Höhle zu folgen. Kurz zögerten sie, doch folgten sie dem seltsamen alten Mann.

Als sie die Höhle betraten, schaute sie sich erst einmal um. Die Höhle war eher spartanisch ausgestattet. Neben vier Betten und einer kleinen Hängematte, fast wie für ein Kind, gab es nur ein kleines Lagerfeuer. Als Oleg genauer hinsah, konnte er erkennen, dass in der einen Ecke des Raumes eine kleine Stadt aus winzigen Hütten aufgebaut war. Die Hütten waren so klein, dass in ihnen höchstens Mäuse leben konnten. Erstaunt fragte er Geronimo. “Das da? Was ist das?” Kaum hatte Oleg die Worte ausgesprochen, kam eine weitere Person auf die Gruppe zu. Die vier Brüder sahen sofort, dass der ältere Mann nackt war und nur eine Krawatte um seinen Hals hing. Geronimo hatte gar keine Chance zu antworten, den die Gestalt ergriff fast sofort das Wort. “Doktor Steffen Morfmann ist mein Name und ich bin Bürgermeister dieser kleinen Stadt. Früher wurde ich auch Schmorf genannt, aber das sind längst vergangene Zeiten.” Neben ihm war ein Pavian aufgetaucht. Dieser hatte im Gegensatz zu Schmorf einen kleinen passenden Anzug an. “Und darf ich vorstellen. Das ist Pavian Döhla. Er ist der oberste Gerichtshofmeister.” Die vier Brüder schauten den Pavian erstaunt an. Sie schienen hier ja alle nicht mehr ganz bei Trost zu sein.

Auf einmal spürte Oleg, dass sein Bein nass wurde. Angewidert schaute er nach unten. Die hatten hier doch nicht etwa auch noch einen Hund. Doch nicht ein Hund sorgte gerade dafür, dass sein Bein nass wurde, sondern dort unten war ein Mann auf allen vieren. Oder eher auf allen dreien. Eines seiner Beine hatte der alte Mann nach oben gehoben und pinkelte Oleg an. Smorf ging sofort dazwischen. “Zacharias, halt.” Sofort hörte der Angesprochene auf Oleg anzupinkeln. “Ihr müsst meinen Freund entschuldigen. Er hat viele Stunden alleine verbracht. Zu viele Stunden, wenn man das sagen darf. Und hat alle seine menschlichen Eigenschaften abgelegt.” Oleg merkte, wie die Wut in ihm aufstieg, aber er hielt sich noch zurück. So ging niemand mit einem Bobo um, aber sie waren schließlich hier auch Gäste. Und der Mann draußen vor der Höhle schien nicht ungefährlich zu sein.

Brontus hatte sich derweilen in der Höhle weiter umgesehen. In einer Ecke war ein Stapel mit Pfeilen. Interessiert beugte sich Brontus nach unten. Er fasste die Pfeile an und wollte sie aufheben. Doch anstatt zwanzig ganze Pfeile hatte er nun neunzehn halbe und einen ganzen Pfeil in der Hand. Geronimo erblasste. Die jahrelange Arbeit innerhalb von Sekunden vernichtet. Um besonders schöne Pfeile herzustellen, hatte er sich für jeden seiner Pfeile zwei Jahre Zeit gelassen. “Das tut mir aber leid. Du musst wissen manchmal schätze ich meine Kraft falsch ein. Und dann mache ich Sachen kaputt. Oleg passiert das auch öfters. Aber er kann auch alles reparieren. Den wie Karl Eder schon sagte: 'Alles was kaputt gehen kann, kann man auch wieder reparieren.” Brontus schien die ganze Sache mehr als peinlich zu sein. Mit diesen Worten drückte er seinem verdatterten Bruder die Pfeile in die Hand, der sie erst einmal auf dem Boden ablegte. Ob er hier etwas reparieren würde, wusste er noch nicht.

Nun betrat auch Stefan Balls die Höhle. Auch her hielt es für die rechte Zeit sich den Bobo Brüder vorzustellen. “Mein Name ist Stefan Balls. Ich bin Ex-Navy Seal und Ex-Unterhosenmodel. Als Ex-Navy Seal habe ich besondere Fähigkeiten. Zum Beispiel habe ich einmal eine Explosion nur mit Hilfe meines Gehörs identifiziert.” Die vier Bobo Brüder schauten sich an und kommunizierten regelrecht gedanklich. Keiner der vier wollte länger bei diesen vier verrückten alten Männern bleiben. Olaf ergriff das Wort. “Vielen Dank für eure Gastfreundschaft, aber wir vier Bobo Brüder müssen jetzt auch weiterziehen.” Langsam bewegten sich die vier Brüder auf dem Weg zum Ausgang zu. Da hörten sie von draußen ein Wimmern. Erschrocken stürzten die acht Personen in Richtung Ausgang.


Kapitel 3: Kampf auf Leben und Tod

Olaf hatte mit seinen langen Beinen als erstes den Ausgang erreicht. Vor der Höhle hatten sich Trauernde versammelt. Doch nicht nur ein paar wenige. Es war eine ganze Herde von Trauernden. Olaf hatte das Gefühl, dass sich alle noch lebenden Trauernden genau diese Höhle als Treffpunkt ausgesucht hatten. Mittlerweile hatten auch die sieben anderen aufgeholt. Es war nun Zeit zu handeln. Und diese Gelegenheit ergriffen die vier Brüder sofort. Sie würden zu ihrer effektivsten Waffe greifen. “Auf das Hamsterrad”, rief Olaf. Seine Brüder wussten sofort was zu tun war. Oleg, Olaf und Brontus bildeten das Rad und Bordo sprang hinein. “ANGRIFF.” schrie er und das Rad setzte sich in Bewegung. Den vier Brüdern gelang es die ersten beiden Reihen mit dieser Taktik auszuschalten. Doch dann mussten sie wieder in den Schutz der Höhle sich zurück ziehen. Um nicht in die Gefahr zu kommen, von einem der Trauenden gebissen zu werden.

Doch auch die vier alten Männer waren nicht untätig geblieben. Stefan Balls hatte seine drei Messer gezückt und fing an damit auf die ersten Trauerenden, die ihm zu nahe kamen einzustechen. Nach und nach bildete sich ein Leichenberg von Trauernden um ihn. Schließlich machten so ein paar Trauernden einem Ex-Navy Seal nichts aus.
Zacharias hatte versucht etwas an Höhe zu gewinnen und auf die Höhle zu klettern. Doch trotz seiner langjährigen Erfahrung als Industriekletterer und seiner langen Zeit im Wald, bei der er nur auf Bäume kletterte, misslang ihm das. Seine alte Schussverletzung machte ihm mal wieder einen Strich durch die Rechnung. Also würde er wohl wieder in den Nahkampf wechseln müssen. Das konnte er schließlich noch.
Schmorf hatte sich einen Haufen Steine zurecht gelegt. Denn wenn es eins konnte, außer mit einer Schmiede umzugehen, dann war es Dinge zu werfen. Man musste ihm nur einen Stein, oder eine Dose oder eine Wasserflasche geben und schon konnte er damit jeden Gegner bezwingen. Und nun warf er unerbittlich Stein um Stein.

Geromino Röder hatte seinen Bogen und seinen letzten Pfeil mit nach draußen genommen. Auch wenn es sein letzter Pfeil war, wollte er diesen in diesem Kampf einsetzen. Ruhig zielte er auf den ersten Trauernden und traf mit einem perfekten Schuss nicht nur diesen in den Kopf, sondern der Pfeil flog sogar durch den Kopf hindurch und tötete den nachfolgenden Gegner. Jetzt musste er nur wieder an seinen Pfeil kommen. “Schmorf, ein Ablenkungsmanover.” Das ließ sich ein Steffen Morfmann nicht zweimal sagen. Sofort sprang dieser auf und zeigte sich den Trauernden in seiner ganzen Bracht. Einige schienen davon sogar wirklich kurzzeitig irritiert zu sein und Geromino Schröder nutzte die Gelegenheit um seinen Lieblingspfeil zu retten.

Noch immer war der Schwall an Gegnern nicht versiegt. Die Bobo Brüder beschlossen zu einer besonderen List zu greifen. Ihr Vater hatte es ihnen zwar verboten, aber jetzt war eine besondere Situation und besondere Situationen bedürfen besondere Taten. Doch ihr Vater würde sich im Grab um drehen. Kaum ließ er sie allein, hörten sie auch nicht mehr auf ihn. Aber jetzt war es Zeit für den Doomsday Device hoch 3. Ganz unten stellte sich Olaf auf, auf seine Schulter kletterte Brontus, auf dessen Schultern kletterte Oleg und ganz oben machte es sich Bordo bequem. “Doomsday Device hoch 3” riefen sie und sofort sprang Bordo auf den ersten Gegner. Oder besser gesagt auf die ersten drei. Denn durch den Schwung ries er drei Trauernde in den tot. Kaum hatte sich Bordo von seinen Schultern gelöst, setzte auch Oleg zum Sprung an. Kurz kam er ins Straucheln. Er hätte eindeutig mehr üben sollen. Doch schließlich gelang es ihm mit seinem Sprung zumindest einen der Gegner KO zu schlagen. Nun sprang auch Brontus von den Schultern seines Bruders und legte zwei Gegner sofort flach. Die vier Brüder machten sich zum nächsten Angriff bereit. Doch da kam Zacharias auf sie zugerannt.

Bisher hatte Zacharias kein Wort von sich gegeben. Doch dieser Kampf und die Übermacht der Gegner schien seine Zunge gelöst zu haben und er konnte wieder mit einer menschlichen Stimme reden. “Macht das ihr wegkommt. Die Höhle hat noch einen weiteren Ausgang. Folgt ihr einfach in das Innere des Berges. Unsere Abenteuer sind auserzählt. Aber ihr habt eure noch vor euch.” Das ließen sich die vier Brüder nicht zweimal sagen. Gegen die Trauernden hatten sie keine Chance, aber vielleicht konnten die vier alten Männer ihnen zumindest einen Vorsprung ermöglichen. Sie stürzten in die Höhle und liefen so schnell sie konnten.

Nach einiger Zeit hatten sie den Ausgang erreicht. Die vier Brüder hatten es geschafft. Sie waren relativ unbeschadet aus diesem Kampf gekommen. Einige wenige Blessuren hatte es gegeben, aber im Großen und Ganzen waren sie eigentlich nur eins: erschöpft. Kaum hatten sie einen etwas geschützten Platz entdeckt, ließen sie sich auch schon nieder. Eigentlich wollten die vier noch unter sich die Wache aufteilen, doch ihnen waren schon die Augen zugefallen und sie waren in einen tiefen Schlaf gesunken. Keiner der vier hatte bemerkt, dass ihnen eine Gruppe von den Kindern des Chaos gefolgt war und diese hatten keine Probleme, den Vieren eine Betäubungsspritze zu setzen um sie in Käfigen in ihr Lager zu bringen.

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Update:
Wow! So viele geniale Geschichten, wir sind richtig begeistert! Um die Auswertung kümmert sich unser Lieblings-Alwin. Anfang nächster Woche wollen wir eine/n Gewinner/in küren. Danke schon mal an alle Teilnehmer, ihr hättet alle einen Preis verdient! <3

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Es ist soweit! Es fiel uns unglaublich schwer eine/n Gewinner/in zu küren, denn es waren so viele gute Einsendungen. Doch nun kommen wir zur Sache:

Herzlichen Glückwunsch an @Nebelwaldeule! Die signierte T.E.A.R.S.-Erweiterung ist Dein!

Zum Abschluss noch unsere Top 5:

Platz 5:

Platz 4:

Platz 3:

Platz 2:

Platz 1:

Ein riesiges Dankeschön an alle, die mitgemacht haben. Immer wieder sind wir von euch beeindruckt. Beste Community! Liebe Grüße auch von Alwin <3

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